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Die Suche nach Hitlers Bombe

Archivmeldung vom 30.12.2014

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 30.12.2014 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Eine bemerkenswerte Entdeckung fast 70 Jahre nach Kriegsende, handelt es sich um den Eingangsbereich für ein bislang unbekanntes Stollensystem, wie Geoelektrik-Messungen es vermuten lassen? Bild: "obs/ZDF"
Eine bemerkenswerte Entdeckung fast 70 Jahre nach Kriegsende, handelt es sich um den Eingangsbereich für ein bislang unbekanntes Stollensystem, wie Geoelektrik-Messungen es vermuten lassen? Bild: "obs/ZDF"

Es könnte sich um die "größte geheime Waffenfabrik des Dritten Reiches" handeln, sagt der Linzer Filmemacher Andreas Sulzer, der derzeit für eine ZDF-Dokumentation (Arbeitstitel: "Die Suche nach Hitlers Bombe") nach einem Tunnelsystem forscht, das die Nazis nahe dem Ort St. Georgen an der Gusen in Oberösterreich betrieben haben sollen: Das vermutete unterirdische Labyrinth liegt auf privatem Gelände in der Nähe der bekannten Untergrundfabrik "B8 Bergkristall" und könnte mit ihr zusammenhängen. Bei Grabungen wurde jetzt ein bislang unbekannter Eingangsbereich entdeckt.

Andreas Sulzer war bei seinen Recherchen zu unterirdischen Anlagen in Österreich, die am Ende des "Dritten Reiches" der Produktion von Geheimwaffen dienten, auf überraschende, bislang unbekannte Quellen gestoßen. Sie sprechen dafür, dass die unterirdische NS-Rüstungsschmiede "Bergkristall" weitaus größer und gewichtiger war als bislang angenommen. Auch jüngere Geoelektrik-Messungen deuten darauf hin. In offiziellen Unterlagen ist das Stollensystem nur eingeschossig ausgewiesen. Sulzer hat Belege gefunden, darunter Fotos, die zeigen, dass es mehrgeschossig war: Mit einem Kamerateam, mit Baggern und Schaufeln hat er sich vor Ort begeben, ließ mehrere Meter Boden abtragen, bis sich der befestigte Zugang abzeichnete.

Viele Fragen verknüpfen sich noch immer mit dem einst streng abgeschirmten Militärkomplex: Welche Opfer forderten der Bau und Betrieb? Auf wie vielen unterirdischen Ebenen wurden hier welche geheimen Rüstungsgüter hergestellt? Welche über die schon bekannten hinaus? Wurde hier auch Atomforschung betrieben - worauf manche Dokumente hindeuten? Gab es den Bau an "Hitlers Bombe" überhaupt? Was fanden die Alliierten auf der Suche danach?

Erstmals ausgewertete "Wagenkontrollbücher" belegen, dass in den letzten Kriegsmonaten Hunderte von Zügen der Reichsbahn nach Gusen geschickt wurden, galt das Gebiet doch als letztes Refugium der so genannten "Alpenfestung". Doch was wurde hier aufgebaut oder eingelagert? Was sollte vor den heranrückenden Siegermächten verborgen bleiben? Was steckt hinter dem angeblichen Selbstmord des SS-Generals Hans Kammler, der hier sein Hauptquartier hatte. Nach neueren Quellenfunden soll er den Krieg überlebt und sein Wissen als Hitlers Geheimwaffenchef den USA zur Verfügung gestellt haben (ZDF-History berichtete am 8. Juni 2014).

Ein bislang unveröffentlichtes Gutachten zur möglichen Eignung der Gusener Stollen für eine atomare Endlagerung aus dem Jahr 1968 weist auch Areale aus, die kurz vor Kriegsende versprengt wurden. Das Medieninteresse ist groß und inzwischen international. Aber die Behörden haben erst einmal die Grabungsarbeiten stoppen lassen.

"Das Thema ist kontrovers und erfordert große Sorgfalt", sagt Stefan Brauburger, Leiter der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte, "aber es gibt genügend neue Hinweise und Gründe, um intensiv dazu zu forschen und bisherige Ansichten zu prüfen. Das sind wir auch den zehntausenden Menschen schuldig, die in den unterirdischen Fabriken unter schlimmsten Umständen als Arbeitssklaven zugrunde gerichtet wurden und starben."

Ein Sendetermin für die ZDF-Dokumentation steht noch nicht fest.

Quelle: ZDF (ots)

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