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Doping-Prozess: Es wurde nie nach Venen-Einstichen gesucht

Archivmeldung vom 21.01.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 21.01.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Anja Schmitt
Gericht: Urteil. Bild: flickr.com/sfalkow
Gericht: Urteil. Bild: flickr.com/sfalkow

Vor wenigen Tagen ist Deutschlands größter Doping-Prozess mit der Verurteilung des Erfurter Sportmediziners Mark S. und seiner Komplizen zu Ende gegangen. Sachverständige waren auch Detlef Thieme, Leiter des Doping-Kontrolllabors in Kreischa, und der emeritierte Lübecker Universitätsprofessor Wolfgang Jelkmann. Ihre Bilanz ist ernüchternd. Dies schreibt das russische online Magazin „SNA News“ .

Weiter ist auf deren deutschen Webseite dazu folgendes geschrieben: "Es sei „hochgradig befremdlich“, sagte Detlef Thieme, wie Lücken im System der Doping-Fahndung „professionell und gnadenlos ausgenutzt werden konnten“. Mark S. hatte eine ausgeklügelte Strategie der Verabreichung des Blutdopings, ohne sich erwischen zu lassen. So wurde das aufbereitete Blut beispielsweise auf Reisen verabreicht oder kurz vor den Wettkämpfen, wenn keine Kontrollen befürchtet werden mussten. „Hier trat ein Defizit zutage, das ich mir so nicht vorstellen konnte“, so Thieme. Der Lübecker Professor Wolfgang Jelkmann forderte in dem Zusammenhang, die Probenabnahmen müssten zielgerichteter erfolgen, um die Effektivität zu steigern. Neben der Fokussierung auf einschlägige Sportarten und vermehrte Trainingskontrollen schlug er vor, bei Sportlern auch die Armbeugen nach Veneneinstichen zu kontrollieren. Im Prozess hatten mehrere Athleten ausgesagt, das sei nie passiert.

Nach Ansicht von Detlef Thieme müsse künftig auch die Zusammenarbeit zwischen der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, den Testorganisationen, Sportverbänden, Juristen und Laboren besser und die Kommunikation schneller werden, denn die Sportbetrüger seien den Fahndern immer mindestens einen Schritt voraus.

Operation Aderlass

Nach dem Dopinggeständnis des österreichischen Skilangläufers Johannes Dürr in einer ARD-Dokumentation waren die Ermittlungen aufgenommen worden und führten Ende Februar 2019 zu ersten Festnahmen im Rahmen der „Operation Aderlass“ bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld. Unter den Verhafteten waren fünf Sportler aus drei Nationen sowie der Erfurter Sportmediziner Mark S. und ein Komplize. Bei einer Hausdurchsuchung wurden in den Räumlichkeiten des Arztes zahlreiche Blutbeutel und eine Zentrifuge sichergestellt. Was folgte waren Doping-Geständnisse, Sperren von belasteten Spitzensportlern, Entlassungen von involvierten Trainern. Wie die Münchener Staatsanwaltschaft im Dezember 2019 bestätigte, gehörten insgesamt 23 Sportler aus acht Nationen zu den Kunden von Mark S. und seinem Netzwerk. Dabei kamen die meisten aus Österreich (7) und Deutschland (4), gefolgt von Estland und Slowenien (jeweils 3), Italien und Kroatien (jeweils 2), sowie aus Kasachstan und der Schweiz (jeweils 1). Betroffen waren die Sportarten Skilanglauf, Straßenrad, Mountainbike, Skibergsteigen, Eisschnelllauf, Biathlon und Leichtathletik.

In Deutschlands größtem Doping-Prozess seit Einführung des Anti-Doping-Gesetzes 2015 wurde der Erfurter Sportmediziner Mark S. am 15. Januar 2021 zu knapp fünf Jahren Haft, einem dreijährigen Berufsverbot sowie einer Geldstrafe in Höhe von 158.000 Euro verurteilt. Zwei Tage zuvor bekam einer seiner ehemaligen Klienten, der österreichische Radprofi Stefan Denifl, in seinem Prozess vor einem Gericht in Innsbruck zwei Jahre Haft, wovon 16 Monate auf Bewährung ausgesetzt wurden. "

Quelle: SNA News (Deutschland)

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