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Warnung vor einer möglichen ökologischen Katastrophe

Archivmeldung vom 22.02.2014

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 22.02.2014 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Blick auf den Nicaraguasee
Quelle: Axel Meyer (idw)
Blick auf den Nicaraguasee Quelle: Axel Meyer (idw)

Konstanzer Wissenschaftler warnt vor chinesischem Megakanalprojekt in Nicaragua In einem am 20. Februar 2014 in der Zeitschrift „Nature“ veröffentlichten Kommentar warnt der Konstanzer Wissenschaftler Prof. Axel Meyer vor den Konsequenzen eines Großbauprojekts in Nicaragua. Axel Meyer, Professor für Zoologie und Evolutionsbiologie an der Universität Konstanz, hat gemeinsam mit Dr. Jorge A. Huete-Pérez, Präsident der nicaraguanischen Akademie der Wissenschaften und Direktor des Zentrums für Molekularbiologie der Universidad Centroamericana, Nicaragua, einen Kommentar zu einem in Nicaragua geplanten Bauvorhaben veröffentlicht.

Noch in diesem Jahr soll dort mit dem Bau eines transozeanischen Kanals begonnen werden, der den Pazifik mit dem Atlantischen Ozean verbinden wird. In ihrer Stellungnahme legen die Biologen die Auswirkungen und Risiken des geplanten Megakanals offen und fordern eindringlich eine unabhängige internationale Machbarkeitsstudie, die geologische Untersuchungen durchführt, ökologische Risiken wie soziale Auswirkungen berücksichtigt und alternative Routen evaluiert.

Im Juni vergangenen Jahres hat das Parlament in Nicaragua per Gesetz der „Hong Kong Nicaragua Canal Development Investment Co.“ (HKND) für bis zu hundert Jahre die Konzession für den Bau und Betrieb des Kanals übertragen. „Eine vom chinesischen Hauptinvestor beauftragte Firma soll innerhalb weniger Monate bis Mai 2014 einen Bericht zur Machbarkeit vorlegen, aber ernsthaft und unabhängig ausgeführte Studien über ein solches Großprojekt dauern mehrere Jahre und ziehen verschiedene ökologische und ökonomische Alternativen in Betracht“, erläutern Meyer und Huete-Pérez und betonen, dass insofern auch weiterhin keine seriöse und unabhängige Begutachtung des Bauvorhabens vorliege oder geplant sei.

Um in Konkurrenz mit dem bis 2015 erweiterten Panamakanal bestehen zu können, der bald Schiffe mit bis zu 400.000 Tonnen fassen kann, wird der Nicaraguakanal 286 Kilometer lang und bis zu 520 Meter breit sein. Das Megakanalprojekt wird mindestens 40 Milliarden US-Dollar kosten. Parallel zum Kanal sollen eine Straße, eine Eisenbahnlinie und eine Ölpipeline verlaufen. Die voraussichtliche Route des Kanals wird eine 90 Kilometer lange Schneise durch den Nicaraguasee schlagen, den größten See Mittelamerikas und wichtigsten Süßwasserspeicher in der Region. Für den Bau müssten Regenwälder gerodet, Flüsse umgeleitet und voraussichtlich auch indigene Völker umgesiedelt werden. „Allein für den von der Planung mit am stärksten betroffenen Nicaraguasee sind die möglichen Folgen eines solchen Megaprojekts als desaströs einzustufen: Verlandung und Versalzung würden ein fließendes Süßwasser-Ökosystem in ein künstliches Stauwasserreservoir mit Salzwasser verwandeln“, warnt Axel Meyer und betont, dass dadurch nicht nur die einzigartige Fischwelt bedroht wird, sondern durch die Bau- und Sicherungsmaßnahmen verheerende Umweltschäden bis hin zur endgültigen Vernichtung einzelner bedrohter Arten zu befürchten sind.

Quelle: Universität Konstanz (idw)

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