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Blattläuse beeinflussen ganze Wälder

Archivmeldung vom 29.02.2012

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 29.02.2012 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Humboldt-Stipendiat Prof. Dr. Delphis F. Levia forscht in den kommenden sieben Monaten an der Universität Jena.
Quelle: Foto: Jan-Peter Kasper/FSU (idw)
Humboldt-Stipendiat Prof. Dr. Delphis F. Levia forscht in den kommenden sieben Monaten an der Universität Jena. Quelle: Foto: Jan-Peter Kasper/FSU (idw)

Auch wenn Blattläuse dank ihrer weißen Wachsfäden mitunter so plüschig daherkommen wie Teddybären, sind sie bei weitem nicht so beliebt und vor allem nicht so harmlos. Ärgerlich sind sie allein schon, wenn sie im heimischen Blumentopf auftauchen. Wenn sich die Insekten allerdings großflächig in Wäldern breitmachen, können sie ein ganzes Ökosystem beeinflussen. Welche Auswirkungen das genau hat, damit beschäftigt sich derzeit ein Gastwissenschaftler an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Prof. Dr. Delphis F. Levia von der University of Delaware im US-amerikanischen Newark will während seines siebenmonatigen Aufenthalts von Februar bis August Genaueres über den Einfluss der Buchenwolllaus auf die Hydrologie – also den Wasserhaushalt und die damit verbundenen Stoffflüsse – eines Waldes herausfinden. Unterstützt wird er dabei von der Alexander von Humboldt-Stiftung und seiner Kollegin Prof. Dr. Beate Michalzik vom Institut für Geographie der Universität Jena. „Ich kenne ihre Arbeit schon lange und halte sie für eine der Expertinnen weltweit, wenn es um die Auswirkungen von Insektenbefall auf Ökosysteme geht“, begründet der US-Amerikaner, warum er sich für Jena als Ziel seines Forschungsaufenthaltes entschieden hat. „Durch ein gemeinsames Buchprojekt haben wir uns näher kennengelernt und die Zusammenarbeit hier vor Ort vereinbart.“

Die Buchenwolllaus kommt sowohl in Nordamerika als auch in Europa vor. So kann Levia hier einerseits neue Informationen sammeln und sie andererseits mit seinen bisherigen Erkenntnissen vergleichen. „Die Insekten ernähren sich vom Pflanzensaft des Baumes und produzieren dabei sehr kohlenstoff- und stickstoffhaltige Stoffwechselendprodukte, wie den sogenannten Honigtau“, erklärt er. Der sei zwar aufgrund seines Zuckergehaltes bei Ameisen und Bienen sehr beliebt, kann aber zu bislang unbekannten Auswirkungen auf den Kohlenstoff- und Stickstoffhaushalt des Waldes führen, wenn er in die Erde gelangt. „Durch Niederschlag werden diese Stoffe von den Blättern gespült, laufen den Stamm herunter und gelangen schließlich in den Boden.“ Die Auswirkungen dieses Stammabflusses auf den Wasserhaushalt und lokale Bodenprozesse wollen Levia und Michalzik gemeinsam beobachten. Negative Effekte auf den Bestand und das Wachstum von Bäumen spiegeln sich schließlich im abnehmenden Laubwerk und damit im gestörten Kohlenstoffkreislauf des Waldes wider.

Bisher wissen die beiden Wissenschaftler noch nicht, ob sie in der waldreichen Umgebung Jenas ein befallenes Territorium finden oder ob sie nachhelfen müssen. „Wenn wir nach dem kalten Winter keine Region finden, in der sich die Blattlaus schon wieder ausgebreitet hat, werden wir wohl auf Pflanzen aus der Baumschule zurückgreifen und diese dann künstlich infizieren“, erklärt Michalzik. Mit dem Aufenthalt in Deutschland kann Levia seine Forschungsergebnisse bezogen auf amerikanische Wälder mit den europäischen vergleichen.

Doch der US-Amerikaner ist nicht nur seiner Arbeit wegen nach Deutschland gekommen. Er will auch Land und Leute näher kennenlernen. Deshalb hat er seine Familie mitgebracht. „So können wir gemeinsam eine ganz besondere Erfahrung machen“, sagt Levia. „Normalerweise kommt man mit anderen Ländern und Kulturen höchstens für zwei, drei Wochen während des Urlaubs in Kontakt.“ Mit seiner Frau besuchte er bereits in Delaware einen Deutschkurs, seine beiden Söhne gehen in Jena zur Schule. Zwar sei es schon aufwendig gewesen, den Auslandsaufenthalt zu organisieren, aber in Jena seien er und seine Familie schnell heimisch geworden, sagt der Humboldt-Stipendiat.

Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena (idw)

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