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Ratten können auch gönnen

Archivmeldung vom 17.01.2015

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 17.01.2015 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Bild: Mandy Stockmann / pixelio.de
Bild: Mandy Stockmann / pixelio.de

Düsseldorfer Psychologen um Prof. Dr. Tobias Kalenscher haben das soziale Verhalten von Ratten untersucht. Ihr Ergebnis: Selbst wenn die Ratten selbst keine offensichtlichen Vorteile haben, verhalten sie sich so, dass ihre Artgenossen davon profitieren. Die Ergebnisse veröffentlichen sie im Journal Frontiers in Neuroscience.

Wie verhalten sich Ratten, wenn sie wählen können, ob nur sie selbst oder auch eine weitere Ratte etwas zu essen bekommen kann?

Jeweils zwei Ratten nahmen am Experiment teil. Dabei konnte eine von ihnen auswählen, ob nur sie selbst oder gleichzeitig auch eine weitere, ansonsten passive Ratte eine Futterportion bekommt. Eindeutig zeigte sich, dass die Ratten weit überwiegend die prosoziale Alternative wählten, in denen auch ihr Partner satt wurde. Sie verhielten sich hingegen nicht prosozial, wenn statt eines Artgenossen lediglich eine Plüschratte am Experiment teilnahm.

„Unser Experiment ist eines der ersten, das eine evolutionär weit vom Menschen entfernte Tierart vor eine ökonomische Entscheidungssituation in sozialem Kontext stellt“, so Prof. Dr. Tobias Kalenscher von der Arbeitsgruppe Vergleichende Psychologie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Bisherige Experimente mit ähnlichen Fragestellungen wurden mit Affen oder Menschenaffen gemacht, die mit dem Menschen deutlich enger verwandt sind. Oder es ging um andere soziale Verhaltensweisen wie die gegenseitige Pflege, von denen beide Tiere profitieren. Beim aktuellen Szenario profitiert aber explizit ein anderer Artgenosse, ohne das die aktive Ratte davon einen direkten Vorteil hat.

Die aktive Ratte erfährt allerdings auch keinen Nachteil davon. Zur Zeit untersuchen die Düsseldorfer Forscher, welche Rolle die Kommunikation zwischen den Ratten spielt. Die profitierende Ratte stößt so genannte Happy-Calls im Ultraschallbereich aus. Julien Hernández-Lallement, Erstautor der Studie, dazu: „Wir untersuchen gerade, ob diese für den Menschen nicht wahrnehmbaren Laute wie eine ‚soziale Belohnung‘ auf die Entscheider-Ratte wirken“.

Die Ergebnisse von Prof. Kalenschers Team legen also nahe, dass ein prosoziales Verhalten bereits früh in der Evolution angelegt wurde. Es ist nicht ein Alleinstellungsmerkmal höher entwickelter Spezies oder gar des Menschen.

Quelle: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (idw)

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