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MDR-Rundfunkrat zieht Zwischenbilanz zur Corona-Berichterstattung

Archivmeldung vom 12.10.2020

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 12.10.2020 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott
(Symbolbild)
(Symbolbild)

Bild: Eigenes Werk /OTT

Der MDR-Rundfunkrat hat sich in seinen Sitzungen am 6. Juli, 14. September und 12. Oktober 2020 intensiv mit der Berichterstattung des MDR (März bis Juni 2020) in der Corona-Krise beschäftigt.

Vorgehen:

In seiner Sitzung am 6. Juli 2020 setzte der Rundfunkrat mit einem Impulsvortrag des Medienwissenschaftlers Prof. Dr. Bernhard Pörksen von der Universität Tübingen den Auftakt zur Beschäftigung mit der MDR-Berichterstattung über die Corona-Krise.

Bezogen auf den MDR lobte Prof. Dr. Pörksen die vom MDR beigesteuerten ARD Extras sowie Prof. Kekulés Podcast oder auch die Online-Angebote des MDR, die häufig Nutzer- und Nutzerinnenfragen aufgegriffen hätten. Pörksen kritisierte, dass Ende März politischer Journalismus generell entschiedener auf eine gesellschaftspolitische Debatte hätte drängen müssen. Dieses Versäumnis sei aber rasch erkannt und angegangen worden.

Am 14. September 2020 vertiefte der Rundfunkrat seine Befassung um inhaltliche Aspekte wie der Beschäftigung mit Regelformaten, Zusatzsendungen, Veränderungen im Programmablauf, neuen Formaten, Interaktionen sowie strukturellen Aspekten (z. B. veränderte Arbeitsweisen). Zuvor erfolgte eine umfangreiche Befassung dazu auch in den Ausschüssen (Programmausschuss Leipzig, Programmausschuss Halle, Telemedienausschuss) und Landesgruppen (Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen) des Rundfunkrates.

Zudem hat sich der Rundfunkrat mit einer Studie des Hans-Bredow-Institutes zum Thema, was der MDR für den Zusammenhalt der Gesellschaft leistet und wie er diese Aufgabe in Zeiten von Corona erfüllt, dem Bericht des MDR-Betriebsdirektors (Leiter des Corona-Krisenstabes im MDR) sowie mit dem Leipziger Impuls II und Ausführungen des Beirates der Intendantin zur Lösung von Programmkonflikten und zur Bewahrung der inneren Rundfunkfreiheit im MDR, der sich auch mit den ersten Monaten der Corona-Berichterstattung befasst hat, beschäftigt. Auf Basis dieser umfangreichen Ausführungen diskutierte der Rundfunkrat zu den verschiedenen Aspekten und zieht folgende Zwischenbilanz der Corona-Berichterstattung des MDR:

Bilanz:

Der Rundfunkrat stellt fest, dass der gesellschaftliche Wertbeitrag und die demokratiepolitische Relevanz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in der schwierigen Zeit der Pandemie besonders gefordert sind.

Der MDR hat im betrachteten Zeitraum von März bis Juni 2020 im Fernsehen, im Hörfunk und Online aktuell und verständlich, verantwortungsvoll und grundsätzlich ausgewogen über die dynamischen Entwicklungen in der Corona-Krise informiert und seinen Auftrag insgesamt gut erfüllt.

Das Thema Corona mit seinen gesundheitlichen, politischen, gesellschaftlichen, sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und sportlichen Aspekten nahm einen breiten Raum in der Berichterstattung des MDR ein. Die Darstellung von Fakten und deren Einordnung, Service- und Ratgeberinformationen, die Themen Zusammenhalt und Teilhabe sowie die Vermittlung von Wissen, Bildung und Kultur waren die Schwerpunkte der programmlichen Ausrichtung, die insgesamt ein starkes Publikumsinteresse und hohe Reichweiten erzielten.

Die unter dem Motto "Miteinander stark" gebündelten programmlichen Aktivitäten machten das vielfältige Engagement des MDR für das Miteinander und den Zusammenhalt in dieser Krisensituation deutlich wahrnehmbar, unter anderem auch mit zusätzlichen interaktiven Formaten. Es wurden viele innovative Angebote wie das virtuelle Filmfestival "Corona Creative", die Kurzfilminitiative "MDR Shorts", lebensnahe Formate der Landesfunkhäuser, oder das coronagerechte Gruppenengagement des MDR-Klangkörpers mit Vor-Ort Auftritten im Sendegebiet ins Leben gerufen. Dem erhöhten Informationsbedarf von Menschen mit Behinderung konnte durch zusätzliche barrierefreie Angebote entsprochen werden. Das MDR-Portal für Medienthemen "medien360g" analysierte das allgemeine Mediengeschehen in der Corona-Krise, womit auch die eigene journalistische Tätigkeit ergänzend zu bestehenden Qualitätsprozessen reflektiert werden konnte.

Journalistische Qualität bemisst sich im Umgang mit der Corona-Pandemie ganz besonders auch daran, wie wissenschaftliche Erkenntnisse kritisch überprüft, datenjournalistisch aufbereitet und eingeordnet werden. Eine besondere Herausforderung für die Journalistinnen und Journalisten war und ist, die wissenschaftliche Vielstimmigkeit und die daraus resultierenden politischen Entscheidungen einzuordnen und zu hinterfragen. Dies ist dem MDR zwischen März und Juni 2020 in der Gesamtbetrachtung gelungen.

Der Rundfunkrat merkt aber auch an, dass die Corona-Berichterstattung des MDR zu Beginn der Pandemie gelegentlich zu sehr an der Exekutive orientiert gewesen ist. In der Frühphase der Pandemie, so zeigt die Befassung des Rundfunkrats, wurden Corona-Maßnahmen bezüglich der Wirksamkeit und wissenschaftlichen Begründetheit teilweise zu wenig hinterfragt. Aber: Der Journalismus musste gerade in der Anfangszeit der Pandemie mit elementarer Ungewissheit umgehen.

Dank:

Deshalb dankt der Rundfunkrat allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des MDR für ihre hohe Flexibilität, für ihre große Verantwortungs-, Einsatz- und Leistungsbereitschaft. In einer außergewöhnlichen Situation mit großen Herausforderungen und erschwerten Bedingungen leisten sie eine engagierte Arbeit. Die Anerkennung gilt dem MDR auch insgesamt für die umsichtigen Vorsorgemaßnahmen zum Schutz der Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie zur Aufrechterhaltung der programmlichen Leistungen, wobei die Arbeitsweisen pandemiegerecht aufgestellt wurden. Der Digitalisierungsschub in Prozessen und Workflows innerhalb des MDR ist positiv hervorzuheben.

Empfehlungen:

Der Rundfunkrat verbindet mit dieser Zwischenbilanz im Rahmen seiner Beratung in allgemeinen Programmangelegenheiten auch Empfehlungen für die fortlaufende Berichterstattung:

  • Die Corona-Krise zeigt, wie wichtig der Dialog mit dem Publikum und ein vertrauensvoller Diskurs mit der Gesellschaft sind. Der Rundfunkrat spricht sich für die Stärkung und den Ausbau von qualitätsorientiertem, interaktivem Dialog sowie Diskursformaten aus, wobei die Ressourcen mit Blick auf eine gesamtgesellschaftliche Meinungs- und Willensbildung bestmöglich eingesetzt werden sollten.
  • Die Corona-Berichterstattung erfordert besondere Transparenz über die journalistische Arbeit. Es gilt daher noch mehr als bisher transparent zu agieren und die Arbeitsweisen des MDR deutlich zu machen. Damit verbunden ist insbesondere die Transparenz im Umgang mit Widersprüchlichkeiten und unsicheren Datenlagen.
  • In den ersten Monaten der Corona-Krise zeigte sich die schwierige Herausforderung, immer wieder über alle Bereiche der Gesellschaft zu berichten und ihre Sichtweisen einzubringen. So könnten beispielsweise die Themenkomplexe Soziales und Familie sowie der originäre Blick und die Stimmen von Kindern und Jugendlichen auf die Krise und ihre persönlichen Auswirkungen noch stärker Berücksichtigung finden.
  • Die derzeitige, tiefgreifende gesellschaftspolitische Debatte zum Umgang mit Corona könnte sich, auch auf die Regionen bezogen, im dritten Fernsehprogramm, den MDR-Hörfunkprogrammen und dem MDR-Onlineangebot nach Ansicht des Rundfunkrates noch stärker wiederfinden. In diesem Zusammenhang ist auch die hohe Bedeutung der regionalen Berichterstattung vor Ort unter Inanspruchnahme der Kompetenzen in den Landesfunkhäusern hervorzuheben.
  • Wissenschaftliche Erkenntnisse haben gerade in der Corona-Pandemie direkte Auswirkungen auf den Alltag der Menschen. Daher sollte die Quantität und Qualität des Wissenschaftsjournalismus ausgebaut werden, um die verschiedenen Erkenntnisse aus Forschung und Wissenschaft noch besser einordnen und hinterfragen zu können. Zudem sollte bei der Auswahl von Expertinnen und Experten zu den unterschiedlichen Themengebieten die Ausgewogenheit von Männern und Frauen stärker berücksichtigt werden.

Unterstützung und Erwartungen:

Der Rundfunkrat unterstützt, dass wichtige Erfahrungen und Anwendungen aus der Corona-Zeit in den künftigen Arbeitsalltag übertragen werden: Stichworte sind hierbei mobiles Arbeiten und die Unterstützung von freien Mitarbeitenden. Zudem würdigt der Rundfunkrat den intensiven Dialog mit den mitteldeutschen Produzentinnen und Produzenten sowie die damit verbundenen Maßnahmen zu deren Unterstützung.

Der MDR-Rundfunkrat erwartet vom MDR, auch weiterhin aktuell, sachlich, verständlich und ausgewogen zu berichten und die dynamischen Entwicklungen in der Corona-Pandemie mit der gebotenen Distanz einzuordnen.

Außerdem weist der Rundfunkrat darauf hin, die barrierefreien Zugänge für gehörlose und hörbeeinträchtigte Menschen bei politischen Informationen und behördlicher Kommunikation auszubauen. Hier sind vor allem die offiziellen Stellen einschließlich der Verfassungsorgane im Rahmen ihrer Pressekonferenzen, Informationen etc. gefordert, Gebärdendolmetscher als Serviceleistung vorzuhalten.

Quelle: MDR Mitteldeutscher Rundfunk (ots)


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