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Ulrich Matthes: Eltern verboten mir die Schauspielerei

Archivmeldung vom 17.02.2018

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 17.02.2018 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch André Ott
Ulrich Matthes, im November 2015.
Ulrich Matthes, im November 2015.

Foto: 9EkieraM1
Lizenz: CC BY-SA 3.0
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Schauspieler Ulrich Matthes (58) ist in jungen Jahren bei seiner Karriere als Kinderstar beim Film ausgebremst worden, nachdem er schon mit zehn, elf und zwölf Jahren vor der Kamera gestanden hatte. "Meine Eltern haben es mir verboten, weil ich durch diese Filmerei unerträglich wurde," sagte das langjährige Ensemblemitglied des Deutschen Theaters in Berlin der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Er sei durch seine Rollen beim Film "noch viel naseweiser und altkluger" geworden, als er ohnehin schon gewesen sei.

"In einer Erwachsenenwelt permanent im Mittelpunkt zu stehen tut keinem Kind dieser Welt gut," fügte Matthes hinzu. "Ich war größenwahnsinnig und ballaballa. Wenn's immer nur heißt Ulrich hier und Uli da, dann ist das nicht gut für ein ohnehin mit kräftigem Selbstbewusstsein ausgestattetes Kind, wie ich es war. Meine Eltern hatten Gott sei Dank das Gefühl, sie müssten das rigoros stoppen und mich wieder zu einem ganz normalen Kind machen, das zur Schule geht und da seine Erfolge und Misserfolge erlebt. Das hat dann auch wunderbar geklappt." Selbstbewusst sei er immer noch, fügte der 58-Jährige hinzu. "aber das Durchgeknallte hat sich, so hoffe ich, gegeben".

Stark geprägt habe ihn als Jugendlicher ein engagierter Lehrer, der für die Aktion Sühnezeichen Reisen nach Israel organisierte, berichtete Matthes weiter: "Er stellte uns damals vor die Wahl, vier Wochen Badeurlaub in Griechenland zu machen oder vier Wochen nach Israel zu gehen, dort zwei Wochen im Kibbuz zu arbeiten und zwei Wochen durchs Land zu reisen. Ich hab mich damals sofort für Israel entschieden und fand die Begegnungen mit Emigranten und Holocaust-Überlebenden zutiefst bewegend und für mein ganzes Leben prägend."

Eine Lanze brach Matthes in dem Gespräch für die deutschen Theater: "Die deutsche Theaterlandschaft ist erst mal unglaublich reich, und wir werden auf der ganzen Welt enorm darum beneidet. Egal, wo ich bin, höre ich immer wieder von Schauspielerkollegen und Journalisten: Mein Gott, was ihr für eine Kohle habt! Und was ihr euch deshalb trauen könnt. Es ist bei uns eine jahrhundertealte Tradition, dass jede Kleinstadt ihr Stadt- oder sogar Staatstheater hat - so etwas gibt es auch in anderen reichen Ländern Mitteleuropas kaum. Das gilt es zu verteidigen!"

Kleinlich findet der Schauspieler deshalb die Verteilungsdebatten, in die manche Theater verstrickt werden: "Die Argumente, mit denen ein Theater gegen einen Kindergarten oder eine Schwimmhalle ausgespielt wird, kann ich nicht mehr hören! Es muss in einem so wohlhabenden Land wie Deutschland doch möglich sein, für Kindergärten, für die Schwimmhalle und das Theater zu sorgen."

Am kommenden Mittwoch (21. Februar) ist Ulrich Matthes in der Literaturverfilmung "Fremder Feind" im Ersten (20.15 Uhr) zu sehen.

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung (ots)

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