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Wann übernehmen Computer die Arbeit von Journalisten?

Archivmeldung vom 04.03.2017

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 04.03.2017 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bild: Dieter Schütz / pixelio.de
Bild: Dieter Schütz / pixelio.de

Weltweit sind intelligente Software-Programme auf dem Vormarsch, die eigenständig redaktionelle Texte verfassen können. Das Berliner Unternehmen Retresco bietet solche Programme bereits an. Geschäftsführer Johannes Sommer zeichnet gegenüber Sputnik ein Bild vom digitalen Journalismus von morgen.

Auf der Webseite des Magazins heißt es weiter: "„Wetter, Börse, Fußball – in diesen drei Bereichen kann unsere Software eigenständig Artikel verfassen“, sagt Retresco-Geschäftsführer Sommer im Interview. Das geschehe bereits so schnell, dass es Journalisten angst und bange werden müsse. „Das liegt im Millisekunden-Bereich“, erklärt der Unternehmer. „Um das Beispiel Fußball zu nehmen: Unmittelbar nach dem Abpfiff haben Sie Ihren Text.“ Gegen dieses Tempo hat kein Mensch eine Chance.

Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Die Software muss gefüttert werden, bevor sie liefert. „Eine wichtige Voraussetzung dafür, automatische Texte zu generieren, sind strukturierte Daten“, erläutert Sommer. Für die Fußballberichterstattung bedeute das zum Beispiel: „Wir brauchen: Welche Mannschaften haben gespielt, das Ergebnis, wann fielen die Tore, wann gab es gelbe Karten und so weiter…“ Aus diesen Informationen schreibt die Software einen Spielbericht.

Die Texte aus dem Computer kommen bei jenen, die sie lesen, an, meint der Software-Unternehmer. Sputnik will wissen, ob Leser einen Unterschied zwischen einem menschlichen Bericht und einem aus der Maschine feststellen. „Nein“, kommt als Antwort wie aus der Pistole geschossen. „Ich behaupte: Wenn sie es wissen, dann sehen sie es sofort. Wenn sie es nicht wissen, werden sie keinen Unterschied sehen“, behauptet Sommer. Das Unternehmen habe entsprechende Studien gemacht: „Die Testpersonen attestierten menschlichen Berichten einen besseren Lesefluss, die Robotertexte wirkten aber glaubwürdiger.“ Dass liegt laut Sommer daran, dass die Berichte von Maschinen sehr faktenbasiert geschrieben seien.

Journalisten müssten daraus lernen, dass es wenig Sinn habe, sich dagegen zu wehren. Sie sollten besser überlegen, wie sie sich dieser Software auf sinnvolle Weise als Arbeitsmittel bedienen können. Den Lesern rät Sommer: „Sie müssen lernen, dass es automatisch geschriebene Texte gibt und dass es immer mehr davon geben wird.“

Vor allem Nachrichtenagenturen bekommen Probleme

Die Zukunft für Journalisten sieht der Unternehmer aber keinesfalls düster: „Für ein Horrorszenario ist es noch zu früh.“ Der Mensch könne Dinge beschreiben, die die Maschine nicht weiß. „Warum gab es eine rote Karte? Wie hat der Trainer auf eine Situation reagiert?“, greift Sommer wieder auf das Beispiel Fußball zurück. Allerdings könnten moderne Computer immer größere Datenmengen erfassen und in immer mehr Bereichen zu Texten verarbeiten, beispielsweise in der Berichterstattung von Gerichtsprozessen.

Probleme sieht Sommer auf Nachrichtenagenturen zukommen: „Das, was Agenturen jetzt an verschiedene Redaktionen liefern – also den gleichen Text an unterschiedliche Websites –, das kann man durch automatisierte Texte ersetzen, die für jeden Abnehmer individuell geschrieben sind.“

PS: Dieser Text ist übrigens von einem Menschen geschrieben."

Das komplette Interview finden Sie hier: https://de.sputniknews.com/gesellschaft/20170304314766720-roboter-journalisten/

Quelle: Sputnik (Deutschland)

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