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Doping-Skandal: ÖSV-Langlaufchef Nystad schmeißt hin

Archivmeldung vom 01.03.2019

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 01.03.2019 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Peter Schröcksnadel (2017)
Peter Schröcksnadel (2017)

Foto: Manfred Werner (Tsui)
Lizenz: CC BY-SA 4.0
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Im Zuge des Doping-Skandals bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld bröckeln die Strukturen im österreichischen Team. Die zwei festgenommenen österreichischen Langläufer haben inzwischen gestanden, mit Eigenblut gedopt zu haben. Der sportliche Leiter für Langlauf und Biathlon, Markus Gandler, legt sein Amt nieder. Nun hat auch Trond Nystad genug. Dies meldet das russische online Magazin "Sputnik".

Weiter heißt es hierzu auf deren deutschen Webseite: "Gegenüber der DPA gab Österreichs Langlauf-Koordinator Nystad am Freitag an, sein Amt nach den Titelkämpfen niederlegen zu wollen. „Man fühlt sich voll betrogen und verarscht“, so der Norweger. Angesichts des Doping-Skandals und der Festnahmen von Athleten aus den eigenen Reihen könne er sich für die Fortsetzung seiner Tätigkeit beim ÖSV „überhaupt nicht mehr motivieren“.

„Für mich ist das eine abgeschlossene Zeit in meinem Leben. Etwas Schlimmeres kann man im Sport nicht erleben“, so Trond Nystad, der Ehemann der deutschen Ex-Langläufern Claudia Nystad.

Für ÖSV-Präsident ist Deutschland die Dopingzentrale

Angesichts des Doping-Skandals bei der Nordischen Ski-WM im österreichischen Seefeld verweist der Präsident des Österreichischen Skiverbands Peter Schröcksnadel auf die Spuren, die nach Erfurt führen. Deutschland sei die Zentrale, aber Österreich müsse es ausbaden.

In einem Interview mit dem „Kurier“ sagte Schröcksnadel, die WM in Seefeld sei zwar ein guter Aufhänger, aber die Gauner würden woanders sitzen. „Die Zentrale ist schon in Deutschland, aber auf die Österreicher wird jetzt hingehaut“, so der 77-Jährige. Er habe gehört, es seien deutsche Ärzte und möglicherweise auch Athleten betroffen, da könne man „das nicht immer auf das kleine Österreich abschieben“.

Dass es kein Zufall ist, dass die Spuren der Doping-Machenschaften nach Erfurt führen,  bestätigt auch der deutsche Doping-Jäger Werner Franke. In einem Interview mit der „Welt“ sagte der Heidelberger Molekularbiologe: „Der Standort Erfurt ist mir in all den Jahren immer wieder im Zusammenhang mit Doping begegnet — in der DDR und auch danach“. Man könne schon von einem der „Knotenpunkte des Sportbetrugs in Deutschland“ sprechen.

Bei dem deutschen Sportmediziner Mark S. und seinen mutmaßlichen Handlangern könne man hinsichtlich der kriminellen Energie und der Organisation des Dopings vom „deutschen Fuentes“ sprechen. Der spanische Arzt Eufemiano Fuentes stand vor dreizehn Jahren im Mittelpunkt eines der größten Doping-Skandale in der internationalen Radsportszene.

Während der Erfurter Arzt Mark S. und ein mutmaßlicher Gehilfe in Haft sind, gehen Spekulationen um mögliche weitere Mitglieder des Doping-Netzwerks und darüber, ob deutsche Sportler ebenfalls Eigenblutdoping praktiziert haben, weiter. Anders als ÖSV-Präsident Schröcksnadel ist der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Alfons Hörmann, zuversichtlich, dass deutsche Sportler sauber sind. Nach bisherigem Kenntnisstand seien weder Nachwuchskader-Athleten noch Top-Athleten Deutschlands in irgendeiner Sportart mit Mark S. in Kontakt gewesen.

„Wir sind zuversichtlich, dass deutsche Athleten und Athletinnen von diesem Vorgang und von dieser Praxis nicht betroffen sind. Aber ich betone immer wieder: Stand heute. Ganz am Ende wird das weitere Verfahren zeigen, wie die Gesamtgemengelage aussieht“.

Als Erfolg des seit 2016 in Deutschland geltenden Anti-Doping-Gesetzes sieht Dopingexperte Fritz Sörgel die Verhaftung des Sportmediziners Mark S. und hofft, dass sich das Vorgehen der Staatsanwaltschaft abschreckend auf einen Großteil der Athleten auswirken werde.

„Es ist ein schönes Beispiel und eine Warnung: Zu unterschätzen ist das System der Strafverfolgung nicht. Aber Leute, wie die hier betroffenen, schreckt gar nichts ab. An der Weltspitze, gleich welcher Disziplin, sind Menschen mit diesem Selbstzerstörungswillen die Regel.“

Im Rahmen der „Operation Aderlass“ hatte das österreichische BKA bei der Ski-WM im österreichischen Seefeld fünf Langläufer wegen des Vorwurfs des Dopings mit Eigenblut festgenommen. Ein Athlet ist kurz vor dem Wettkampf sogar auf frischer Tat ertappt worden als er im Begriff war, eine Bluttransfusion vorzunehmen. Zeitgleich ist in Erfurt der Sportmediziner Mark S. sowie ein mutmaßlicher Gehilfe festgenommen worden."

Quelle: Sputnik (Deutschland)

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