Direkt zum Inhalt Direkt zur Navigation
Sie sind hier: Startseite Nachrichten Natur/Umwelt Vulkan-Eruption auf den Kapverden

Vulkan-Eruption auf den Kapverden

Archivmeldung vom 17.01.2015

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 17.01.2015 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
3D-Ansicht der Vulkaninsel Fogo, Kapverden. Der Radarsatellit Sentinel-1 erlaubt Bewegungen des Bodens zu vermessen. Hier dargestellt: Blau=Boden bewegt sich hin zum Satelliten, Rot=Boden entfernt sich vom Satelliten. Über Computersimulationen lässt sich die Lage und Größe eines Magmabruchs in der Tiefe errechnen. Die Eruption ereignet sich nicht am Gipfel des Pico do Fogo, sondern oberhalb des Magmabruchs.
3D-Ansicht der Vulkaninsel Fogo, Kapverden. Der Radarsatellit Sentinel-1 erlaubt Bewegungen des Bodens zu vermessen. Hier dargestellt: Blau=Boden bewegt sich hin zum Satelliten, Rot=Boden entfernt sich vom Satelliten. Über Computersimulationen lässt sich die Lage und Größe eines Magmabruchs in der Tiefe errechnen. Die Eruption ereignet sich nicht am Gipfel des Pico do Fogo, sondern oberhalb des Magmabruchs.

(Grafik: Thomas Walter, Mehdi Nikkhoo, Pau Prats)

Auf der kapverdischen Vulkaninsel Fogo begann am 23. November 2014 ein Vulkanausbruch, der bis jetzt andauert. Die Eruption begann nach jahrzehntelanger Ruhephase, gilt aber bereits jetzt als der größte Vulkanausbruch auf den Kapverden seit über 60 Jahren. Beträchtliche Schäden wurden bereits durch die Lavaströme verursacht, so sind drei Ortschaften unter den Lavamassen begraben oder zerstört, tausende Anwohner mussten evakuiert werden. Ein dreiköpfiges Expertenteam des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ nimmt zur Zeit auf Fogo direkte Geländemessungen vor, um lokale Partner zu unterstützen.

Über die Europäische Kontaktstelle CECIS (Common Emergency Communication and Information System) wurde das GFZ gebeten, den Verlauf der Eruption zu beobachten und seine Expertise auf dem Gebiet der Vulkanüberwachung bereitzustellen. „Unser Team, das GFZ Hazard and Risk Team HART, arbeitet hierfür in Kooperation mit der Universität der Kapverden, dem Vulkanobservatorium auf den Kanaren und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt zusammen,“ erklärt GFZ-Vulkanologe Dr. Thomas Walter. „Einerseits werden dabei aus der Ferne neueste Daten, beispielsweise von Satelliten, analysiert und interpretiert. Andererseits findet die Inspektion vor Ort mit direkten Geländemessungen statt.“

Mittels Daten des europäischen Forschungssatelliten Sentinel-1 wurden bereits unmittelbar zu Beginn der Eruption Oberflächenbewegungen rekonstruiert. Die Wissenschaftler des GFZ in Potsdam konnten nun mithilfe dieser Daten den Weg des Magmas in der Tiefe verfolgen und eine Erklärung für die Lage der Ausbruchsstelle liefern. Über Computersimulationen lässt sich die Lage und Größe eines Magmabruchs in der Tiefe errechnen. Im Ergebnis bestätigt sich: Die Eruption ereignet sich nicht am Gipfel des Pico do Fogo, sondern oberhalb des Magmabruchs.

Die Sentinel-1-Daten werden etwa wöchentlich aktualisiert, um hierüber Bewegungen des Grundes während der Eruption millimetergenau zu überwachen. Zudem werden durch die Expedition die gegenwärtigen Änderungen vor Ort überwacht und die Messungen vervollständigt. Die GFZ-Wissenschaftler haben auf Fogo unterschiedliche Sensoren im Einsatz, wie beispielsweise hochauflösende Infrarotkameras, die es erlauben Temperaturveränderungen nachzuverfolgen. Darüber hinaus wird ein Lasergerät eingesetzt um die Topographie an Millionen von Messpunkten aufzunehmen. GFZ-Forscher Thomas Walter: „Mit diesen Daten werden nicht nur die bereits eruptierten Lavamassen und das Lava-Volumen genau vermessen; auch mögliche Fließrichtungen zukünftiger Lavaströme werden besser vorhersagbar.“

Wie lange der Ausbruch noch anhalten wird, ist derzeit nicht absehbar. Die Rate, mit der Lava ausströmt, lässt langsam nach, jedoch wird die Form der Eruptionen explosiver und unberechenbarer, wobei auch deutlich mehr Asche produziert wird. Daher ist weiterhin Wachsamkeit erforderlich, ein Annähern an die Eruptionskrater bleibt gefährlich.

Quelle: Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ (idw)

Anzeige: