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WWF findet Tropenholz bei Benjamin Blümchen, Felix und Co

Archivmeldung vom 14.10.2009

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 14.10.2009 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bild: Stefan Streit / WWF
Bild: Stefan Streit / WWF

Für deutsche Kinderbücher stirbt Tropenwald. Das hat die Untersuchung "Tropenwaldzerstörung für Kinderbücher - Eine Analyse des Buchmarktes in Deutschland" des WWF ergeben. Die Ergebnisse wurden am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Frankfurt vorgelegt.

Bei 19 von 51 getesteten Kinderbüchern wurden Anteile von Tropenholz nachgewiesen. Dazu gehören unter anderem so bekannte Titel wie „Benjamin Blümchen – Komm mit mir durch den Tag!“, „Felix bei den Kindern dieser Welt“ und „Bodobär auf der Ritterburg“. Insgesamt hat der WWF Titel von 13 Verlagen positiv gestestet, darunter die Branchengrößen Bertelsmann, Esslinger aus der Klett-Gruppe und Pattloch aus der Verlagsgruppe Droemer Knaur (ihrerseits eine Tochtergesellschaft der Verlagsgruppe Holtzbrinck und Weltbild).  

Mit einer öffentlichkeitswirksamen Aktion vor dem Messegelände hat der WWF zeitgleich auf die Risiken im deutschen Buchmarkt aufmerksam gemacht. Unter dem Motto „Kein Kahlschlag für Kinderbücher“ seilten sich Artisten in Orang-Utan Kostümen im Frankfurter Großstadtdschungel vom Kastor-Hochhaus ab.  

„Bücher aus Tropenholz-Raubbau tragen zum Artensterben und zum Klimawandel bei, da für ihre Herstellung Wälder zerstört werden, die Lebensraum zahlreicher Arten und gigantische Kohlenstoffspeicher zugleich sind“, so WWF-Waldexpertin Nina Griesshammer. „Die nachgewiesenen Hölzer wie Shorea oder Rhizophora kommen in aller Regel nicht in extra angelegten Plantagen, sondern fast ausschließlich in tropischen Natur- und Urwäldern vor. Für die positiv auf Tropenholz getesteten Bücher, so der logische Schluss, muss natürlicher Tropenwald abgeholzt worden sein“.  

Immer mehr in Deutschland verkaufte Bücher werden im Ausland produziert, vor allem in China. Insgesamt kommen inzwischen 34,4 % der deutschen Buchimporte aus China, was einer Menge von über 41.000 Tonnen Papier entspricht. Bei diesen Produkten ist das Risiko häufig groß, dass Raubbauholz verarbeitet wurde. Die chinesische Papierindustrie spielt mittlerweile die dominierende Rolle im Welthandel mit Zellstoff, dem Ausgangsstoff für Papier. Knapp 17 % des weltweit gehandelten Zellstoffs wird nach China exportiert. Fast 50 % der Zellstoffexporte Indonesiens, für deren Herstellung bekanntermaßen seit Jahren großflächig Tropenwälder vernichtet werden, gehen nach China.  

Einer der bedeutenden Akteure in der chinesischen Papierproduktion ist der indonesische Großkonzern Sinar Mas Group (SMG). Über diverse Tochterfirmen wie etwa Asia Pulp and Paper (APP) liefert er in großem Stil Zellstoff und Papier nach China und ist selbst als Buchproduzent aktiv. APP ist der weltweit drittgrößte Hersteller von Zellstoff und Papier und verantwortlich für die Abholzung immenser Flächen tropischen Regenwaldes in Indonesien. Allein in der Provinz Riau auf der indonesischen Insel Sumatra gehen 40 % des gesamten Waldverlusts auf das Konto von APP und seinen Zulieferern. Derzeit steht APP massiv in der Kritik, weil sich der Konzern um eine Nutzungsgenehmigung mitten in einem Orang-Utan-Schutzprojekt auf Sumatra im Bukit Tigapuluh Nationalpark bemüht.  

„Weil immer mehr der in Deutschland gekauften Bücher im Ausland und insbesondere in China produziert werden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass durch den Kauf von Büchern in Deutschland Tropenwälder wie etwa in Indonesien zerstört werden. „Ausgerechnet Kinderbuchverlage sind mit verantwortlich dafür, dass die Lebensgrundlage der nachfolgenden Generationen zerstört wird“, so Johannes Zahnen, Papierexperte des WWF Deutschland.    

Der WWF fordert als Konsequenz aus seinen Analysen die Verlage zu einer Selbstverpflichtung auf, entweder Recyclingpapier oder glaubwürdig zertifiziertes Frischfaserapier aus verantwortungsvoller Waldbewirtschaftung zu nutzen. Nach Ansicht des WWF und anderer Umweltverbände wird dies derzeit nur durch das internationale Zertifikat FSC (Forest Stewardship Council) gewährleistet.  

„Wir fordern die Verlage auf, ihren Beitrag dazu zu leisten, den Raubbau an den Wäldern zu stoppen“, so Johannes Zahnen. „Die Verlage haben die Marktmacht, die Papierindustrie zu beeinflussen und die Entwicklung neuer umweltfreundlicher Druckpapiere einzuleiten“.  

Der globale Papierkonsum wächst seit Jahren kontinuierlich. Seit 1960 hat er sich vervierfacht. Inzwischen wird etwa die Hälfte des weltweit kommerziell eingeschlagenen Holzes zu Papierprodukten verarbeitet. 10% der Weltbevölkerung, nämlich Westeuropa und Nordamerika, verbrauchen mehr als die Hälfte des weltweiten Papiers.

Quelle: WWF

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