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Opferhilfeverein: Coronakrise erhöht Risiko häuslicher Gewalt

Archivmeldung vom 10.11.2020

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 10.11.2020 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch André Ott
Blutiges Messer (Symbolbild)
Blutiges Messer (Symbolbild)

Bild: Eigenes Werk /OTT

Der Opferhilfeverein Weißer Ring hat vor zunehmender häuslicher Gewalt während der Corona-Pandemie gewarnt. Man müsse davon ausgehen, "dass es jetzt im Lockdown noch einmal zu deutlich mehr Taten kommt", sagte der Bundesvorsitzende des Weißen Rings, Jörg Ziercke, am Dienstag.

Der Verein mache sich die "allergrößten Sorgen", so Ziercke. "Dass diese Phase in die dunkle Jahreszeit fällt, in der es ohnehin mehr Vorfälle gibt, verschlimmert die Lage für die Opfer zusätzlich."

Jedes Jahr erfasst die Polizei rund 140.000 Fälle von häuslicher Gewalt. Das Dunkelfeld ist wohl riesig: der Weiße Ring geht davon aus, dass allenfalls jede fünfte Tat angezeigt wird. Betroffen sind überwiegend Frauen, jede dritte Frau in Deutschland hat schon einmal Gewalt erfahren. Dabei könne sich die Spirale häuslicher Gewalt bis zum Schlimmsten steigern, wenn sie nicht rechtzeitig gestoppt werde, so der Weiße Ring. Jede dritte getötete Frau in Deutschland wird von ihrem eigenen Partner umgebracht. Dass viele aktuelle Gewalt-Statistiken noch keinen sichtbaren Corona-Effekt abbilden, sei kein Anlass für Entwarnung, sagte Ziercke.

"Unsere Erfahrung zeigt, dass sich die Gewalttaten nicht schnell in Zahlen niederschlagen. Opfer melden sich nicht gleich nach der Tat, und sie melden sich auch nicht an dem Tag, an dem das Ende eines Lockdowns verkündet wird." Häufig lebten sie viele Jahre mit der Gewalt. "Aus Erfahrung wissen wir, dass sich Spannungen in Gewalt entladen können, wenn Menschen auf engem Raum zusammensitzen und zusätzlich psychischen Belastungen ausgesetzt sind wie Ängsten um Gesundheit und Jobverlust oder Zukunftsunsicherheiten", so der Bundesvorsitzende. "All das passiert zurzeit wegen Corona."

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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