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Dirk Steffens: Artensterben ist wie Angriff von Außerirdischen

Archivmeldung vom 15.07.2019

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 15.07.2019 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch André Ott
Klassische Rodung in Deutschland: Täglich über 1,2km² zerstörte Wälder für Neubaugebiete und Industriegebiete (ca. 120 Fußballfelder pro TAG oder 11m² pro Sekunde)
Klassische Rodung in Deutschland: Täglich über 1,2km² zerstörte Wälder für Neubaugebiete und Industriegebiete (ca. 120 Fußballfelder pro TAG oder 11m² pro Sekunde)

Bild: Eigenes Werk /OTT

Der Naturfilmer und Artenschützer Dirk Steffens (51, "Terra X") prophezeit dramatische Folgen des Artensterbens. Laut Weltartenschutzbericht seien von weltweit acht Millionen Arten eine Million bedroht. "Eine Katastrophenmeldung! Ungefähr so, als würde die Nasa vermelden, dass wir demnächst von Außerirdischen angegriffen werden. Oder dass ein riesiger Meteorit direkt auf die Erde zurast", sagte Steffens der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Das für ihn Unfassbare aber sei: "Die Nachricht ist da - und es tut sich nichts. Das macht mich absolut fassungslos." Die Folgen wären laut Steffens bei anhaltender Tatenlosigkeit fatal: "Im Prinzip könnten wir unser Leben so fortsetzen, wie wir es kennen. Wenn wir aber noch 20 Jahre warten, reden wir über eine globale Katastrophe mit Verteilungskriegen, Rohstoffmangel, Hungersnöten und Flüchtlingsströmen. Das ist wie bei einer Krankheit: Gehen Sie früh zum Arzt, reicht vielleicht eine Pille - gehen Sie sehr viel später, brauchen Sie womöglich eine Amputation."

Der Leidensdruck werde mit jedem Jahr größer, das sei unvermeidlich, prophezeite Steffens: "Und je höher der Leidensdruck, desto größer der Druck auf die Politik. Wenn es mal so weit ist, dass unsere Atemluftprobleme noch gravierender werden, sind Eltern, deren Kind einen Tumor in der Lunge hat, wenig kompromissbereit bei Umweltschutzbestimmungen. Das sieht man an China, wo sich gerade einiges ändert. Das Land hat extrem strenge Klimaziele für die kommenden Jahre und Jahrzehnte. Die Chinesen sind teilweise jetzt schon weiter als wir, und unsere alte Sichtweise ,Das da sind die Umweltschweine' funktioniert nicht mehr."

Der Naturfilmer erneuerte seine Forderung nach Aufnahme des Artenschutzes in das Grundgesetz: "Unser Grundgesetz ist dafür da, das Grundsätzliche zu regeln, also die wirklich wichtigen Sachen. Wenn wir glauben, dass Freiheit, Demokratie und Menschenrechte da reingehören, dann müssen wir uns auch fragen: Sind diese Dinge überhaupt möglich ohne eine Umwelt, auf deren Funktionsfähigkeit diese menschliche Zivilisation basiert? Armut, eine vergiftete Umwelt und Umweltkrankheiten gehören doch zu den schlimmsten Formen von Unfreiheit und Menschenrechtsverletzungen, die man sich vorstellen kann. Und deshalb ist es absurd, dass wir das wichtigste Thema von allen nicht im Grundgesetz regeln."

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung (ots)


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