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"Job des Journalisten ist tot wie der des Liftboys"

Archivmeldung vom 10.04.2015

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 10.04.2015 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Qualitätspresse: stark vom Aussterben bedroht. Bild: pixelio.de, A. Hermsdorf
Qualitätspresse: stark vom Aussterben bedroht. Bild: pixelio.de, A. Hermsdorf

Der TV-Produzent Michael Rosenblum findet im Rahmen einer Fachtagung zum mobilen Journalismus in Dublin klare Worte. Um die Qualitätspresse sei es schlecht bestellt: "Der Job des Journalisten ist so tot wie der eines Liftboys." Seiner Ansicht nach wurden Aufzugführer durch Druckknöpfe, Fabrikarbeiter durch Roboter und Bankangestellte am Schalter von Geldausgabeautomaten ersetzt. Amazon habe die Buch- und Musikhändler von der Bildfläche gefegt, während es nun dem Journalismus an den Kragen gehe.

"Smartphones sind mächtige Instrumente für Journalisten. Es gibt keine Barrieren mehr dafür, Journalist zu sein. Jeder kann es tun", sagt Rosenblum. Der Branchenkenner vergleicht die Branche mit Airbnb und Uber. "Airbnb besitzt kein einziges Hotel und Uber kein einziges Taxi. In naher Zukunft werden die weltgrößten Medienunternehmen auch keinen einzigen Journalisten mehr angestellt haben", ist Rosenblum überzeugt.

Die Entwicklungen seien bereits zu sehen. Freie Journalisten strömen in den Markt, was dazu geführt habe, dass sich die Bezüge für Journalisten in diesem Jahrtausend stark verringert hätten. Copy-und-Paste-Journalismus verbreite sich rasant. Ein Freelancer schreibt: "Es ist eine unvermeidliche Konsequenz, dass angestellte Redakteure die technischen Tools nutzen, um unsere Arbeit billig zu bekommen. Wir leiden, weil wir aufgrund unserer Erfahrungen und Fähigkeiten, Qualitätsjournalismus zu produzieren, gerecht bezahlt werden wollen."

Demokratie gerät in Gefahr

Die niedrige Entlohnung könnte laut Experten auf lange Sicht dazu führen, dass immer weniger begabte Menschen den Journalismus als Beruf wählen. Jedoch - und darin sind sich die Branchenbeobachter des Dubliner Kongresses auch einig - braucht es echte Journalisten, die ihre Fähigkeiten dazu verwenden, im Namen der Gesellschaft tätig zu werden. Denn ist der Journalismus in Gefahr, so ist es letztlich auch die Demokratie.

Quelle: www.pressetext.com/Christian Sec

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