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Nicole Heesters: Als Kind wollte ich Nonne und Straßenbahnschaffnerin werden

Archivmeldung vom 23.04.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 23.04.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić
Nicole Heesters (2014), Archivbild
Nicole Heesters (2014), Archivbild

Foto: Tsui
Lizenz: CC BY-SA 3.0
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Nicole Heesters (84), Schauspielerin, hat als Kind von ganz anderen Berufen geträumt, obwohl sie Tochter des Schauspielerpaares Johannes Heesters und Louisa Ghijs ist: "Ich bin auf eine wunderbare Klosterschule gegangen, wo mich die Nonnen tief beeindruckt haben. Deshalb wollte ich auch Nonne werden, ich fand diese Ausschließlichkeit großartig", sagte sie im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ).

Wenig später habe sie dann aber schon einen völlig anderen Beruf angestrebt, berichtete Heesters weiter: "Damals fuhr ich immer mit der Straßenbahn zur Schule, das war herrlich - man konnte auf die schon anfahrende Straßenbahn aufspringen, hinten gab's einen kleinen Balkon, da konnte man während der Fahrt im Freien stehen. Das war sehr romantisch. Und ich fand die Taschen von den Schaffnern so schön - oben drückte man drauf, und unten kamen die Groschen raus. Deshalb wollte ich ein halbes Jahr lang Straßenbahnschaffnerin werden. Bis ich dann doch gesagt habe: Schauspiel ist das Schönste."

Mittlerweile steht Nicole Heesters seit fast 70 Jahren vor der Kamera und auf der Bühne. Und obwohl sie das Wort Disziplin nicht mag, ordnet sie dem vieles unter: "Unser Beruf verlangt nun mal sehr viel Kraft und eine hohe Konzentration. Ich kann nicht die Nächte durchfeiern, weil ich dann am nächsten Tag blöd bin im Kopf bin und keinen Text lernen kann. Das mag man als Disziplin ansehen - ich sehe es als Notwendigkeit. Man muss in sich hineinhorchen, dann ergibt sich eine gewisse Ordnung und eine gewisse Struktur, die für andere Leute vielleicht wie Disziplin ausschaut."

In der Ernsthaftigkeit bei der Berufsausübung ähnelt Nicole Heesters ihrem Vater, dem legendären Johannes "Jopie" Heesters, der 2011 im Alter von 108 Jahren verstorben war. Ihre Erinnerung an ihn ist aber weniger beruflich geprägt: "Ich sehe den nicht mit Zylinder und weißem Schal, sondern so, wie er war: ein sehr strenger, aber ein sehr guter Vater. Das habe ich als Kind manchmal nicht verstanden, aber je älter ich werde, desto mehr begreife ich, was er wollte mit uns und dass er uns wunderbar begleitet hat."

So alt zu werden wie ihr Vater, kann sich Nicole Heesters aber nur unter einer Voraussetzung vorstellen: "Wenn ich gesund bin, der Verstand funktioniert, der Körper so reagiert, wie man es will, und man unabhängig ist - dann, glaube ich, ist es sehr schön, wenn man der Welt so lange zuschauen kann. Wenn das nicht der Fall ist, bitte ich um das Geschenk, abtreten zu dürfen."

Eine klare Absage erteilte Nicole Heesters dem Gendersternchen: "Damit kann ich nichts anfangen. Soll damit etwa die Frauenquote aufgebessert werden, oder warum macht man das? Ich halte es für den Ausdruck eines Minderwertigkeitskomplexes, wenn man so etwas verlangt."

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung (ots)

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