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Back on (Biathlon-) track & Rekordwunder vom Kulm

Archivmeldung vom 12.01.2015

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 12.01.2015 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Severin Freund Bild: DSV
Severin Freund Bild: DSV

Tina Bachmann feiert nach langer Pause ihr Weltcup-Comeback und wird von den Fans in Oberhof bejubelt. Und: Das Rekordwunder vom Kulm - oder wie aus einem Deutschen Rekord ein Schanzenrekord wurde.

Auch wenn das Weltcup-Comeback mit Platz 47 eher durchschnittlich verlief, die Fans hatten Tina Bachmann sofort wieder ins Herz geschlossen. Und so skandierten die Zuschauer in Oberhof auch lange nach Wettkampfende immer wieder „Tina, Tina“, während die 28-Jährige noch immer Fragen zu ihrem Rennen und vor allem zu ihrer Gemütslage beantwortete.

Tina Bachmann ist nach zweijähriger Unterbrechung zurück im Elitefeld der Winterzweikämpfer. Das klingt nicht sonderlich sensationell. Doch hinter den nackten Fakten steckt eine Leidensgeschichte, eine Geschichte, die eben auch zum Leistungssport gehört, so wie Siege und Spitzenplätze. Seit sie denken kann, hatte sich Tina Bachmann dem Skisport verschrieben. Mit drei Jahren stand die sie zum ersten Mal auf Ski, dann startete sie ihre Nachwuchskarriere, wechselte aus dem heimatlichen Schmiedeberg an die nicht weit entfernte Sport-Eliteschule nach Altenberg in Ostsachsen. Die Laufbahn schien wie am Schnürchen zu verlaufen. 2009 folgte der erste Weltcupsieg, es gab zwei WM-Titel zu bejubeln und eine Einzel-Silbermedaille bei den Welttitelkämpfen 2011 in Russland. Doch spätestens nach der Saison 2011/12 folgte die Durststrecke. Bachmann erreichte nicht mehr das vorher abgerufene Leistungsniveau. Aber Sotschi – die Olympischen Spiele, das große Ziel – wollte sie unbedingt erreichen. Und trainierte umso mehr. Was dazu führte, dass die Leistungen weiter nachließen, weil die Sächsin eben auf Erholungsphasen verzichtete, einfach überzog, nicht mehr richtig steuern konnte. Hinzu kamen gesundheitliche Probleme. Eine Schilddrüsenerkrankung wurde diagnostiziert, und als das Niveau auch 2013 nicht mehr stimmte, qualifizierte sich Bachmann nicht mehr für den A-Kader.

Kurz und gut: Die Karriere der Tina Bachmann schien vorbei. Im Frühjahr 2014 begab sich die Polizeimeisterin in klinische Obhut, blieb zwölf Wochen im Krankenhaus, kämpfte gegen den festgestellten Erschöpfungszustand, neudeutsch mit Burnout umschrieben. Und kehrte anschließend zurück zum Biathlon. „Ich glaube, ich habe die Sache inzwischen im Griff“, verkündete Bachmann nach dem Weltcup-Comeback in Oberhof. Übertreiben will sie aber nicht mehr, sich auch nicht über Gebühr unter Druck setzen. Das wollen auch die Trainer nicht und vielleicht äußert sich Bundestrainer Gerald Hönig auch deshalb nur sehr zurückhaltend über die weitere sportliche Entwicklung der jungen Frau aus dem Erzgebirge. Die weiß, dass blinder Ehrgeiz nur schadet, die Dosis mache das Gift, gibt sie zu Protokoll. Aber mit der richtigen Dosis im Gepäck scheint auch nicht ausgeschlossen, dass Bachmann sich wieder im Team etabliert. Sie wäre auf Anhieb eine der erfahrenen Biathletinnen, denn aus der aktuellen Mannschaft kennt Bachmann eigentlich nur Franziska Hildebrand. Ihr eigener Name stand zuletzt in den Siegerlisten, als Neuner, Henkel und Co. durch die Loipen fegten. Und vielleicht hilft ja die Erinnerung an die glorreichen Zeiten bei der Rückkehr an die Weltspitze.

Das Rekordwunder vom Kulm - oder wie aus einem Deutschen Rekord ein Schanzenrekord wurde
Es war einer dieser Flüge für die Ewigkeit. Nicht nur, weil es eine kleine Ewigkeit dauerte, bis Severin Freund nach seinem Fabelsatz auf 237,5 Meter im Training zum Weltcup auf der umgebauten Flugschanze am Kulm wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Sondern weil der 26-jährige Skiflugweltmeister damit auch Geschichte schrieb. Denn jene 237,5 Meter bedeuteten neuen Deutschen Rekord. Ob dieser Flug gleichzeitig auch den Schanzenrekord auf der Anlage in der Steiermark bedeutete, darüber diskutieren die Experten noch. Was aber den sensationellen Flug des Deutschen aber keinen Deut schlechter macht. Andreas Goldi Goldberger wusste, wovon er sprach: Sein Satz auf 202 Meter, der erste 200-Meter-Sprung überhaupt, aus dem Jahr 1994 hatte beim gestrengen Weltverband FIS ebenso keine Anerkennung gefunden, wie Espen Bredesens 209 Meter, beide bei der Flug-WM in Planica erreicht. Warum? Weil die FIS den Weltrekord auf 191 Meter festgelegt hatte. Ungeachtet dieser Nonsens-Entscheidung ging es immer weiter und weiter und so steht der – noch immer inoffizielle – Weltrekord inzwischen bei stolzen 246,5 Metern, aufgestellt vom Norweger Johann Remen Evesen 2011 in Vikersund. Schanzenrekord auf der dortigen Flugschanze ist die Weite aber. Wenngleich das mit den Schanzenrekorden auch so eine Sache ist.

Keine klaren Regeln

Denn klare Regeln sucht man vergebens. Früher konnten die Betreiber der Schanze nach eigenem Ermessen entscheiden, ob sie eine im Training erzielte Bestmarke offiziell anerkennen wollten oder nicht. Die einen argumentierten, der Sportler sei – unter welchen Bedingungen auch immer – diese Weite halt gesprungen und basta. Andere wiederum sagten, nur im Wettkampf erzielte Weiten könnten offiziellen Charakter besitzen. Wie auch immer, das bunte Durcheinander interessierte so recht eigentlich nur die Schanzenrekordhalter und die Betreiber der Anlage, denn der Titel „Größte Flugschanze der Welt“ klingt einfach bombastischer als „Kleinste Normalschanze im Umkreis von 20 Kilometern“, und mit Superlativen lässt sich – das zeigt die Erfahrung – immer gut werben.

Also wurde gegraben und gebuddelt, wurden Schanzentische versetzt und Anläufe verändert. Was sich nicht änderte, war das Regelwerk. Alles inoffiziell – vor Jahren lautete die Begründung der FIS, man wolle die gefährliche Jagd nach Rekorden nicht fördern, die Sicherheit der Springer stünde im Vordergrund. Was allerdings niemanden hinderte, den Ausbauten in Planica, Vikersund, Oberstdorf oder am Kulm immer wieder zuzustimmen. Womit wir bei der wundersamen Wandlung des Deutschen Rekordes von Severin Freund zum Schanzenrekord in Bad Mitterndorf wären. Denn während die Presse in Deutschland und Slowenien, Österreich und Norwegen noch vom Schanzenrekord des Slowenen Peter Prevc schrieb, schrieb die FIS wieder einmal ihre eigene Geschichte. Auf der Starterliste des ersten Weltcuptages stand nämlich der aktuelle Schanzenrekord, exakt jene 237,5 Meter, die Severin Freund am Vortag im Training erzielt hatte. Was, bitteschön, soll man dazu sagen? Ganz einfach: Glückwunsch, Sevi!

Quelle: VIESSMANN Werke GmbH & Co. KG

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