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EKD-Ratsvorsitzender wirft Papst Benedikt Brüskierung der Protestanten vor

Archivmeldung vom 15.02.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 15.02.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Benedikt XVI., der 265. und amtierende Papst Bild: Fabio Pozzebom/ABr / de.wikipedia.org
Benedikt XVI., der 265. und amtierende Papst Bild: Fabio Pozzebom/ABr / de.wikipedia.org

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, wirft dem scheidenden Papst Benedikt XVI. vor, bei dessen Deutschland-Besuch 2011 evangelische Christen brüskiert zu haben. Im Interview mit der "Welt" sagte Schneider über Benedikts damaligen Besuch in der Erfurter Augustinerkirche: "Er hat an jenem Tag öffentlich gesagt, dass er keine ökumenischen Gastgeschenke mitgebracht habe und dass wir nicht wie politische Parteien miteinander reden könnten. Das haben viele von uns als deutliche Brüskierung empfunden." Denn der Papst habe damit "suggeriert, wir Protestanten verständen die Gespräche als Verhandlungen zwischen Parteien. Das tun wir nicht", sagte Schneider.

"Das Bild, das der Papst von uns dort entwarf, hat mit unserem Selbstbild überhaupt nichts zu tun." Schneider wies die Vorstellung zurück, dass Protestanten von ihrer Wertschätzung durch den Vatikan abhängig seien: "Unser Selbstverständnis hängt nicht davon ab, ob Rom uns etwas zuerkennt oder abspricht. Der Vatikan gibt nicht das Maß des Christlichen vor." Stattdessen gehe es darum "auf Augenhöhe miteinander umzugehen".

Schneider weiter: "Hoffen kann ich nur auf dies: Dass der nächste Papst Anregungen gibt, wie evangelische und die römisch-katholische Kirche ihr Verhältnis verbessern können." Schneider hält es in diesem Zusammenhang für möglich, dass ein nicht aus Deutschland stammender neuer Papst einen weniger befangenen Blick auf die konfessionellen Verhältnisse in Deutschland werfe und dadurch die ökumenische Zusammenarbeit verbessern könne. Zwar sei es "nützlich" gewesen, dass Benedikt die deutschen Verhältnisse kannte, aber "ein freier Blick auf die deutschen Verhältnisse bei einem Papst ohne Vorprägungen durch frühere Erfahrungen kann uns möglicherweise auch gut tun", sagte Schneider.

In Benedikts Rücktritt sieht Schneider, der Ende März sein eigenes Amt als Präses der Rheinischen Landeskirche aus Altersgründen abgeben wird, eine Veränderung im katholischen Amtsverständnis: "Ich sehe nach Benedikts Rücktrittsankündigung eine Akzentverschiebung im Verständnis des päpstlichen Amtes" sagte Schneider. "Benedikt sieht das Amt sehr nüchtern und behauptet nicht, dass es von sich aus die Person tragen könne. Er zeigt, dass die Person auch in der Lage sein muss, das Amt zu tragen." Damit, so Schneider weiter, stehe Benedikt "im Kontrast zu seinen Vorgängern, die bis zum Tod Papst blieben, obwohl manche von ihnen dazu körperlich und geistig nicht mehr fähig waren".

Zentralrat der Muslime: "Irritationen" wegen Regensburger Papst-Rede überwunden

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, sieht in der umstrittenen Regensburger Rede von Papst Benedikt XVI. aus dem Jahr 2006 keinen Streitpunkt mehr im heutigen Verhältnis zwischen Muslimen und katholischer Kirche: "Benedikt hat durch diverse Äußerungen und Dialog-Veranstaltungen das Bemühen erkennen lassen, die durch die Regensburger Rede entstandenen Irritationen zu beheben", sagte Mazyek der "Welt". "Das akzeptieren wir", ergänzte Mazyek, "zumal wir den Eindruck haben, dass jenes Bemühen nicht pragmatische Gründe hatte, sondern aus dem ernsthaften Interesse an einem vertieften Gespräch der Gelehrten entsprang."

Papst Benedikt XVI. war 2006 auch von deutschen Muslimen scharf kritisiert worden, nachdem er in einem Vortrag an der Universität Regensburg einen Satz des byzantinischen Kaisers Manuel II. über die Gewalttätigkeit des Islam zitiert hatte. Von dem kommenden Papst wünscht sich Mazyek die Bereitschaft zum gemeinsamen Einsatz der Gläubigen gegen das Schwinden des Gottesglaubens. "Von einem neuen Papst erhoffen wir uns, dass die katholische Kirche Anregungen gibt für ein gemeinsames Gespräch aller Gläubigen, wie wir den Herausforderungen des Säkularismus und Rationalismus begegnen können." Es sei, so Mazyek, "ein Problem für alle Gläubigen, ob Christen, Juden oder Muslime", dass "die spirituellen und religiösen Dimensionen des Menschen zurückgedrängt" würden. "Mit der katholischen Kirche würden wir gern darüber sprechen, wie wir diesem Problem gemeinsam begegnen können."

Nachfolgend das gesamte Zitat von Aiman Mazyek in autorisierter Fassung:

"Benedikt hat durch diverse Äußerungen und Dialog-Veranstaltungen das Bemühen erkennen lassen, die durch die Regensburger Rede entstandenen Irritationen zu beheben. Das akzeptieren wir, zumal wir den Eindruck haben, dass jenes Bemühen nicht pragmatische Gründe hatte, sondern aus dem ernsthaften Interesse an einem vertieften Gespräch der Gelehrten entsprang. Von einem neuen Papst erhoffen wir uns, dass die katholische Kirche Anregungen gibt für ein gemeinsames Gespräch aller Gläubigen, wie wir den Herausforderungen des Säkularismus und Rationalismus begegnen können. Es ist ein Problem für alle Gläubigen, ob Christen, Juden oder Muslime, dass die spirituellen und religiösen Dimensionen des Menschen zurückgedrängt werden. Mit der katholischen Kirche würden wir gern darüber sprechen, wie wir diesem Problem gemeinsam begegnen können."

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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