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Schriftstellerin Juli Zeh: "Schreiben ist mir peinlich"

Archivmeldung vom 10.08.2016

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 10.08.2016 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch André Ott
"obs/PSYCHOLOGIE bringt dich weiter/Eric van den Elsen"
"obs/PSYCHOLOGIE bringt dich weiter/Eric van den Elsen"

"Schreiben ist mir peinlich. Ich drehe durch, wenn Menschen mich dabei beobachten. Vermutlich empfinde ich die gleiche Scham vor fremden Blicken wie andere Menschen beim Sex. Es ist so intim, das geht niemanden etwas an", sagt Juli Zeh im Interview mit der neuen Zeitschrift PSYCHOLOGIE bringt dich weiter (Ausgabe 05/16).

"Wenn ich mich zum Schreiben zurückziehe, fühle ich mich regelrecht verfolgt. Schon die Möglichkeit, dass jemand hineinkommen könnte, macht mich aggressiv. Denn ich habe nie für den Leser, sondern immer nur für mich selbst geschrieben", so die erfolgreiche Schriftstellerin.

Dass ihr Talent, eine Familie ernähren könne, daran hat die gebürtige Bonnerin lange gezweifelt. "Ich wollte immer einen 'normalen' Beruf erlernen. Ich bin ein sehr bürgerlicher Mensch und habe ein großes Sicherheitsbedürfnis. Ich wollte keine arme Poetin sein, die für die Kunst alles in Kauf nimmt. Mir war noch nicht einmal klar, dass das überhaupt ein Beruf sein könnte.

Es gab ja kaum junge Autoren. Und die meisten Schriftsteller, die ich kannte, waren tot", so die promovierte Juristin, die 2001 mit ihrem Debütroman "Adler und Engel" den literarischen Durchbruch feierte.

Ihren Erfolg kostete Juli Zeh damals voll aus: "Mit Mitte 20 war das Leben für mich ein einziger Exzess. Doch ich war für den Stress, diese überwältigende Form der Resonanz nicht gemacht. So stand ich ständig unter Strom, habe getrunken und gekifft, blieb ganze Nächte wach. Im Nachhinein war es wie ein Popstarleben, nur nicht so glamourös", sagt die mehrfach ausgezeichnete Autorin.

Missen möchte die 42-Jährige diese wilden Jahre nicht. "Sicher ich hätte mir ein paar Männergeschichten sparen können. Aber waren sie ein Fehler? Ich bereue sie jedenfalls nicht. Es gehört zum Leben dazu, dass man Scheiße baut. Gerade diese intensiven Momente, an die man mit leichtem Schaudern zurückdenkt, formen einen als Menschen."

Auch die Elternschaft hat die Wahl-Brandenburgerin geformt. "Seit ich zum ersten Mal Mutter geworden bin, fürchte ich den Tod. Ich habe Angst davor, unsere Kinder, die noch sehr klein sind, zurücklassen zu müssen. Diese Sorge ist manchmal kaum zu ertragen! Auf einmal wünsche ich mir, 120 zu werden, um immer für sie da sein zu können, wenn sie mich brauchen", sagt Juli Zeh im Interview mit PSYCHOLOGIE bringt dich weiter.

Quelle: PSYCHOLOGIE bringt dich weiter (ots)

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