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Sommerloch: Frankreichs Zeitungen erfinden Storys

Archivmeldung vom 31.08.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 31.08.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Eiffelturm: alle sind auf Urlaub. Bild: flickr/Yann Caradec
Eiffelturm: alle sind auf Urlaub. Bild: flickr/Yann Caradec

Französische Zeitungen haben für die Überbrückung des alljährlichen medialen Sommerlochs ihre ganz eigene Strategie entwickelt. Sie setzen auf fiktive, historische Geschichten mit politischem und gesellschaftlichem Hintergrund. "Die Ferien dauern hier sehr lange. Du kannst nicht wirklich arbeiten, da deine üblichen Quellen nicht erreichbar sind. Aber du musst die Zeitung füllen", zitiert die New York Times Alexandra Schwartzbrod, Chefredakteurin der linksliberalen Tageszeitung Libération. Leser würden nach etwas anderem, etwas leichterem suchen.

In Frankreich hat das mittlerweile Tradition. Die Libération hat sich dieses Jahr für eine 40-teilige Serie an historisch-fiktiven Essays entschieden. Die Redakteure stellen sich dabei allesamt die Frage "Was wäre, wenn...?!" Was wäre, wenn das Öl-Embargo aus dem Jahr 1973 länger gedauert hätte? Was wäre, wenn Rechtspopulist Jean-Marie Le Penn Premier geworden wäre? Oder: Was wäre, wenn der Y2K-Millenium-Bug unsere Computersysteme über den Haufen geworfen hätte? Der Kreativität der Redakteure sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Auf die vielen Fragen gibt es freilich auch Antworten. Im Falle Le Penns sind es unter anderem die Wiedereinführung der Todesstrafe und das Verbot von Abtreibung.

Das Land befindet sich in der Regel zwischen Ende Juli und Ende August circa fünf Wochen in einer Art Sommerstarre. Dass die Blätter darauf so regieren, ist einerseits der aufgrund eigenen Urlaubsplanung dünn besetzten Redaktionen geschuldet und andererseits eine Antwort auf die ohnehin aus journalistischer Sicht schwierige Nachrichtenlage. Der konservative Titel Le Figaro setzt unterdessen an den hochsommerlichen Tagen auf fiktive Treffen zwischen Politikern und erfundene Interviews mit längst Verstorbenen Künstlern, darunter Frédéric Chopin und Richard Wagner.

Ötzi wird obduziert

Im Gegensatz zur Libération und Le Figaro hält Le Monde noch am ehesten an der Realität der Tatsachen fest. Die Zeitung nimmt die großen Autopsien der Geschichte genauer unter die Lupe - angefangen bei der Gletschermumie Ötzi über Komponist Ludwig van Beethoven bis hin zum "King of Pop" Michael Jackson. Auch Erzählungen über das bewegte Leben einflussreicher französischer Schriftsteller wie Voltaire oder Victor Hugo schaffen in den Ferien ihren Weg in die Zeitungen des Landes.

Quelle: www.pressetext.com/Sebastian Köberl

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