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Philosoph Slavoj Žižek: "Schäme mich nicht, meine Texte bei RT veröffentlicht zu haben"

Freigeschaltet am 14.05.2022 um 06:30 durch Sanjo Babić
Slavoj Žižek (2015), Archivbild
Slavoj Žižek (2015), Archivbild

Foto: Amrei-Marie
Lizenz: CC BY-SA 4.0
Die Originaldatei ist hier zu finden.

In einem Gastbeitrag für die Berliner Zeitung erklärt der slowenische Philosoph und Wissenschaftler Slavoj Žižek, warum er sich nicht dafür schämt, für RT geschrieben zu haben. Zudem spricht er über Julian Assange, die politische Doppelmoral der USA und Zensur im Westen.

Weiter berichtet RT DE: "Slavoj Žižek, der über mehrere Jahre hinweg Beiträge für RT verfasst hat, wendet sich in einer Kolumne für die Berliner Zeitung seinen Erfahrungen mit RT zu und sagt, dass dies für ihn jahrelang die einzige Gelegenheit war, frei und unzensiert in der Öffentlichkeit über viele Themen zu sprechen, die in den westlichen Medien tabuisiert sind. Wie zum Beispiel über den Fall von Julian Assange. "Es gab Dinge, nicht nur in Bezug auf Assange, sondern auch in Bezug auf die Schwächen der liberalen Demokratie, die israelische Apartheidpolitik im Westjordanland, die Verirrungen der Political Correctness und so weiter, die ich auf Englisch nur bei Russia Today veröffentlichen konnte", betonte Žižek.

Der Fall um den Journalisten Julian Assange, der nun kurz vor einer Auslieferung an die USA steht, sei ein wichtiges Argument für Žižek, alternative Medienplattformen wie RT zu nutzen. Während London allmählich Assanges Auslieferung vorbereite, richteten die westlichen Mainstream-Medien ihre volle Aufmerksamkeit auf die Ukraine-Krise und vergäßen dabei, dass dem WikiLeaks-Gründer bis zu 175 Jahren Gefängnis drohten, aus dem er wahrscheinlich nie wieder herauskommen werde, nur weil er von seiner Redefreiheit Gebrauch gemacht habe, schreibt Žižek.

"Wie können sie die Auslieferung von Assange an die USA fordern, wenn Assange kein US-Bürger ist, nicht in Spionage gegen die USA verwickelt war und alles, was er getan hat, darin bestand, die zweifellos von den USA begangenen Kriegsverbrechen öffentlich zu machen (man denke nur an das berühmte Video, in dem US-Scharfschützen irakische Zivilisten töten)?"

Dass alternative Sichtweisen im zeitgenössischen westlichen Medienraum zunehmend an den Rand gedrängt würden, sei eine Folge der politischen Doppelmoral vor allem der USA, betonte Žižek. Diese politische Doppelmoral habe eine lange Tradition. Er erinnerte an den beispiellosen politischen Druck, den die USA im Jahr 2003 auf Serbien ausgeübt hatten:

"Die US-Vertreter verlangten von der serbischen Regierung gleichzeitig, die mutmaßlichen Kriegsverbrecher an den Haager Gerichtshof auszuliefern und den bilateralen Vertrag mit den USA zu unterzeichnen, der Serbien verpflichten sollte, US-Bürger, die Kriegsverbrechen oder andere Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt haben sollen, an keine internationale Institution (d.h. an den Haager Gerichtshof) auszuliefern".

Žižek sieht das gleiche Muster in den aktuellen Forderungen, Putin wegen "Kriegsverbrechen in der Ukraine" an das Haager Tribunal auszuliefern. Für ihn ist auch dies ein klarer Ausdruck von Doppelmoral: "Wenn Putin nach Den Haag gehört, warum nicht auch Assange? Warum nicht Bush und Rumsfeld (der bereits tot ist) für seine 'Shock and Awe'-Bombardierung von Bagdad?"

Die Welt werde zunehmend komplexer und unübersichtlicher und selbst Medien, die gestern noch als demokratisch gegolten hätten, würden zensiert, so Žižek. Heute sei der westliche Bürger gezwungen, sich "zwischen der Ukraine und Assange" zu entscheiden, doch dies sei ein Weg in den Abgrund. Falls man diese Wahl tatsächlich treffen müsse, dann sei man verloren, "dann haben wir unsere Seele an den Teufel verkauft".

Deshalb solle man der Versuchung widerstehen, in komplexen Konfliktsituationen Partei zu ergreifen und nur bedingungslose Werte wie Redefreiheit und Menschenrechte verteidigen. Man solle auf Gleichbehandlung bestehen und sowohl die Positionen Russlands als auch die des Westens gleichermaßen kritisch betrachten.

"Schäme ich mich, meine Texte bei Russia Today veröffentlicht zu haben? Nein, absolut nicht!", resümierte der slowenische Philosoph. "Die Lektion ist, dass auch die westlichen Demokratien ihre Schattenseiten haben, ihre eigene Zensur; sodass wir das volle Recht haben, rücksichtslos eine Supermacht gegen die andere auszuspielen".

Quelle: RT DE

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