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Wie wettbewerbsfähig ist die deutsche Bundesliga eigentlich?

Archivmeldung vom 19.08.2017

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 19.08.2017 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Untersucht den Profifußball in Deutschland: Prof. Dr. Henning Zülch, Inhaber des Lehrstuhls Accounting & Auditing an der HHL Leipzig Graduate School of Management.
Untersucht den Profifußball in Deutschland: Prof. Dr. Henning Zülch, Inhaber des Lehrstuhls Accounting & Auditing an der HHL Leipzig Graduate School of Management.

Quelle: HHL.

Eine Analyse zur Managementqualität im deutschen Profifußball von der HHL Leipzig Graduate School of Management

Die Bundesliga kriselt. Hoffenheim wird wohl die Champions-League Qualifikation gegen Liverpool trotz guter Leistung verpassen. Freiburg hat sich bereits aus der Europa-League verabschiedet. Und dann fängt der Motor der großen Clubs vermeintlich an zu stottern: Bayern kommt nicht richtig in Tritt und der BVB kämpft mit hausgemachten Problemen, wie der Suspendierung von Dembélé.

Gleichzeitig wird die Ligue 1 durch den Neymar-Transfer für 222 Mio. € künftig aufholen. Die schwächelnde Bundesliga muss folglich aufpassen, ihren Stellenwert im europäischen Fußball nicht sukzessive zu verlieren.

Festzustellen ist in diesem Zusammenhang, dass sich der Wettbewerb im Profifußball dramatisch verändert hat. Um auf diesem Parkett langfristig überlebensfähig zu sein, müssen Fußballclubs daher eine fortlaufende Professionalisierungsstrategie verfolgen.

Mit der vorliegenden Studie wird erstmals der Stand der Professionalisierung mittels eines Management-Qualitätsscore abgebildet, dem sog. FoMa Q-Score. Dieses Qualitätsmaß basiert auf einer für den Profifußball modifizierten Balanced Scorecard. Neben dem Bereich ‚Finanzielle Leistungsfähigkeit‘ und ‚Sportlicher Erfolg“ spielen die Bereiche ‚Fanwohlmaximierung‘ sowie ‚Führung und Governance‘ eine entscheidende Rolle bei der Beurteilung der Managementqualität der Bundesligaclubs.

Fazit: Die Managementqualität in der deutschen Bundesliga hat bei weitem noch nicht das Niveau erreicht, welches erforderlich ist, um international eine führende Rolle einzunehmen. Hier gibt es noch zahlreiche Entwicklungspotenziale, die es zu heben gilt, um in den aktuell widrigen Zeiten nicht den Anschluss zu verlieren.

Ausgangslage

In den vergangenen Jahren hat gerade in Deutschland der Fußball einen immensen Auftrieb erfahren, nicht zuletzt durch den Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2014. Die Bundesliga boomt. Sie ist ein relevanter Wachstumsmarkt. So haben laut DFL-Report 2017 in der Saison 2015/16 18,8 Millionen Zuschauer die Spiele der 1. und 2. Bundesliga besucht und 3,89 Mrd. € Umsatzerlöse erzielt. Tendenz steigend. Sportlich wie finanziell geht es der Liga also gut. Die Frage ist nur, wie lange noch?

Europäische Ligen, wie die französische Ligue 1 oder die italienische Serie A, holen auf. Waren diese Ligen bezogen auf ihre sportliche Qualität und Erfolge in den letzten Jahren hinter der deutschen Bundesliga positioniert, so ermöglichen zahlreiche Investoren eine Qualitätssteigerung durch spektakuläre Transferaktivitäten, wie den wohl größten Transferdeal aller Zeiten zwischen Paris und Barcelona um den Spieler Neymar. Geschätzte 222 Mio. € sollen fließen. In diesem Umfeld gilt es sich mit gesundem kaufmännischen Weitblick und sportlichem Sachverstand zu behaupten. Nicht einfach für alle Beteiligten, wenn Summen aufgerufen werden für Spieler, die für einige Clubs mehr als existenzgefährdend sein können.

Vorgehensweise

„Nicht die potenten Einzelinvestoren machen den langfristigen Erfolg einer Liga aus, vielmehr ist es das Geschäftsmodell Profifußball, welches nachhaltig zu entwickeln ist.“

Prof. Dr. Henning Zülch, Inhaber des Lehrstuhls Accounting & Auditing an der HHL Leipzig Graduate School of Management

Genau hieran setzt die vorliegende Studie an. Zunächst sind in einem ersten Schritt die wesentlichen Erfolgsfaktoren eines professionellen Fußballclubs zu identifizieren. Dies geschieht anhand einer Balanced Scorecard. Vier wesentliche Bereiche können ausgemacht werden, die es zu optimieren gilt, um langfristig Erfolg zu generieren. Der ‚Sportliche Erfolg‘ mit Subkategorien wie ‚Team Performance‘ oder ‚Player Development‘ spielt mit 40% Einfluss auf den Gesamtscore unzweifelhaft die dominierende Rolle im Modell gefolgt vom Bereich ‚Finanzielle Leistungsfähigkeit‘ mit 25%-Anteil am Gesamtscore. Weiterhin bilden die Bereiche ‚Fanwohlmaximierung‘ sowie ‚Führung und Governance‘ die übrigen Erfolgsfaktoren des Modells, welche mit jeweils 17,5% in den Gesamtscore einfließen. Basis dieser Auswahl und Gewichtung bilden das allgemein anerkannte Schrifttum in diesem Bereich und die Erkenntnisse im Rahmen zahlreicher Expertengespräche. Der FoMa Q-Score, ermittelt auf der Basis der so ausgestalteten Balanced Scorecard, kann den Fußballclubs somit detaillierte Anhaltspunkte zum Stand ihrer Professionalisierung liefern.

Ergebnisse

„Auf den ersten Blick bestätigen sich viele Klischees; indes birgt die detaillierte Betrachtung der Ergebnisse zahlreichen Zündstoff für die Clubs und die Liga. So besitzen nur zwei Clubs wirklich internationale Klasse. Dies ist definitiv zu wenig für einen vitalen Wettbewerb.“ Prof. Dr. Henning Zülch, Inhaber des Lehrstuhls Accounting & Auditing an der HHL Leipzig Graduate School of Management

Der FC Bayern München hat mit minimalem Vorsprung das Rennen gemacht. Nur 0,001 Punkte trennen den Zweitplatzierten Borussia Dortmund (FoMa Q-Score = 0,789) von den Bayern (FoMa Q-Score = 0,790). Beide Vereine bilden wie erwartet die Sperrspitze des deutschen Profifußballs. Der dritte Club im Bunde ist sodann der FC Schalke 04, welcher mit einigem Abstand (FoMa Q-Score = 0,627) folgt. Auffällig ist, dass alle drei Clubs ihre Stärken im Teamerfolg, in der Markenpflege und in der Internationalisierung ausspielen; aber ihre soziale Verantwortung im Vergleich zu den übrigen Clubs der ersten Liga schwächer priorisieren.

Die Überraschungsmannschaft der letzten Saison, der 1. FC Köln, bestätigt auch in der vorliegenden Analyse den sehr guten fünften Platz (FoMa Q-Score = 0,564). Problematisch ist lediglich die Kategorie ‚Internationalisierung‘ als Einflussfaktor der finanziellen Leistungsfähigkeit des Clubs. Dies mag daran liegen, dass sich der 1. FC Köln als rein nationaler Traditionsverein begreift. Mit Blick auf die künftige Entwicklung und nachhaltige Stabilisierung des sportlichen Erfolgs sollten die Verantwortlichen des 1. FC Köln diese Sichtweise ablegen.

Das Sorgenkind der Liga, der Hamburger SV, findet sich auf einem 13. Platz im vorliegenden Ranking (FoMa Q-Score = 0,388). Punkten kann der Club im Bereich der finanziellen Leistungsfähigkeit und Fanwohlmaximierung. Der HSV lebt hier offenkundig noch von seinen alten Erfolgen und genießt trotz allem immer noch hohes Ansehen bei seiner Fangemeinde. Die Bereiche ‚Sportlicher Erfolg‘ sowie ‚Führung und Governance‘ sind hingegen – wie erwartet – defizitär.

„Unsere Studie weist auf die Defizite der Clubs der 1. Bundesliga sehr transparent hin. Zugleich können mit dem verwendeten Instrumentarium der Balanced Scorecard zielgerichtete Hinweise für Verbesserungen angeboten werden, an denen die Clubs künftig nicht vorbeikommen. Eine Diskussion der Defizite hilft zudem der Liga insgesamt, die Wettbewerbsdichte innerhalb der Liga selbst sowie deren Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich zu steigern.“ Prof. Dr. Henning Zülch, Inhaber des Lehrstuhls Accounting & Auditing an der HHL Leipzig Graduate School of Management

Quelle:  HHL Leipzig Graduate School of Management

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