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Katrin Kunert zur Doping-Studie: Aufklärung geht anders

Archivmeldung vom 07.08.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 07.08.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bild: D. Braun / pixelio.de
Bild: D. Braun / pixelio.de

"Nach der Teil-Veröffentlichung des 'Abschlussberichtes' bleiben mehr Fragen als Antworten. Der Bericht ist stark gekürzt, Namen werden nicht genannt. Aufklärung sieht anders aus", so Katrin Kunert, sportpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, zur Debatte über die aktuelle Doping-Studie der Humboldt-Universität Berlin, die die Doping-Vergangenheit in der Bundesrepublik untersucht hatte.

Kunert weiter: "Bundesinnenministerium und DOSB lassen de facto jede konstruktive Mitwirkung vermissen, die doch ihre erste Aufgabe wäre. Bundesinnenminister Friedrich verschleppt die Aufklärung wissentlich. Von gleichen Maßstäben gegenüber der Dopingpraxis in Ost und West ist er weit entfernt, eine Untersuchung der Verwicklungen des eigenen Hauses wird nicht betrieben. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes unverantwortlich. Dem DOSB geht es in erster Linie darum, den Mythos zu wahren, dass die beiden deutschen Dopingsysteme nicht gleichzusetzen seien. Aber mit dem Fingerzeig auf die anderen sind die eigenen Versäumnisse nicht aufzuklären. Letztlich wird damit nur die Verschleierung fortgesetzt, denn erst die konsequente Offenlegung der Dopingpraxis in der BRD lässt Aussagen über die Vergleichbarkeit beider Systeme zu.

Jetzt müssen Namen, Fakten und Seilschaften auf den Tisch. Das Schwärzen von Namen ist sinnlos, da infolge der Verjährungsfrist nicht mit strafrechtlichen Folgen zu rechnen ist.

Darüber hinaus muss den beteiligten Wissenschaftlern Rechtsschutz garantiert werden. Es kann nicht sein, dass nach der vollständigen Veröffentlichung des Abschlussberichtes die rechtliche Verantwortung allein bei ihnen liegt und sie, nach Nennung von Namen, mit teuren Klagen zu rechnen haben. Hier gilt das Konnexitätsprinzip: Wer die Studie beauftragt hat und Offenlegung wollte, muss auch die Folgekosten tragen.

In der jetzigen Situation ist es auch nicht mehr ausreichend, immer nur von Sportlern Offenlegung einzufordern. Trainer, Ärzte, Verbandsfunktionäre, Sportpolitiker müssen umso mehr ihrer Mitwirkungspflicht nachkommen. In Konsequenz der Aufarbeitung der Doping-Praxis muss ein Antidopinggesetz her, dass den Namen auch verdient. Die Finanzierung der Forschungen für den Zeitraum nach 1990 muss gewährleistet und die weitere Vernichtung von Akten verhindert werden. In der neuen Wahlperiode sollte eine Enquete-Kommission des Bundestages die Verstrickungen, Verschleierungsversuche und Netzwerke in der Dopingpraxis zwischen BMI, DOSB und BiSP aufdecken."

Doping: Gabriel greift Friedrich an

SPD-Chef Sigmar Gabriel wirft Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) vor, die Aufklärung des westdeutschen Doping-Skandals zu verschleppen. "Trainer und Funktionäre, die in der ehemaligen DDR Doping organisiert haben, mussten sich völlig zu Recht vor Gericht verantworten. Für ihre West-Kollegen scheint das nicht zu gelten: Offensichtlich will Innenminister Friedrich sogar die Veröffentlichung ihrer Namen mit fadenscheinige Argumenten verhindern", sagte Friedrich der "Leipziger Volkszeitung" (Donnerstag-Ausgabe). "Wenn die Berichte auch nur ansatzweise stimmen, stehen wir vor einem der größten Sportskandale Westdeutschlands. Das Innenministerium muss dafür sorgen, dass endlich alle Karten auf den Tisch kommen", so Gabriel weiter. "Doping-West darf nicht anders behandelt werden als Doping-Ost."

Kutschaty: Dopingsünder müssen Schadensersatz zahlen

NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) fordert die Einführung des Straftatbestands Dopingbetrug. "Wer dopt, schadet nicht nur dem Sport, sondern auch ganz konkret den Mitstreitern", sagte Kutschaty der Westfalenpost (Donnerstag-Ausgabe). "Keiner interviewt den Vierten eines Rennens, und Sponsoren findet er auch schwerer. Von einem Werbevertrag ganz zu schweigen." Auch den Sponsoren entsteht aus Sicht des Politikers ein Schaden, da diese den Sport und keine Manipulation fördern wollten. "Deswegen fordere ich die Einführung des Straftatbestands des Dopingbetrugs, da dadurch auch gewährleistet wäre, dass der Täter dem Opfer Schadensersatz leisten müsste", sagte Kutschaty.

Quelle: Fraktion DIE LINKE. - Leipziger Volkszeitung - Westfalenpost (ots)

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