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Ulrich Matthes: Schlussstrich unter #MeToo wäre absurd

Archivmeldung vom 08.02.2018

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 08.02.2018 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Ulrich Matthes, im November 2015.
Ulrich Matthes, im November 2015.

Foto: 9EkieraM1
Lizenz: CC BY-SA 3.0
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Schauspieler Ulrich Matthes glaubt nicht, dass die #MeToo-Debatte in Deutschland nach einem Abschluss des Falls Wedel ausgestanden ist: "Das klingt ja wie ,Schlussstrich unter den Holocaust'," sagte das 58-jährige Ensemblemitglied des Deutschen Theaters in Berlin der "Neuen Osnabrücker Zeitung" und fügte hinzu: "Genauso absurd wäre ein Schlussstrich unter #MeToo, auch wenn ich um Gottes willen nicht das eine mit dem anderen vergleichen möchte!"

Man könne nur hoffen, so Matthes weiter, "dass dieses große Thema dazu führt, dass Frauen in bestimmten Situationen selbstbewusster sagen: ,No! Bis dahin und nicht weiter! Mach ich nicht! Lass mal!' Und dass Männer, die bisher dazu neigten, ihre Macht auch auf erotischem Gebiet ungehemmt auszuleben, sich zurückhalten, und sei es nur aus Angst vor Strafverfolgung." Er habe aber ein realistisches Menschenbild, das nicht nur positiv sei: "Deshalb mache ich mir keine Illusionen: Auch in hundert Jahren wird es noch Übergriffe geben und Leute, die glauben, ihre Macht ausnutzen zu können."

Zugleich sieht Matthes die Gefahr, dass in der Debatte übers Ziel hinausgeschossen wird: "Gerade in unserem Beruf, am Theater und beim Film, gibt es erotisch hoch aufgeladene Situationen. Da muss es möglich sein, dass man sich in einer Probe beim Spiel auch mal an den Busen oder den Schwanz greift und nicht anschließend die Frauenbeauftragte sagt: Hallo, was ist denn da los?" So etwas müsse in einer Probe oder am Set möglich sein, selbst wenn es nicht statthaft sei. Matthes: "Ungeschicklichkeiten und Fehler muss es weiterhin geben dürfen, für die man sich anschließend auch entschuldigen kann. Nur bisher selbstverständliche bestimmte Verhaltensweisen, die nicht nur ungeschickt, sondern deutlich mehr waren - die müssen sanktioniert werden. Spätestens ab jetzt!"

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung (ots)

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