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"Wir müssen Sat.1 neu erfinden": Senderchef Nicolas Paalzow will RTL ärgern

Archivmeldung vom 29.06.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 29.06.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
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"Zu lange hat Sat.1 Angst gehabt, sich von seinem Markenkern zu entfernen ohne zu merken, dass der einfach viel zu klein geworden ist." Schonungslos analysiert Sat.1-Geschäftsführer Nicolas Paalzow im Interview mit dem Medienmagazin DWDL.de die Fehler seiner Vorgänger und erklärt seine Strategie für den Privatsender. Zu der gehören deutsche Fiction, "Big Brother", weitere internationale Hit-Formate und ausdrücklich wieder journalistische Kompetenz.

An Geschäftsführern mangelte es dem Fernsehsender Sat.1 in den vergangenen Jahren nicht. Dafür aber an Erfolg. Das will Nicolas Paalzow ändern und beginnt mit einer ehrlichen Analyse der Fehler, die es zu korrigieren gilt. "Wir können nicht so weitermachen wie bisher, und das nicht nur aufgrund der Marktanteilssituation, sondern auch, weil manche Formen der Unterhaltung ihren Zenit einfach überschritten haben", sagt der Sat.1-Geschäftsführer im Gespräch mit dem Medienmagazin DWDL.de. "Die spezielle Herausforderung bei Sat.1 ist, dass man in der Vergangenheit so viele Wege eingeschlagen hat und doch keinen richtigen Schritt vorankam. Wir werden im nächsten Jahr 30 Jahre alt und sind im Grunde im 30. Lebensjahr gerade dabei, uns neu zu erfinden. Die Unternehmensgeschichte hätte für meinen Geschmack natürlich auch etwas anders aussehen können." Deswegen müsse man jetzt die Ärmel hochkrempeln oder wie Paalzow es selbst formuliert: "Das Rennen läuft und wir müssen bei Sat.1 die Reifen während der Fahrt wechseln ohne aus der Kurve zu fliegen."

Erfolge wie "The Voice Kids" oder gerade aktuell "Got To Dance" im Showbereich sowie die Serien "Danni Lowinski" und "Der letzte Bulle" geben Rückenwind; die US-Serie "Homeland" war gut fürs Image, aber Nicolas Paalzow hat noch viel zu tun. "Zu oft hieß es intern wie auch extern gegenüber Produzenten, die mit frischen Ideen kamen: ,Das will der Sat.1-Zuschauer nicht sehen'. Diesen Satz will ich nicht mehr hören. So wurde Sat.1 über viele Jahre gemacht und das eben leider nicht mit dem größtem Erfolg", erklärt Paalzow. "Einen Vorwurf wird man Sat.1 am Ende diesen Jahres nicht mehr machen können: Dass wir nicht alles gegeben hätten. Dass wir zu wenig versucht hätten. Ein Problem der Vergangenheit war sicher, dass Sat.1 sich zu wenig zum Beispiel um internationale Hit-Formate gekümmert hat. Zu lange hat sich Sat.1 aber gute internationale Formate nicht nur wegschnappen lassen - man hat sich gar nicht dafür interessiert." Das sei inzwischen anders: "Wir sind da jetzt nicht kühn, aber mutig herangegangen und haben uns viele neue Ideen gesichert. 'Got to Dance' war ein erster wahrnehmbarer Aufschlag, 'The Taste' und 'Hell's Kitchen' werden folgen."

Aber nicht nur im Genre Kochen will Sat.1 mit großen internationalen Hit-Formaten punkten. Der Sender holt auch "Big Brother" zurück - zunächst in einer Promi-Version. Paalzow dazu: "Wir wollen handwerklich perfekt gemachte Unterhaltung. Ich scherze immer mit den Kollegen und sage: Unser Ziel muss sein, schon im ersten Jahr für den Grimme-Preis nominiert zu werden." Sollte "Promi Big Brother" gut laufen, wäre mehr denkbar. "Das würde dann so manche Fantasie freisetzen. Klar ist ja jetzt schon: Die Marke 'Big Brother' ist zurück im deutschen Fernsehen - und das bei uns." Mehr investieren will Sat.1 künftig in Serien und Filme. "Deutsche Fiction bei Sat.1 muss weiter an Bedeutung gewinnen. Wir werden nicht nur in neue Einstunden-Serien investieren, sondern auch das Genre deutsche Sitcoms wiederbeleben. Das ist längst überfällig", sagt der Senderchef und fügt hinzu: "Starke Fiction kann den Markenkern eines Senders festigen wie kein anderes Genre." Mit dieser Strategie ist Paalzow zuversichtlich, noch häufiger RTL überholen zu können. "Wir schlagen RTL an immer mehr Abenden. Noch nicht immer, aber immer öfter. In dieser Rolle fühlen wir uns wohl und das war vor einem Jahr noch undenkbar. Ich glaube, in aller Bescheidenheit, dass RTL der Wettbewerb mit Sat.1 gefehlt hat."

Doch an der Kölner Konkurrenz orientieren will man sich nicht. "Wir müssen anders sein als RTL, wir müssen besser sein als der deutsche Standard in dem jeweiligen Genre, und jedes Format, das wir an den Start bringen, muss eine neue Komponente mitbringen. Man kann die Themen nicht neu erfinden, aber sie neu erzählen", sagt der Sat.1-Geschäftsführer im DWDL.de-Interview. "Sat.1 muss insgesamt positiver, leichter, angenehmer zu konsumieren werden." Und auf die Daytime bezogen ergänzt er: "Diese Fehlentwicklung, dass wir uns am Nachmittag von RTL dazu verleitet haben lassen, so krawallig zu werden, müssen wir beenden." Viel Arbeit bedeutet das vielleicht ehrgeizigste Ziel von Nicolas Paalzow - der Ausbau der journalistischen Kompetenz: "Sat.1 hat den Anspruch, auf Augenhöhe mit ARD, ZDF und RTL zu sein, also brauchen wir einfach auch Fläche, um uns Themen zu widmen, die wie zuletzt das Jahrhunderthochwasser unsere Zuschauer ganz aktuell bewegen. Und mit unseren Sondersendungen mit Marc Bator haben wir uns ja auch sehr tapfer geschlagen. Wir brauchen Gefäße, in denen wir unsere journalistische Relevanz beweisen können. Und unsere Zuschauer müssen wir auch wieder daran gewöhnen. Wir müssen Journalismus wieder fest bei uns im Programm verankern." Ein deutlicher Kurswechsel nach der Abschaffung von mehreren Magazinen und Nachrichtensendungen vor wenigen Jahren. Paalzow: "Das war damals ganz klar ein Fehler. Aktuelle Relevanz gehört für mich ausdrücklich auch dazu, wenn ich sage, wir wollen aus Sat.1 Deutschlands schönstes Unterhaltungsfernsehen machen."

Quelle: Medienmagazin DWDL.de (ots)

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