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NDR Dokumentarfilm "Aghet - Ein Völkermord" läuft vor Abgeordneten des US-Kongresses

Archivmeldung vom 12.07.2010

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 12.07.2010 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Armenisch besiedelte Regionen 1896; Karte aus Petermanns Geographische Mitteilungen
Armenisch besiedelte Regionen 1896; Karte aus Petermanns Geographische Mitteilungen

Der NDR Dokumentarfilm "Aghet - Ein Völkermord" von Eric Friedler wird am Mittwoch, 21. Juli, US-Kongressabgeordneten in Washington auf dem Capitol Hill als "Special Screening" gezeigt. Der 90-Minüter erzählt von einem der dunkelsten Kapitel des Ersten Weltkriegs: dem Genozid an den Armeniern, bei dem bis zu 1,5 Millionen Menschen im Osmanisch-Türkischen Reich starben.

Mittlerweile haben 22 Staaten die durch den osmanischen Staat begangenen Deportationen und Massaker der Jahre 1915 bis 1917 offiziell als Genozid im Sinne von Artikel II entsprechend der UN-Völkermordkonvention von 1948 anerkannt. Die Türkei allerdings leugnet diesen Völkermord bis heute als historische Tatsache. Seit Jahren wird auch im US-Kongress versucht, eine Resolution zur Anerkennung des Völkermords an den Armeniern zu verabschieden; aus Rücksichtnahme auf den für die USA strategisch wichtigen NATO-Partner Türkei haben US-Spitzenpolitiker des Landes das bislang stets verhindert. Nach Meinung verschiedener Kongressabgeordneter könnte der Film "Aghet" (armenisch: "die Katastrophe") zu einer Entscheidungsbildung beitragen - sie baten darum, den Film in einem Screening auf dem Capitol Hill zeigen zu dürfen.

Frank Beckmann, NDR Programmdirektor Fernsehen: "Der Völkermord an den Armeniern, eines der opferreichsten Verbrechen im 20. Jahrhundert, wird in 'Aghet - Ein Völkermord' einem großen Publikum nahe gebracht. Der Film ist eindringlich, eindeutig und bewegend. Und gibt es für einen Dokumentarfilm eine größere Auszeichnung, als nun auch noch innerhalb eines politischen Entscheidungsprozesses herangezogen zu werden?"

 

Die Abgeordneten werden eine englische Sprachfassung von "Aghet" sehen, in der der bekannte britische Schauspieler Andy Serkis ("Herr der Ringe") den Hauptkommentar spricht. Der Film ist von Kritikern weit über Deutschland hinaus positiv aufgenommen worden. Der vielfach preisgekrönte kanadische Regisseur Atom Egoyan ("Das süße Jenseits") nannte Friedlers Film eine "lange fehlende Darstellung" und "eine einzigartige Dokumentation im Dienst von Geschichte und sozialer Integrität". Der Literaturnobelpreisträger Günter Grass forderte bei einem Besuch in der Türkei, das Land möge die Verbrechen an den Armeniern anerkennen und bezog sich dabei ausdrücklich auf "Aghet". "Das Beste wäre, man würde diesen Film im türkischen Fernsehen übernehmen", so der Schriftsteller in der Wochenzeitung "Die Zeit".

"Aghet" beschäftigt sich mit den politischen Motiven für das bis heute andauernde Schweigen über den Völkermord an den Armeniern. Für den Film wurde der Verlauf des Völkermords aus zahlreichen historischen Quellen rekonstruiert. Ein hochkarätiges Schauspielerensemble - darunter Martina Gedeck, Sylvester Groth, Thomas Heinze, Sandra Hüller, Gottfried John, Burghart Klaußner, Joachim Kròl, Peter Lohmeyer, Ulrich Noethen, Katharina Schüttler, Charlotte Schwab, Thomas Thieme und Ludwig Trepte - verleiht im Film lange verstorbenen Zeitzeugen Stimmen von beklemmender Authentizität. Produzentin war Katharina M. Trebitsch, die Redaktion hatte Thomas Schreiber.

Quelle: NDR Norddeutscher Rundfunk

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