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"Runter vom Baum, Jura studieren"- Helene Hegemann fordert Aktivisten auf, Probleme legal zu lösen

Archivmeldung vom 08.08.2022

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 08.08.2022 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić
Bild: DIE ZEIT Fotograf: Guillaume Blondiau
Bild: DIE ZEIT Fotograf: Guillaume Blondiau

Die Frage, wie sich Recht zu Gerechtigkeit verhält, findet die Schriftstellerin und Regisseurin Helene Hegemann schwierig zu beantworten. Im Interview mit dem Magazin ZEIT VERBRECHEN (ab morgen im Handel) sagt sie: "Ich plädiere generell für verantwortungsvolle, gezielte Regelverletzung." Sie selbst habe beispielsweise während der Pandemie abgewogen, "ob es moralisch gerechtfertigt war, gegen die Kontaktbeschränkungen zu verstoßen."

Die Autorin des Romans "Axolotl Roadkill" entschied: "Ich habe es moralisch für legitim erachtet, ein Abendessen zu viert zu veranstalten. Ohne das Gefühl zu haben, ich hätte ein Unrecht begangen." Zu Aktivisten, die Gesetze brechen, hat die 30-Jährige hingegen eine klare Haltung: "Ich halte das in erster Linie für PR-Aktionen. Wenn überhaupt, besteht das Resultat am Ende darin, dass medial über diese Grenzüberschreitung berichtet wird - und man sich dann schnell damit zufriedengibt, dass irgendwo ein paar Verrückte schon die Ratten aus den Versuchslaboren befreien werden und man sich selbst damit nicht weiter beschäftigen muss." Sie plädiert stattdessen dafür, die Probleme auf legalem Wege zu lösen und fordert: "Also runter vom Baum, Jura studieren!"

Aktuell inszeniert die Wahlberlinerin den Film "Subotnik" nach Ferdinand von Schirach, in dem auch das Thema Gewalt gegen Frauen und Machtmissbrauch behandelt wird. Helene Hegemann ist dieser Form des Bösen auch selbst begegnet: "Ein Mann ist mir um vier Uhr morgens durch Berlin-Mitte gefolgt, hat mich unter dem Rock angefasst und ist mir hinterhergerannt, als ich weggelaufen bin. Um diese Zeit war alles dunkel, ein totes Viertel. Glücklicherweise wurde in einem Bioladen noch gefeiert. Dahin konnte ich mich flüchten." Sie weiß, dass sie mit dieser Erfahrung nicht allein ist: "Jede Frau, die ich kenne, auch ich, hat nachts auf der Straße Angst, weil sie schon mal eine kritische Situation erlebt hat."

Die von der Literaturkritik gefeierte Autorin gesteht sich eigene kriminelle Neigungen ein, sie meint: "Das haben alle Künstler." Bei ihr äußerten sich diese aber "glücklicherweise nicht in Straftaten." In ihrer Jugend gab es allerdings Zeiten, in denen ihr Vater gedacht habe, "entweder sie wird großkriminell oder sie macht Kunst". Mit schlechtem Gewissen klaute Helene Hegemann ihrem Vater Zigaretten und auch mal 20 Euro. Nachdem sie einmal beim Klauen von Klamotten bei H&M erwischt wurde, beendete sie jedoch ihren Abstecher in die Kleinkriminalität: "Ich bin wohl zu feige und zu empathisch für größere Diebstähle oder Betrügereien."

Quelle: DIE ZEIT (ots)

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