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Alice Schwarzer bekräftigt Forderung sofortiger Verhandlungen mit Russland

Archivmeldung vom 21.05.2022

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 21.05.2022 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić
Alice Schwarzer (2016), Archivbild
Alice Schwarzer (2016), Archivbild

Bild: Eigenes Werk /OTT

Die Publizistin Alice Schwarzer hat als Mitverfasserin eines vieldiskutierten offenen Briefs an Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) ihren Ruf nach sofortigen Verhandlungen mit Russland zur Beendigung des Kriegs erneuert. "Ich halte Putin nicht für verrückt", sagte Schwarzer dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Samstag-Ausgabe). Der russische Präsident wisse selbst, "dass er diesen Krieg, der von Anfang an ein Verbrechen war, nicht ewig führen kann".

Aus Schwarzers Sicht wäre nach dem Ende der Kämpfe um Kiew und mit der Verlagerung des Kriegs in die Ostukraine ein guter Zeitpunkt erreicht, einen Waffenstillstand auszuloten und nach Kompromissen zu suchen. Fast immer seien "in einem Krieg die Folgen des Krieges schlimmer als die Folgen von Verhandlungen und Kompromissen. Und in diesem Fall geht es ja nicht nur um die Folgen für die Konfliktparteien, sondern für die ganze Welt." Schwarzer verwies hier insbesondere auf Millionen Menschen im globalen Süden, die aufgrund ausbleibender Nahrungsmittel-Lieferungen vom Hungertod bedroht seien - eine "humanitäre Katastrophe unglaublichen Ausmaßes", so Schwarzer.

Die Herausgeberin der feministischen Zeitschrift "Emma" warf sowohl Putin als auch dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor, durch Macho-Gehabe die Situation zu verschlimmern. "Verletzte Männerehre ist gemeingefährlich, bei Ehemännern wie bei Präsidenten. Und die "toxische Männlichkeit", wie man heute sagt, spielt auch hier auf beiden Seiten eine große Rolle." Von Putin kenne man das zur Genüge. "Doch auch Selenskyj füllt die Pose des Helden aus, der entschlossen ist, bis zum letzten Atemzug zu kämpfen." Sie habe von ihm bisher noch kein Wort der Nachdenklichkeit gehört, kritisierte Schwarzer. "Nur, dass der Krieg weitergehen muss - nicht, wie er beendet werden könnte."

Ihren offenen Brief bezeichnete Schwarzer als ungewöhnlichen Erfolg. Das Hauptziel, die Vorbehalte gegenüber immer weiteren Waffenlieferungen vernehmlich werden zu lassen, sei "zu hundert Prozent erreicht". Sie habe in ihrem Leben "ja nun schon so manches angezettelt", fuhr die 79-Jährige fort. "Aber ich muss sagen: Die Reaktionen auf diesen Brief sind einfach großartig. Und zwar nicht nur die Zustimmenden, sondern durchaus auch die noch Nachdenklichen und Kritischen. Endlich ist zu dieser für uns alle lebenswichtigen Frage eine öffentliche Debatte in Gang gekommen. Über die Gefahr einer Eskalation bis zu einem dritten Weltkrieg muss geredet werden!"

Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger (ots)


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