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Roter Tunfisch vor dem Kollaps

Archivmeldung vom 09.11.2007

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 09.11.2007 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
© WWF-Canon / Jorge BARTOLOME
© WWF-Canon / Jorge BARTOLOME

Der WWF fordert ein mindestens dreijähriges Fischereiverbot für den begehrten Roten Tunfisch im Mittelmeer. Nach Angaben der Umweltstiftung haben Spanien und Frankreich ihre Fangquoten in diesem Jahr erneut deutlich überschritten.

„Trotz jahrelanger Warnungen geht das Drama um den Roten Tunfisch ungehindert weiter. Die Politik hat versagt. Der Bestand des wohl majestätischsten Fisches der Weltmeere steht vor dem Kollaps. Jetzt hilft nur noch ein Moratorium“, erklärte Dr. Sergi Tudela vom WWF-Mittelmeerprogramm am Rande der heute beginnenden Tunfisch-Konferenz im türkischen Ferienort Antalya. Dort tagen bis zum 18. November die 45 Vertragsstaaten der Kommission zum Schutz des Atlantischen Tunfischs (ICCAT).  

Roter Tunfisch (auch Atlantischer, Großer oder Blauflossen Tun genannt) ist vor allem in Japan, aber auch in europäischen Ländern ein beliebter Speisefisch für Sushi-Gerichte. Der Druck auf die wertvollen Fische nimmt seit Jahren zu. Zu hohe Fangquoten, wachsende Mastanlagen und eine enorme illegale Fischerei haben die Bestände des Roten Tuns massiv reduziert. „Die Fischtrawler gehen mittlerweile schon in den Kinderstuben des Tunfischs auf Fang. Sie zerstören damit jede Basis für eine Erholung der Bestände“, berichtet WWF-Fischereiexpertin Karoline Schacht. Die Bestände großer Fischarten wie des Roten Tuns sind in den letzten 50 Jahren um 90 Prozent geschrumpft – Hauptursache ist die Überfischung.  

Nach Angaben des WWF hat Spanien in diesem Jahr fast 9.000 Tonnen Tunfisch exportiert. Gemeldet hatte Spanien jedoch nur etwas mehr als die Hälfte der Fänge. Frankreich hatte zugegeben, dass man die zugewiesene Quote von 5.500 Tonnen über 80 Prozent überschritten habe. „Fischindustrie und Politiker ignorieren politische Beschlüsse und wissenschaftliche Empfehlungen. Der Tunfisch wird in Wildwest-Manier ausgerottet“, kritisiert Schacht. Die EU hatte bereits im September gemeldet, dass die EU-Flotte ihre Quote ein Viertel überschritten habe und die Fischerei für diese Saison gestoppt.  

Für die Saison 2007 hatte ICCAT eine Quote von 29.500 Tonnen festgelegt – fast doppelt soviel, wie die eigenen ICCAT-Wissenschaftler empfohlen hatten. Geht man von den französischen und spanischen Zahlen aus, liegt die tatsächliche Fangmenge deutlich höher. „Darum hilft jetzt nur noch die Notbremse. Durch ein Fangverbot können die Bestände wieder anwachsen. Danach braucht der Tunfisch ein nachhaltiges Fischereimanagement, das diesen Namen auch verdient“, erläutert Schacht. Das Tunfisch-Sterben schadet nach Angaben des WWF nicht nur der Meeresumwelt. Viele traditionelle Fischer haben bereits ihren Job verloren, denn in den Küstengewässern findet sich kaum noch Tunfisch.

Quelle: Pressemitteilung WWF

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