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Böller "immer größer und gefährlicher": Nach Silvester ziehen Ärzte verheerendes Fazit

Archivmeldung vom 04.01.2017

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 04.01.2017 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch André Ott
Bild: Tim Reckmann / pixelio.de
Bild: Tim Reckmann / pixelio.de

Nach massiven Böller- und Pyrotechnik-Vorfällen mit Dutzenden Verletzen zum Jahreswechsel in Sachsen-Anhalt sprechen Ärzte und Kriminalisten von einer neuen Gefahren-Qualität. Die medizinischen Notfälle der Silvesternacht seien durch "schwere und schwerste" Verletzungen geprägt gewesen, sagte Frank Siemers der in Halle erscheinenden Mitteldeutschen Zeitung. Der Direktor der Klinik für plastische Chirurgie und Brandverletzungen im Bergmannstrost-Klinikum Halle sagte dem Blatt weiter, mit rund 50 Notfällen sei die Zahl im Vergleich zum Vorjahr gleichbleibend hoch gewesen - doch die Verletzungen seien verheerender.

Experten des Landeskriminalamtes (LKA) warnen indes, die zuletzt im Land sichergestellten illegalen Böller seien "immer größer und gefährlicher". Allein im halleschen Bergmannstrost mussten Ärzte nach Silvester neun mehrstündige Notoperationen durchführen.

In einem Fall hatte ein explodierender Böller einem Mann das Ohr abgerissen, in mehreren Fällen hatten Feuerwerkskörper Finger abgetrennt. Über sechs Stunden hinweg operierten die Ärzte einen Mann, dem mit einer Schreckschusswaffe in die Hand geschossen worden war. "Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr hatten wir nur eine Operation", so Siemers. In der Neujahrsnacht seien zusätzliche Ärzte aus der Bereitschaft zum Dienst gerufen worden.

Auch an der Uniklinik Magdeburg registrierten die Ärzte zum Jahreswechsel mit rund 20 Notfällen eine ähnlich hohe Verletztenzahl wie im vergangenen Jahr. Der Großteil der Verletzungen sei auf fahrlässigen Umgang mit Feuerwerkskörpern zurückzuführen, sagte Siemers. Laut LKA ist das besonders verheerend, da illegal importierte Pyrotechnik aus dem Ausland immer durchschlagskräftiger werde.

Während das Innenministerium von einem "unerfreulichen Niveau" sichergestellter illegaler Böller spricht, sieht das LKA sogar eine steigende Gefahr. Die Kriminologen stellten im Jahr 2016 verbotene Böller aus Russland sicher, die selbst illegale polnische Modelle in ihrer Sprengkraft um das 50-fache überbieten, sagte LKA-Sprecher Andreas von Koß der Zeitung.

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung (ots)

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