Direkt zum Inhalt Direkt zur Navigation
Sie sind hier: Startseite Nachrichten Natur/Umwelt Grünen-Politikerin: "Wir brauchen ein Tierschutzgesetz, das das Abwägen von Tierversuchen im Sinne der Tiere ermöglicht"

Grünen-Politikerin: "Wir brauchen ein Tierschutzgesetz, das das Abwägen von Tierversuchen im Sinne der Tiere ermöglicht"

Archivmeldung vom 11.09.2014

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 11.09.2014 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Nicole Maisch / Bild: nicole-fuer-kassel.de
Nicole Maisch / Bild: nicole-fuer-kassel.de

"Solche Bilder darf es nicht geben. Da läuft etwas falsch", sagte Grünen-Politikerin Nicole Maisch live bei stern TV zu den Aufnahmen, die ein Tierschützer bei einem Undercover-Einsatz im Max-Planck-Institut gemacht hatte. "Wir haben Bilder gesehen, die dem Gesetz widersprechen", sagte die Bundestagsabgeordnete zu den mit versteckter Kamera gefilmten Tierversuchen. Denn: Die Affen im Film seien nicht freiwillig auf den Versuchsstuhl gegangen - und das sei verboten.

Es gebe zwar strenge Auflagen für Tierversuche. Aber: "Es ist sehr, sehr schwierig, Tierversuche zu verbieten. Denn sie müssen als Behörde die Plausibilität prüfen, das heißt, ob der Tierversuch notwendig ist", sagte Maisch - und forderte deshalb im Gespräch mit Steffen Hallaschka: "Wir müssen das Tierschutzgesetz ändern, wir brauchen ein Gesetz, das das echte Abwägen im Sinne der Tiere ermöglicht." Außerdem müssten Versuche mit Primaten enden. "Wir sind im 21. Jahrhundert. Da haben wir andere Möglichkeiten. Wir müssen die Köpfe nicht mehr aufsägen, um reinzusehen."

Ganz anders beurteilte Ivar A. Aune von der Gesellschaft für Versuchstierkunde, GV SOLAS die Bilder: "Der Film zeigt nicht die volle Wahrheit." Denn, so Aune, in der Praxis, "werden die Affen so trainiert, dass sie sich langsam daran gewöhnen, in den Stuhl zu gehen." Und: "Es gibt Affen, die sehr daran interessiert sind, zu arbeiten." Aune gab dem Tierpfleger, der im Film zu sehen war, zudem eine Mitschuld an den aufgedeckten Missständen. Es hätte "keine fachmännische Behandlung der Tiere" stattgefunden.

Erschütternde Bilder aus den Versuchslaboren

Anlass für das Streitgespräch im stern TV-Studio war ein Bericht über das Leid von Versuchstieren im Max-Planck-Institut in Tübingen. Ein Tierschützer hatte dort sechs Monate lang mit versteckter Kamera gedreht - und erschütternde Bilder mitgebracht. Zu sehen waren Affen mit offenen Wunden, Affen die sich erbrechen oder Anzeichen einer Traumatisierung zeigen - immer wieder wiederholten diese Tiere ein und dieselbe Bewegung.

Der 29-Jährige, der unerkannt bleiben möchte, hatte sich als Pfleger im Institut eingeschleust, um der Öffentlichkeit zu zeigen, wie die Tierversuche ablaufen: In Experimenten wird untersucht, wie die Wahrnehmung und das Gedächtnis in Gehirnen von Affen funktionieren. Deshalb haben viele Affen in dem Institut ein Implantat im Kopf - eine Halterung, um den Kopf bei Versuchen zu fixieren oder eine Kammer, über die ein Zugang zum Gehirn der Affen erfolgen kann.

"Die Wahrheit ist, das Tierversuche eben nicht harmlos und gering beeinträchtigend sind und die Tiere gut kooperieren, sondern die Wahrheit ist, dass die Tiere gebrochen werden, dass die Tiere gequält werden und dass die Tiere natürlich einen grausamen Tod in diesen Einrichtungen sterben", sagt Friedrich Mülln von der Soko Tierschutz bei stern TV.

In Deutschland ist die Zahl der Versuchstiere seit 2003 deutlich angestiegen, von rund 2,1 auf über 3 Millionen. Einen großen Anteil an dem Anstieg hat die Grundlagenforschung.

Quelle: STERN TV (ots)

Videos
Vernon Coleman 2019
Dr. Vernon Coleman: „Das könnte unmöglich passieren! Oder doch?“
Sollten Sie sich auf COVID 19 testen lassen?
Sollten Sie sich auf COVID-19 testen lassen?
Termine
Newsletter
Wollen Sie unsere Nachrichten täglich kompakt und kostenlos per Mail? Dann tragen Sie sich hier ein:
Schreiben Sie bitte mops in folgendes Feld um den Spam-Filter zu umgehen