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Klimaforscher: "Gute Maßnahmen, wenn wir 200 Jahre Zeit hätten"

Freigeschaltet am 21.09.2019 um 11:08 durch Andre Ott
Laut der Mehrzahl aller Klimaforscher haben gibt es keine Klimakrise. Leider werden diese bei Medien und Politik ausgegrenzt (Symbolbild)
Laut der Mehrzahl aller Klimaforscher haben gibt es keine Klimakrise. Leider werden diese bei Medien und Politik ausgegrenzt (Symbolbild)

Bild: Unbekannt / Eigenes Werk

Aus Sicht des Klimaforschers Volker Quaschning gehen die Maßnahmen des am Freitag vorgestellten Klimapakets der Bundesregierung "komplett am Bedarf vorbei". Die Regierung tue so, "als ob wir 200 Jahre Zeit hätten. Dann wären die Maßnahmen gut, aber nicht bei 15 Jahren", sagte Quaschning der RTL/n-tv-Redaktion.

Im Eckpunktepapier, das der Koalitionsausschuss am Freitag nach einer 19-stündigen Sitzung in Berlin vorstellte, erkennt Quaschning "keine Logik und keinen Sachverstand". An der künftigen CO2-Bepreisung kritisiert der Mitinitiator der Vereinigung "Scientists for Future", dass sie erst in zwei Jahren einsetze und wesentlich zu niedrig sei. "Man hat sich nicht einmal getraut, diesen Mikroschritt in diese Legislaturperiode zu legen." Eine Bepreisung von zehn Euro pro Tonne CO2, so wie es nun beschlossen wurde, "bedeutet umgerechnet, dass man etwa drei Cent pro Liter Sprit mehr zahlt. Wenn ich eine Straße weiter zur nächsten Zapfsäule fahre, habe ich auch drei Cent pro Liter Unterschied. Das wird keinen Menschen dazu bringen, weniger Auto zu fahren." Zu Ölheizungen, deren Einbau die Bundesregierung ab 2026 verbieten will, sagte Quaschning, das Verbot komme viel zu spät.

"Wir sollten Öl- und Gasheizungen möglichst ab übermorgen nicht mehr einbauen und nicht erst in sechs Jahren." kritisch sah er auch, dass die Bundesregierung das Verbot auf Ölheizungen beschränkt und Gasheizungen weiter eingebaut werden dürfen. "Das heißt, man wird die Ölheizung durch die Gasheizung ersetzen. Und das heißt, wir ersetzen ein sehr großes Problem durch ein mittelgroßes Problem. Was ist daran ambitioniert? Ich ringe mit meiner Fassung." Auch die Maßnahme, Bahnfahrten billiger zu machen und Fliegen zu verteuern, wird nach Meinung des Wissenschaftlers keinen Effekt haben. "Wenn das Ticket für eine weite Strecke 120 statt 100 Euro kostet, wird das niemanden in die Bahn locken." Ähnlich effektlos sieht er die Erhöhung der Luftverkehrssteuer: "Wenn Sie für ein Schnäppchenticket von Berlin nach München statt 39 Euro zukünftig 47 Euro zahlen, wird Sie das sicherlich nicht abhalten zu fliegen." Deutschland werde die Klimaschutzziele "krass verfehlen".

Quelle: dts Nachrichtenagentur


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