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Gut zwei Drittel der größten deutschen Medien achten auf gendersensible Sprache

Archivmeldung vom 04.12.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 04.12.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
journalist-Umfrage: Gendern / Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/20126 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke unter Beachtung ggf. genannter Nutzungsbedingungen honorarfrei. Veröffentlichung bitte mit Bildrechte-Hinweis. Bildrechte: journalist - Magazin für Journalist*innen Fotograf: journalist
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Knapp 70 Prozent der größten Medien hierzulande geben an, bei ihrer Berichterstattung das generische Maskulinum zu vermeiden. Dazu hat das Magazin journalist eine Befragung unter 97 Medien durchgeführt und von 90 eine Antwort erhalten: 62 Redaktionen achten laut Eigenaussage darauf, gendersensibel zu formulieren. Das Gendern mit Sonderzeichen oder Sprechpause ist dabei die Ausnahme.

Befragt wurden die jeweils 20 größten Tages- und Wochenzeitungen, Zeitschriften (ohne Programmzeitschriften), Nachrichtenportale und Radiosender sowie die 5 größten privaten Fernsehsender und alle 12 öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Auffällig ist, dass fast alle Radio- und Fernsehsender auf gendersensible Sprache achten. Bei den Zeitungen, Zeitschriften und Nachrichtenportalen ist es jeweils etwa die Hälfte. Viele richten sich dabei nach dem Vorgehen der großen Nachrichtenagenturen, die im Juni bekanntgegeben hatten, diskriminierungssensibel schreiben und sprechen zu wollen.

Für das Binnen-I haben sich nur Landidee und Instyle entschieden. Dafür bekomme man viel Zuspruch, heißt es aus der Instyle-Redaktion. Beim Spiegel gibt es in manchen Textsorten den Doppelpunkt, der Tagesspiegel stellt es seinen Autor*innen frei, ob und wie sie gendern. Für Brigitte-Chefredakteurin Brigitte Huber bedeutet das Setzen des Gendersternchens, "zeitgemäß zu kommunizieren".

Für die gesprochene Genderpause sind ebenfalls nur wenige Medienhäuser offen, bei ProSiebenSat.1, RBB, ZDF und Deutschlandradio gibt es sie. Beim ZDF heißt es, man setze darauf, "dass die Beschäftigten auf der Basis der Freiwilligkeit verantwortungsvoll mit Sprache umgehen" und erwarte umgekehrt, "dass jene, die Kritik üben, allen, die gendern, respektvoll und tolerant begegnen, auch wenn es nicht ihrer eigenen Meinung entspricht". Sven Pietsch, Chefredakteur der Seven.One Entertainment Group, sieht Medienunternehmen hier in einer Vorreiterrolle, die man bei ihm im Sender nutzen wolle, "um zu sensibilisieren und Orientierung zu geben".

Manche Verantwortliche aus den Redaktionen beklagen in der journalist-Umfrage, dass Sonderzeichen und Sprechpause von Leser- und Zuhörerschaft mitunter missverstanden werden: "Die Gegnerinnen und Gegner empfinden das Gendern als politisches Statement vonseiten des Mediums und stellen damit oft die journalistische Unabhängigkeit der gesamten Berichterstattung infrage", sagt Roel Oosthout, Programmchef von Hit Radio FFH. "Das führt häufig dazu, dass das eigentliche Thema der Berichterstattung in der Diskussion über das Gendern verloren geht." Zeit-Textchef Christof Siemes sagt: "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Sonderzeichen im Zuge der Rezeption häufig vom eigentlichen Gegenstand eines Artikels ablenken und das Gendern selbst das bestimmende Thema wird." Sowohl bei Hit Radio FFH als auch bei der Zeit wird auf gendersensible Sprache geachtet, es werden aber in der Regel keine Sprechpausen beziehungsweise Sonderzeichen verwendet.

Die komplette Auswertung der Umfrage lesen Sie in der Dezember-Ausgabe des journalists, die Diversity zum Schwerpunktthema hat.

Quelle: journalist - Magazin für Journalist*innen (ots)

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