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Casting-Shows und Antes-Affäre: Musikmogul Dieter Behlinda packt aus

Archivmeldung vom 23.04.2008

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 23.04.2008 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Dieter Behlinda Bild: Die Dieter Behlinda Story / Peter Rentzsch
Dieter Behlinda Bild: Die Dieter Behlinda Story / Peter Rentzsch

Der Autor der Dieter Behlinda Story Peter Rentzsch und einer der ehemaligen größten deutschen Musikmanager Dieter Behlinda gaben der Redaktion von ExtremNews ein Exclusiv Interview zum Thema Castingshows und Irrungen und Wirrungen in der Berliner Innenpolitik.

ExtremNews: Lieber Herr Behlinda. Sie sind ein alter Hase aus dem Musik-Business. Wie ist das möglich, dass sich so viele Menschen Zuhause vor den Bildschirmen immer wieder über die seltsamen Voting Ergebnisse von Castingshows wundern? Für den Zuschauer mit Sachverstand sieht es nach Manipulation aus!

Dieter Behlinda: Ist es auch, nur nicht so, wie es die Mehrheit denkt. Im Fall von Collins Owusu, der End Of The Road bei DSDS sang, sah man ganz deutlich, wie die Punkte zusammenkommen. Der Zuschauer wird vom Sender aufgefordert mehrfach anzurufen, dieses Treiben muss ein Ende finden, denn wer an seine Leistung glaubt, der denkt natürlich, dass ein Anruf pro Fan genügt, aber der irrt sich.

ExtremNews: Können Sie da etwas konkreter werden?

Dieter Behlinda: Ja, natürlich. Die Sänger und einige der Angehörigen, eventuell auch einige Gehilfen aus dem Management, buchen so genannte Call-Unternehmen, die 5.000 Mal anrufen lassen. Das lassen sie sich dann auch etwas kosten. Schließlich geht es dabei nicht um den Spaß, sondern ganz knallhart um Geld. Dann sind da noch die Freunde, die jeder für sich um die 100 Euro vertelefonieren. Da geht es wirklich mehr darum, wie viel Freunde man hat und nicht ob Der oder Die auch singen können. Die Fanclubzentralen bekommen auch das nötige Geld um zu Voten. Da bin ich der Meinung, dass es Blödsinn ist, für die Stimmenzählung im Sender einen Notar zu bestellen; der müsste erst einmal kontrollieren, dass niemand zweimal anruft. Über ein Drittel der Telefongebühren fließen dem Sender zu, allein darin steckt der Grund für diesen Aufruf. Einige sagen, es wird gar nicht gezählt, was ich aber nicht glaube. Wenn man sich überlegt, wie teuer ein Werbespot ist, dann weiß man auch was ein vergleichbar langer Aufruftrailer für Telefongebühren einbringt, das lohnt sich. Ich kenne Dieter Bohlen noch aus den Zeiten meines Managements bei Hansa, und weiß und glaube ihm, dass er es oftmals auch nicht versteht, wenn eine Heulboje den besten Platz belegt. Da hat die Jury nur einen untergeordneten Einfluss als Bewertungsrichtung. Das ist wie in der Politik, wo rein zufällige Geschehnisse den entscheidenden Ausschlag geben, aber die Dinge schon monatelang vorbereiten werden. Da werden sogar hochrangige Redakteure von der Presse mit Details versorgt, bevor das Entscheidende eintritt und widerlaufende News mit einer Nachrichtensperre belegt.

ExtremNews: Gibt es dafür einige Stichpunkte die Sie anführen können?

Dieter Behlinda: Ich kannte damals den Zuhälter und Waffenhändler Otto Schwanz aus Charlottenburg und Wilmersdorf. Otto Schwanz hatte mir 60.000DM gegeben, die er mir noch für ein gutes Geschäft mit ein paar Veranstaltungen schuldete. Er kam zu mir in meiner Villa im Fohlenweg und brachte gleich seine Gorillas mit. Die Presse deckte die Betriebsamkeit von Eberhard Diepgen mit Otto Schwanz auf und der Reporter Sontheimer vom Tagesspiegel machte mit dem Buch "Antes und Co" eine Auftragsarbeit mit Personenzensur. Das Buch soll ja zuvor über 100 Seiten mehr gehabt haben, wie mein Autor herausgefunden hat. Fast alle Beteiligten der Antes-Affäre waren in der CDU, sogar Otto Schwanz und Christoph Schmidt Salzmann. Otto prahlte gern damit, dass er den Charlottenburger Baustadtrat Wolfgang Antes unter Kontrolle hatte, sogar mit Eberhard Diepgen hat Otto Schwanz Geschäfte gemacht. Eberhard Diepgen soll von Otto unregistrierte Waffen abgekauft und an anderen Politikern verteilt haben. "So zum Selbstschutz", wie er augenzwinkernd sagte. Otto sagte sehr überzeugend zu mir, dass der Regierende ihm als Belohnung den Pachtvertrag für das Europacafe am Wasserklops möglich gemacht hat. Antes hatte da keine Prokura.“

ExtramNews: Was, Eberhard Diepgen ...? Haben Sie das gesehen?

Dieter Behlinda: Nein, brauchte ich gar nicht, denn er schickte mich raus, wenn Diepgen kam. Er sagte am Morgen zu mir, `heute Abend kommt Eberhard Diepgen und holt sich was ab´, zog seine Schublade raus und ließ mich hineingucken. Am Abend sagte er dann, `so Dieter, jetzt kommt hoher Besuch, Du musst jetzt nach draußen gehen´. Eine halbe Stunde später kam Diepgen raus und ich konnte wieder zu Otto. Er hatte oft mit ihm telefoniert, das weiß ich genau, denn er nannte seinen Namen am Telefon in meiner Gegenwart. Danach diskutierten wir über seine Geschäfte. Was außer mir kaum jemand wusste, war, dass Otto Schwanz auch mit Militärwaffen handelte und Diepgen ihm ,seiner Aussage nach, einige Geschäfte eingefädelt haben sollte. Da war das ganze Paket »Antes« noch verschnürt. Otto sagte, dass er vor einer Razzia angerufen wird, …na dann rate mal von wem. …Da gab es große Verkettungen. Logisch, dass er es nicht zugibt, das wäre damals ein nationaler Skandal, darum schwieg man. Otto sagte zu mir, dass Diepgen über alles Bescheid wusste und nur ein Anruf nötig war, dann war Zeit, den Laden für die Razzia zu säubern. Die Presse hat, als alles aufgeflogen ist, Eberhard Diepgen wenig belastet, obwohl sie alles mitbekommen haben. Die waren ab 23:00 Uhr ständig da und holten sich ihren Freifahrtschein ab.

ExtremNews: Ich bedanke mich bei Ihnen Herr Behlinda, aber könnten Sie den Lesern noch ein kleines Nachwort mitgeben?

Dieter Behlinda: Ja gern. Die Medien liefern uns zurzeit vorverdaute Kost, wo in jeder Nachricht auch schon die Empfehlung eines Produkts steckt. Wir brauchen solche offenen Medien wie die Ihre, dann stimmt es auch mit dem Journalistenkodex, der an der gedruckten Presse und dem Fernsehen erheblichen Schaden genommen hat. Ich ,als der Manager und Wegbereiter von Dieter Thomas Heck, Michael Holm und Christian Anders sowie Gitte, darf von der Presse nicht erwähnt werden, weil sonst alles erneut hinterfragt wird. Aber wenn es doch durchsickert, dann werden sicherlich ein paar Chefredaktionsplätze frei. Dafür muss man sich jetzt stark machen. Dass die Presse Personen der Öffentlichkeit vor Enthüllungen schützt, ist jetzt wohl neu, das wäre damals ein Verbrechen gewesen. Darum habe ich das Vertrauen in die Medien verloren.


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