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Umweltschädliches Ammoniak: Ausstoß deutlich höher als gedacht

Archivmeldung vom 11.04.2015

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 11.04.2015 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bodennahe Gülleausbringung mit einem Güllefass auf Grünland
Bodennahe Gülleausbringung mit einem Güllefass auf Grünland

Foto: Rasbak
Lizenz: GFDL
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Deutschlands Probleme mit umweltschädlichem Ammoniak sind weit größer als gedacht. Wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtet, habe die Bundesregierung für die Jahre 2010 bis 2012 jeweils um etwa 100.000 Tonnen zu gering bemessene Emissionswerte an die EU-Kommission übermittelt. Damit hätte der Ausstoß nicht wie bislang gedacht teils mehrere Tausend, sondern Hunderttausend Tonnen über dem jährlichen Grenzwert von 550.000 Tonnen gelegen. Für 2013 meldete die Bundesregierung Schadstoffemissionen von insgesamt 671.000 Tonnen. Das schreibt die NOZ unter Berufung auf eine Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion.

Gülle nach der bodennahen Ausbringung auf einer Weide
Gülle nach der bodennahen Ausbringung auf einer Weide

Foto: Rasbak
Lizenz: GFDL
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Eine Sprecherin der EU-Kommission bestätigte der NOZ den Eingang der überarbeiteten Daten. Deutschland sei eines von vier Ländern in Europa, das den Ammoniak-Grenzwert überschritten habe. Die Kommission habe die Staaten aufgefordert darzulegen, wie der Ausstoß gesenkt werden soll. Überzeuge die Antwort nicht, könne ein förmliches Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland vorangetrieben werden.

Das umweltschädliche Ammoniak fällt nach Angaben des Umweltbundesamtes zum überwiegenden Teil in der tierhaltendenden Landwirtschaft an und wird etwa in Form von Gülle auf die Felder gebracht. Neue Berechnungsparameter hätten dazu geführt, dass die Emissionen deutlich höher lägen als bislang angenommen, teilte das Bundesumweltministerium der NOZ mit. "Die Berechnungen sind dem Stand der Wissenschaft angepasst worden. Das war in der Vergangenheit nicht immer der Fall", räumte ein Sprecher ein. Zudem sei bislang von zu geringen Tierzahlen in der Geflügelmast ausgegangen worden.

Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth sagte: "Der Handlungsbedarf ist offensichtlich." Die Bundesregierung sehe sich auf Basis der Neuberechnungen bestärkt darin, "die Düngeverordnung jetzt schnell auf den Weg zu bringen und so zu gestalten, dass die Landwirtschaft die Ammoniak-Emissionen nachhaltig absenkt."

Die Grünen im Bundestag bezweifelten, dass die bislang ergriffenen Maßnahmen ausreichten. Bärbel Höhn, Vorsitzende des Umweltausschusses im Bundestag sagte der Zeitung: "Dass die Lage so dramatisch ist, hatte sich keiner ausgemalt." Sie forderte Aufklärung darüber, was Umwelt- und Agrarministerium seit Dezember unternommen haben, um die vereinbarte Höchstgrenze einzuhalten. "Jetzt ist klar, dass viel konsequentere Maßnahmen zur Emissionsminderung ergriffen werden müssen."

Friedrich Ostendorff, agrarpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, verwies auf die hohe Tierdichte in einigen Regionen Deutschlands. Gerade im Bereich der Geflügelhaltung seien die Zahlen in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert. "Das halten die Ökosysteme nicht länger aus. Wir brauchen dringend eine Rückkehr zu einer flächengebundenen Tierhaltung", so Ostendorff.

Nach Berechnungen des Umweltbundesamtes verursacht jedes Kilogramm ausgestoßenes Ammoniak 27 Euro Umweltkosten. Der klimaschädliche Stoff gelangt vor allem in Form von Dünger in die Umwelt und trägt hier zur Versäuerung von Böden und Gewässern bei.

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung (ots)

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