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Im Winter geborene Männer sind häufiger Linkshänder

Archivmeldung vom 02.07.2014

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 02.07.2014 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Bild: Dieter Schütz / pixelio.de
Bild: Dieter Schütz / pixelio.de

Ein Geburtsdatum im November, Dezember oder Jänner begünstigt bei Männern Linkshändigkeit. Während die genetischen Grundlagen der Händigkeit nach wie vor nicht vollständig geklärt sind, haben Forscher der Fakultät für Psychologie der Universität Wien nun indirekt einen hormonellen Mechanismus bestätigt, der offenbar Linkshändigkeit bei Männern begünstigt. Psychologen um Ulrich Tran von der Universität Wien publizieren dazu aktuell in der Fachzeitschrift "Cortex".

Viele Tätigkeiten und Handgriffe des täglichen Lebens sind für Rechtshänder optimiert. Etwa 90 Prozent der Bevölkerung ist rechtshändig, lediglich etwa 10% sind Linkshänder. Die Studie von Ulrich Tran, Stefan Stieger und Martin Voracek umfasste zwei große unabhängige Stichproben mit insgesamt fast 13.000 erwachsenen TeilnehmerInnen aus Österreich und Deutschland. Durch die Verwendung zweier Stichproben konnte, wie in modernen genetischen Studien, die Wiederholbarkeit und damit Robustheit des untersuchten Effektes innerhalb derselben Studie gleich mitüberprüft werden. Insgesamt waren 7,5 Prozent der Frauen und 8,8 Prozent der Männer Linkshänder. "Erstaunlich war, dass dieses Ungleichgewicht durch einen Geburtsüberschuss männlicher Linkshänder speziell in den Monaten November, Dezember und Jänner zustande kam. Während im monatlichen Schnitt 8,2 Prozent der linkshändigen Männer in den Monaten Februar bis Oktober geborenen wurden, lag dieser Anteil für die Monate November bis Jänner bei 10,5 Prozent", erklärt Ulrich Tran, Erstautor der Studie.

Hormonelle Ursache während der Embryonalentwicklung "Der Jahreszeiteneffekt der Händigkeit hat seine vermutliche Ursache aber nicht in der Dunkelheit der Monate November bis Jänner, sondern, im Gegenteil, in der Helligkeit der Monate Mai bis Juli, ein halbes Jahr zuvor", so Ulrich Tran. Die US-Neurologen Norman Geschwind und Albert Galaburda vermuteten bereits in den 1980er Jahren, dass Testosteron in der embryonalen Entwicklung die Reifung der linken Hirnhemisphäre hemmt. Bei Rechtshändern ist die linke Hemisphäre dominant, bei Linkshändern ist es die rechte. Männliche Föten haben aufgrund ihrer eigenen Hormonproduktion einen höheren Testosteronspiegel als weibliche Föten. Der Testosteronspiegel des Fötus kann aber auch durch den Hormonspiegel der Mutter oder andere äußere Faktoren beeinflusst werden. Mehr Tageslicht erhöht den Testosteronspiegel, was einen Jahreszeiteneffekt plausibel macht.

Bisherige Studien erbrachten ein inkonsistentes Bild. Es blieb unklar, welche Jahreszeit einen Effekt hat und ob Männer oder Frauen oder beide Geschlechter gleichermaßen betroffen sind. Die aktuellen Ergebnisse belegen nun, dass es einen kleinen, aber robusten und replizierbaren Effekt der Jahreszeit gibt und dass dieser nur Männer betrifft. Während die Ergebnisse eine hormonelle Ursache wahrscheinlich machen, und damit eine alte, umstrittene Theorie stützen, muss der genaue Wirkmechanismus in zukünftigen Studien aber noch genauer geklärt werden.

Quelle: Universität Wien (idw)

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