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Wasserflöhe vertreiben Stechmücken

Archivmeldung vom 16.05.2009

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 16.05.2009 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Stechmücken der Unterart Culex. In Zukunft sollen Krebstierchen als natürliche Nahrungskonkurrenten der Mückenlarven eingesetzt werden, um die Mückenpopulationen zu kontrollieren. Auf diese Weise könnte der Einsatz giftiger Insektizide reduziert werden. Foto: André Künzelmann/UFZ
Stechmücken der Unterart Culex. In Zukunft sollen Krebstierchen als natürliche Nahrungskonkurrenten der Mückenlarven eingesetzt werden, um die Mückenpopulationen zu kontrollieren. Auf diese Weise könnte der Einsatz giftiger Insektizide reduziert werden. Foto: André Künzelmann/UFZ

Mückenlarven und die mit ihnen konkurrierenden Krebstierchen können nicht gleichzeitig denselben Lebensraum besiedeln. Wassertümpel, in denen Kleinkrebse wie beispielsweise Wasserflöhe vorkommen, enthalten wesentlich weniger Mückenlarven als Tümpel ohne solche Kleinkrebse.

Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in einer Studie im Biosphärenreservat Mittelelbe bei Dessau. Dazu wurden im Roßlauer Oberluch 15 Wasserstellen eine Saison lang beobachtet. Ziel der Untersuchungen ist es, natürliche Mechanismen zu erforschen, um potenziellen Mückenplagen begegnen zu können. Dabei sollen in Zukunft Krebstierchen als natürliche Nahrungskonkurrenten der Mückenlarven eingesetzt werden, um die Mückenpopulationen zu kontrollieren. Auf diese Weise könnte der Einsatz giftiger Insektizide reduziert werden. Das Verfahren befindet sich in der Patentierung.

Mückenweibchen können schneller neue Lebensräume besiedeln als ihre Nahrungskonkurrenten, die auf Transportunterstützung durch andere Tiere oder den Wind angewiesen sind. Mückenweibchen suchen dagegen zielgerichtet nach neuen Brutplätzen, wo sie zahllose Eier ablegen. "Mücken profitieren von solchen kurzlebigen Wasseransammlungen, denn sie verlassen bereits nach ein bis zwei Wochen das Wasser als flugfähige Insekten", erläutert Dr. Sabine Duquesne vom UFZ. "Kleinkrebse benötigen hingegen benötigen mehr Zeit, um solche Lebensräume zu besiedeln. Somit bekämpfen die Wissenschaftler, Mückenplagen nachhaltig mit Wasserflöhen. Wenn man die Krebstierchen gezielt in potenzielle Mückenbrutplätze ausbringt, kann man ihren Entwicklungsnachteil ausgleichen." Die Methode wurde inzwischen erfolgreich in Deutschland von der Doktorandin Iris Kröger und auch Afrika von der Doktorandin Alvine Meyabeme eingesetzt. Sie befindet sich derzeit in der Patentierung.

Das Roßlauer Oberluch bietet mit seinen Feuchtgebieten günstige Brutbedingungen für verschiedene Stechmückenarten. Die Larven der Mücken können sich nur im Wasser entwickeln und bevorzugen daher flache Tümpel, in denen keine Fraßfeinde wie Fische leben. Durch die erwartete Klimaveränderung werden sich die Brutbedingungen für Stechmücken weiter verbessern, denn starke Regenfälle, Überschwemmungen und hohe Temperaturen begünstigen ihre Fortpflanzung. Zudem steigt durch höhere Temperaturen die Gefahr der Ausbreitung von Krankheiten wie Blauzungenkrankheit, West-Nil-Virus und viele andere. So hat sich die in den Tropen und Subtropen als Dengue-Überträger gefürchtete Tigermücke (Aedes albopictus) bereits in mehren Ländern Südeuropas bis hin zur Schweiz und auch Deutschland etabliert. Am Oberrhein werden Stechmücken seit vielen Jahren mit den Bakterium Bti (Bacillus thuringiensis israelensis) beispielsweise von der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) bekämpft. In den wenig zugänglichen Auenwäldern der Elbe wäre eine solche Bekämpfungsstrategie schwer durchzuführen und würde den Zielen des Biosphärenreservates widersprechen.

Das Roßlauer Oberluch ist am 12. Mai 2009 als ein "Ausgewählter Ort" im Land der Ideen ausgezeichnet worden. Dabei handelt es sich um die erste großflächig umgesetzte Deichrückverlegung an der Mittleren Elbe. Durch diese Verlegung ist seit 2006 eine 140 Hektar große Altaue wieder an das Hochwassergeschehen angebunden. Das Projekt in Roßlau hat Modellcharakter für ganz Deutschland. Entlang der Mittleren Elbe sind derzeit 15 Deichrückverlegungen mit einer Gesamtfläche von etwa 2.600 Hektar geplant. Das Hochwasser im Frühjahr 2009 sorgte zum ersten Mal seit der Deichöffnung dafür, dass die Auenwiesen im Rückdeichungsgebiet der Stadt Dessau-Roßlau überflutet wurden. Dieses Renaturierungsprojekt im UNESCO-Biosphärenreservat Mittelelbe verbessert nicht nur den Hochwasserschutz. Es bietet auch der Forschung eine bisher einmalige Möglichkeit, die Auswirkungen auf Natur und Mensch zu untersuchen. Dazu wurde eine Forschungsplattform innerhalb des TERENO-Observatoriums Mitteldeutschland der Helmholtz-Gemeinschaft eingerichtet. Über 40 Wissenschaftler des Helmholz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und vieler anderer Institute arbeiten hier gemeinsam, um das Wissen über Ökologie, Funktionen und Wirkungen von Renaturierungsmaßnahmen in Auen zu verbessern.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e.V.

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