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Seerose: Original oder Fälschung? Einheimische Seerosen sind bedrohter als vermutet

Archivmeldung vom 03.06.2014

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 03.06.2014 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Die „echte“ Weiße Seerose Nymphaea alba und..
Quelle: Senckenberg (idw)
Die „echte“ Weiße Seerose Nymphaea alba und.. Quelle: Senckenberg (idw)

Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstituts und des Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F) in Frankfurt haben mittels DNA-Analysen festgestellt, dass es in Hessen nur eine einzige Wildpopulation der Weißen Seerose gibt. Bisher war man von einem Vorkommen auf etwa einem Drittel der hessischen Landesfläche ausgegangen. Sie fordern eine neue Gefährdungseinstufung für die Wasserpflanze. Die Studie ist im Fachjournal „Flora“ erschienen.

..ihre „Fälschung“, eine Hybridform aus dem Botanischen Garten Mainz
Quelle: Senckenberg (idw)
..ihre „Fälschung“, eine Hybridform aus dem Botanischen Garten Mainz Quelle: Senckenberg (idw)

Die Seerosen-Bilder des französischen Malers Monet sind weltbekannt: Impressionistische, weiße und rosa Flecken auf blauem Untergrund. „Das waren alles Hybridformen von Seerosen, die da von Monet gemalt wurden“, erzählt Kai Uwe Nierbauer, Doktorand in der Abteilung Botanik und molekulare Evolutionsforschung am Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt.

Der Botaniker hat gemeinsam mit seinen Frankfurter Kollegen das Vorkommen der „Weißen Seerose“ (Nymphaea alba) in Hessen untersucht. „Wir wollten herausfinden, ob es in Hessen tatsächlich noch Wildpopulationen dieser Pflanze gibt oder ob es sich hierbei um Hybride handelt“, erklärt er.

Mit dem Beginn des Gartenbaus und dem Anlegen von künstlichen Wasseranlagen im 18. und 19. Jahrhundert begann auch die Zucht von Seerosen und „das Auftreten von Hybriden – Kreuzungen zwischen verschiedenen Arten“, ergänzt Nierbauer.

Das Ergebnis der Studie war ernüchternd: In Hessen wurde nur noch eine Wildpopulation der großblütigen Pflanze gefunden. „In der Literatur finden sich Angaben für Vorkommen der Weißen Seerose auf etwa einem Drittel der Landesfläche“, sagt Prof. Dr. Georg Zizka, Mitautor der Studie und Abteilungsleiter Botanik und molekulare Evolutionsforschung. „Wir haben diese Vorkommen mithilfe genetischer Methoden untersucht und festgestellt, dass alle anderen Seerosen Hybride zwischen Weißer Seerose und der aus Nordamerika stammenden Duftseerose sind.“

Selbst die in den botanischen Gärten Frankfurt, Darmstadt und Mainz kultivierten Exemplare sind Hybriden.

Die Weiße Seerose gilt in Hessen als „gefährdet“ und nimmt damit in der „Roten Liste gefährdeter Pflanzenarten“ den Status drei ein. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die ‚echten‘ Seerosen aber viel gefährdeter sind, weil sie deutlich seltener auftreten, als bisher angenommen“, meint Nierbauer. „Das sollte sich auch im Schutzstatus widerspiegeln!“

Seerosen sind vergleichsweise arm an äußerlichen Merkmalen und erst die aufwändigen DNA-Analysen machten eine Unterscheidung möglich. „Bei floristischen Kartierungen erfolgt die Bestimmung zudem meist vom Ufer aus. Da werden Seerosen dann häufig einfach als Weiße Seerose vermerkt“, erläutert Zizka.

Der Botanische Garten Frankfurt versucht derzeit eine Nachzucht der ursprünglichen Weißen Seerose – bisher noch erfolglos. „Erst wenn wir mehr über die richtigen Wuchsbedingungen wissen, kann über eine gezielte Auswilderung nachgedacht werden“, fasst Nierbauer zusammen.

Quelle: Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen (idw)

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