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„Bitte nich'“: So verzweifelt bemüht sich Welt-Chefredakteur Ulf Poschardt um Abonnenten

Archivmeldung vom 12.08.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 12.08.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Anja Schmitt
Zeitungen (Symbolbild)
Zeitungen (Symbolbild)

Bild: © CC0 / kalhh

Ulf Poschardt, Chefredakteur von „WeltN24", möchte nicht, dass Leser der Springer-Zeitung „Welt“ den Rücken kehren. Deswegen erscheint er kündigenden Abonnenten in einem Video und sagt: „Bitte nich'“. Dies schreibt das russische online Magazin „SNA News“ .

Weiter heißt es diesbezüglich auf deren deutschen Webseite: "Die „Welt“-Zeitung hat in den vergangenen Jahren erheblich an Auflage eingebüßt. Sie betrug im Juli laut dem Online-Magazin „DWDL“ noch knapp 42.000 Exemplare für 2021. In den vergangenen zehn Jahren ist die verkaufte Auflage um durchschnittlich 11,9 Prozent pro Jahr gesunken. Im vergangenen Jahr hat sie um 34,2 Prozent abgenommen. Der Anteil der Abonnements an der verkauften Auflage liegt bei 50,8 Prozent.

Womöglich hat die „Welt“-Gruppe deswegen eine neue Strategie erkoren. Kündigenden erscheint online ein Video, wo der Journalist und Chefredakteur von „WeltN24“ sie darum bittet, ihre Entscheidung zu überdenken. Der Medienjournalist und Gründer der Watchblogs „Bildblogs“ und „Übermedien“, Steffan Niggemeier, hatte das Video als erster auf Twitter mit dem Kommentar veröffentlicht:

„Stell dir vor, du willst gerade dein Welt-Abo kündigen, und dann kommt dieser Niedrigenergie-Ulf und sagt: ‚Bitte nich. Bitte nich.‘“

In dem Video erscheint ein zerknirscht wirkender Ulf Poschardt und sagt:

Bitte nich‘. Bitte nich‘. Wir freuen uns über jeden Abonnenten und wir wollen gerne wissen, warum Sie an dem Punkt sind und warum Sie sagen: Ich würde gerne mein Abo kündigen.

Ulf Poschardt ist Chefredakteur der „WeltN24 GmbH“, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft der „Axel Springer SE“, die die Aktivitäten der „Welt“-Gruppe (Zeitung) und des Fernsehsenders „Welt“ bündelt. In einem kurzen zweiten Teil fügt er hinzu:

„Wir sagen Ihnen, auch wenn die Beziehung kracht, oder die Ehe kracht, was dann zu tun ist.“

Niggemeier erläutert das Video so:

Der Kontext ist schlicht, was die ‚Welt‘ einem als Leser bietet. Ich hab da nichts sinnentstellt. (Der Schnitt darin ist nicht von mir.)

Wenig überraschend wird das Video mit Ulf Poschardt auf seinem Twitter Kanal kritisch kommentiert. User @fuernemark schreibt:

Wäre ja eigentlich nur folgerichtig, wenn Ulf, nachdem er bei der SZ für gefälschte Interviews rausgeschmissen wurde und dir Vanity Fair gegen die Wand gefahren hat, als krönenden Abschluss seiner Karriere die Welt versenkt

Poschardt arbeitet vor seiner Zeit bei Springer bei der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) und war Gründungs-Chefredakteur der im Februar 2007 erstmals erscheinenden deutschen Ausgabe von „Vanity Fair“. Im Skandal um den ehemaligen Schweizer Journalist Tom Kummer, der große Teile seiner Interviews erfunden hatte, stellte sich heraus, dass Poschardt dessen gefälschte Interviews und Storys ungeprüft publiziert hatte. Daraufhin wurde ihm von der SZ gekündigt. „Vanity Fair“ erreichte unter Poschardt nur schlechte Absatzzahlen. Der verließ das Magazin und kehrte als stellvertretender Chefredakteur der „Welt am Sonntag“ zur „Axel Springer AG“ zurück.

Poschardt kommentiert das Video selbst auf Twitter mit den Worten:

„es ist mir ein Vergnügen, jedem unserer Abonnent:innen zu versichern, dass sie uns als Leser:innen wirklich etwas bedeuten. Und zwar jeder einzelne.“ "

Quelle: SNA News (Deutschland)

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