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"Walking Dead"-Zeichner Adlard: Für nackte Brüste werde ich geteert und gefedert

Archivmeldung vom 09.01.2016

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 09.01.2016 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
The Walking Dead ist eine monatlich erscheinende Comicserie, die in den USA seit Oktober 2003 von Image Comics publiziert wird.
The Walking Dead ist eine monatlich erscheinende Comicserie, die in den USA seit Oktober 2003 von Image Comics publiziert wird.

Lizenz: Public domain
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Der Comic-Zeichner Charlie Adlard ("The Walking Dead") klagt über die amerikanische Doppelmoral im Umgang mit Sex und Gewalt: "In den USA kann ich jede Art von Gewalt zeichnen. Waffen sind eine absolute Selbstverständlichkeit. Aber wenn ich eine nackte Brust zeichne, werde ich geteert und gefedert", sagte der 49-jährige Brite in einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

"Die Doppelmoral ist krank," sagte Adlard weiter. "Ich will nicht zu kontrovers werden, aber ein Land, das in fast religiöser Ehrfurcht die Waffe hebt, aber eine öffentlich stillende Frau als Verbrechen an der Natur begreift, ist schräg. Natürlich betrifft mich das bei der Arbeit an 'The Walking Dead' - und ich lerne es immer mehr zu schätzen, dass die Leute in Europa Bilder von Sex und Gewalt mit den gleichen Vorbehalten oder mit der gleichen Offenheit betrachten."

In der Frage des "Walking Dead"-Merchandisings gestand Adlard seinen wohl hoffnungslosen Wunsch nach einem Lego-Set mit blutigen Zombies: "Ich bin ein massiver Lego-Fan und würde es lieben. Aber bedauerlicherweise wird es die 'Walking Dead'-Box von Lego nie geben", sagte Adlard. "Leider. Denn die Lego-'Walking Dead'-Edition würde vermutlich bedeuten, dass ich als Zeichner jederzeit eine Werkstour in Billund machen dürfte und ein Leben lang Gratis-Lego-Steine beziehen würde." Als Notlösung ermutigt Adlard zur Eigeninitiative: "Das müssen die Fans sich selbst bauen", rät er. "Ich habe auch schon einige Lego-Zombie-Welten von Fans gesehen."

Eine klare Haltung hat Adlard auch bei den letzten Dingen. Zur Frage nach seiner Wunschbestattung sagte der Vater der wandelnden Leichen: "Ich wollte schon immer verbrannt werden. Als nicht religiöser Mensch halte ich den Körper nur für ein Behältnis, das uns durchs Leben trägt. Wenn ich tot bin, bin ich tot. Es ist mir egal, was danach mit meinem Körper passiert. Sie können jedes einzelne Teil zu Forschungszwecken verwenden. Das kratzt mich nicht, selbst wenn am Ende nur noch ein Augapfel zum Verbrennen übrig bleibt."

Die drastischen Gewaltdarstellungen seiner Zombie-Comics hält Adlard für notwendig - mit einer Ausnahme. Einmal habe er sich gegen die Vorgaben des US-Autors Robert Kirkman aufgelehnt: "Ein einziges Mal, und zwar bei einer Folterszene. Michonne, eine unserer zentralen Figuren, rächt sich dabei grausam am Gouverneur. Das ist einer der Schurken des Comics. Damals habe ich Robert Kirkman gesagt: Jetzt musst du mich wirklich überzeugen, das zu zeichnen", sagte der 49-Jährige. "Ob Sie es glauben oder nicht, aber ich bin immer noch überzeugt: Was man nicht sieht, ist mächtiger als das, was man sieht. Ihr Vorstellungsvermögen hat Schlimmeres zu bieten, als ich zeichnen kann", sagte Adlard.

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung (ots)

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