Arbeitgeber fordern radikale Reform der Pflegeversicherung
Archivmeldung vom 07.07.2025
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Freigeschaltet durch Sanjo BabićDie deutschen Arbeitgeber schlagen eine radikale Reform der Pflegeversicherung vor. Bedürftige im ersten Betreuungsjahr sollen demnach je nach Pflegegrad noch keine größeren Leistungsansprüche an die Pflegekassen haben. Es müsse eine "Karenzzeit" gelten, heißt es in den noch unveröffentlichten Plänen der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) für eine Pflegereform 2026, über die die FAZ berichtet.
Mit solchen Karenzzeiten ließe sich etwa ein Zehntel der Pflegeausgaben sparen, mehr als sechs Milliarden Euro im Jahr.
Ähnlich
wie in der Rentenversicherung müsse das System außerdem um einen
"Nachhaltigkeitsfaktor" ergänzt werden, damit die Abgaben nicht aus dem
Ruder liefen, sobald die Zahl und die Leistungsansprüche der
Pflegebedürftigen überproportional stark stiegen. Die BDA fordert
überdies, versicherungsfremde Leistungen aus dem Bundeshaushalt und
nicht länger aus den Beiträgen zu finanzieren. Allein die Übernahme der
Rentenbeiträge für pflegende Angehörige könnte die Kassen um vier
Milliarden Euro im Jahr entlasten.
Auch müssten die Bundesländer
endlich "vollumfänglich" ihren Investitionspflichten für die Pflegeheime
nachkommen. Dadurch würde der Eigenanteil jedes Heimbewohners von
durchschnittlich 3.000 Euro um fast 500 Euro im Monat sinken.
Diese
und weitere Vorschläge der Arbeitgeber summieren sich für die
Pflegekassen nach Berechnungen der FAZ auf Einsparungen von mehr als 16
Milliarden Euro im Jahr, das wären 23 Prozent der Gesamtausgaben 2024
von vorläufig 68,2 Milliarden Euro. Die Eigenanteile der Heimbewohner
könnten sich um mehr als 20 Prozent auf rund 2.370 Euro im Monat
verringern.
Die FAZ beruft sich auf ein zwölfseitiges
Verbandspapier mit dem Titel "Für eine leistungsfähige und finanzierbare
Soziale Pflegeversicherung" (SPV). Es dient als Denkanstoß für die im
Koalitionsvertrag von Union und SPD vereinbarte "große Pflegereform".
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) setzt dazu an diesem Montag eine
Bund-Länder-Arbeitsgruppe ein. Das Gremium soll bis zum Jahresende
Vorschläge unterbreiten, wie die Pflege bezahlbar bleiben kann.
"Bundesgesundheitsministerin
Warken hat recht: Die Pflegeversicherung kann nur fortbestehen als
Teilkaskoversicherung, mit Umverteilungsphantasien ist das System nicht
zu retten", sagte BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter der FAZ.
"Ohne tiefgreifende Reformen drohen drastische Beitragssteigerungen
zulasten der jungen Generation, der Betriebe und des Standorts."
Quelle: dts Nachrichtenagentur