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NABU: Bahn legt dubiose Güterverkehrsprognosen für Fehmarnbeltquerung vor

Archivmeldung vom 22.06.2010

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 22.06.2010 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
NABU
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Für das am heutigen Dienstag beginnende Raumordnungsverfahren für die Hinterlandanbindung zur festen Fehmarnbeltquerung hat die Deutsche Bahn ihre Erwartungen für den Bahngüterverkehr in den vorab versandten Unterlagen deutlich nach unten korrigiert. Anstelle von 150 Güterzügen pro Tag, die ab 2018 von Hamburg nicht mehr über Flensburg, sondern über die geplante feste Fehmarnbeltquerung nach Skandinavien laufen sollen, sind plötzlich nur noch 76 prognostiziert.

Das Raumordnungsverfahren soll klären, ob angesichts der geplanten sogenannten Ertüchtigung der Bestandsstraße zwischen Lübeck und Puttgarden - mit der eine erhebliche Schädigung der touristischen Infrastruktur durch 150 zusätzliche Güterzüge erwartet wird - teurere Neutrassierungen und extra Lärmschutzmaßnahmen für besonders stark betroffene Ortschaften notwendig werden.

"Durch die plötzlich stark abgeschwächten Zahlen wird das Verfahren zur völligen Farce. Offensichtlich soll jetzt auf Kosten der Anwohner am Lärmschutz gespart werden und doch nur wie geplant die bestehende Trasse durch die Ostseebäder ausgebaut und somit das eingespart werden, was das völlig überflüssige Projekt an bereits bekannten Mehrkosten verursachen wird. Es ist dubios, dass 2009 eine politische Zustimmung im Bundestag und Bundesrat mit hohen Bahngüterverkehrsprognosen erkauft wurde, um diese jetzt im Raumordnungsverfahren aus dem Nichts mal eben zu halbieren", sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Per Staatsvertrag hat sich die Bundesrepublik Deutschland gegenüber Dänemark verpflichtet, ab 2018 die Bahnverbindung Bad Schwartau - Puttgarden zu elektrifizieren und die A1 / E47 bis Puttgarden vierstreifig auszubauen. Das auf 900 Millionen Euro berechnete, vom Bundesrechnungshof jedoch auf 1,7 Milliarden Euro geschätzte Vorhaben zur Hinterlandandbindung der Riesenbrücke ist für die gesamte Bundesrepublik infrastrukturell völlig bedeutungslos. Aus NABU-Sicht gehört das Großprojekt auf die Streichliste unsinniger Verkehrsprojekte. "Mit Artikel 22 bietet der Staatsvertrag eine Ausstiegsklausel. Diese muss angesichts der dramatischen Finanz- und Wirtschaftskrise und der lächerlichen Bahngüterprognosen nun endlich angewendet werden. Es kann nicht sein, dass in Zeiten knapper Kassen aus diplomatischer Höflichkeit gegenüber Dänemark und als Geschenk an die Kieler Landesregierung so ein ökologisch und ökonomisch riskantes Milliarden-Projekt durchgezogen wird", so Malte Siegert, zuständig für das Thema feste Fehmarnbeltquerung beim NABU Bundesverband.

Quelle: NABU

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