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Erste Babys nach Gebärmuttertransplantation in Deutschland gesund zur Welt gekommen

Archivmeldung vom 25.05.2019

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 25.05.2019 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Entbindung per Kaiserschnitt: Das Team der Sectio
Quelle: Marc Vorbrugg, Universitäts-Frauenklinik Tübingen (idw)
Entbindung per Kaiserschnitt: Das Team der Sectio Quelle: Marc Vorbrugg, Universitäts-Frauenklinik Tübingen (idw)

Nach jahrelanger Vorbereitung konnte im Herbst 2016 die erste Gebärmuttertransplantation Deutschlands erfolgreich durchgeführt werden. Nun haben in der Universitäts-Frauenklinik des Universitätsklinikums Tübingen zwei transplantierte Frauen ihr gesundes Kind per Kaiserschnitt zur Welt gebracht. Bereits im März entbanden die Ärzte ein erstes Baby, Mitte Mai folgte ein zweites.

Damit brachten die beiden Mütter Hanna M.* (25) und Julia W.* (26) das weltweit 15. bzw. 17. Kind zur Welt, das nach einer Gebärmuttertransplantation geboren wurde. Die Tübinger Forscher konnten den beiden jungen Frauen damit ihren sehnlichsten Wunsch erfüllen, ein biologisch eigenes Kind auf die Welt zu bringen. Weil die Frauen ohne Scheide und ohne Gebärmutter geboren wurden, schien das unmöglich. Professor Sara Brucker, Geschäftsführende Ärztliche Direktorin des Departments für Frauengesundheit am Universitätsklinikum Tübingen, beschäftigt sich seit fast 20 Jahren mit Frauen, bei denen aufgrund des Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndroms während der Entwicklung im Mutterleib zwar Eierstöcke, aber keine Scheide und auch keine Gebärmutter angelegt werden. Nach dem Anlegen einer Scheide im Jugendalter, einer sogenannten Neovagina, konnte in Deutschland bei mittlerweile drei Frauen erfolgreich ein Uterus transplantiert werden. „Ich freue mich, dass sich die jungen Mädchen mit unserer Hilfe und dank der Neovagina als Frau fühlen können“, so die Ärztin und Forscherin. „Und jetzt endlich auch als Mutter.“

Zusammen mit einem multidisziplinären Ärzteteam, bestehend aus Professor Diethelm Wallwiener, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik, und Professor Alfred Königsrainer, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie und Professor Silvio Nadalin, Leiter des Transplantationszentrums, transplantierte Brucker in Kooperation mit dem Transplantationsteam des Universitätsklinikums Göteborg, Schweden, in mehrstündigen Operationen die Gebärmütter.

Schwangerschaft und Geburt

Bereits sechs Wochen nach der Operation setzte bei Julia W. die erste Menstruation ein – der erste Funktionsbeweis des transplantierten Uterus. Nachdem auch noch klar war, dass die Gebärmutter angenommen wurde und keine Abstoßungsreaktionen stattfanden (dies wurde durch zahlreiche Blut- und Gewebeentnahmen bestätigt), wurde ihr Mitte 2018 eine eigene, zuvor mit den Spermien des Ehemanns befruchtete Eizelle eingesetzt . Sowohl die Schwangerschaft als auch die Entbindung per Kaiserschnitt in der 36. Schwangerschaftswoche verliefen normal und unauffällig. „Wie bei jeder anderen Frau“, so Brucker. Der Junge wog bei seiner Geburt fast 2200 Gramm und war 45 cm groß. „Ich kann es noch gar nicht glauben, unseren kleinen Sohn in den Armen zu halten. Unser sehnlichster Wunsch ist in Erfüllung gegangen“, sagt die überglückliche 26-jährige Mutter.

Aufgrund des guten Verlaufs von Schwangerschaft und Geburt spricht laut der Gynäkologin nichts gegen eine zweite Schwangerschaft: „Spätestens nach dem zweiten Kind werden wir die Gebärmutter aber wieder entfernen.“ Um Abstoßungsreaktionen zu vermeiden, ist die Einnahme von Immunsuppressiva notwendig. Sie gilt es, zum Wohl der Frau auf einen möglichst kurzen Zeitraum zu begrenzen. „Für das ungeborene Kind ist die während der Schwangerschaft ohnehin angepasste Immunsuppression ungefährlich“, so Transplantationschirurg Königsrainer. „Wir haben Langzeiterfahrungen, die zeigen, dass das Immunsystem des Kindes im Mutterleib nicht geschädigt wird. In einem Register sind weltweit knapp 20.000 Kinder von Frauen erfasst, die nach Nieren- oder Lebertransplantationen schwanger wurden und die gleichen Medikamente erhielten.“

Eine Krankheit, die mit großem Leiden verbunden sein kann

Zusammen mit Forschern aus der ganzen Welt war Brucker 2016 Gründungsmitglied der Internationalen Gesellschaft für Uterustransplantation. In einer durch die Gesellschaft initiierten Datenbank sind alle verfügbaren Informationen zu den bisherigen Transplantationen gebündelt; die Wissenschaftler treffen sich einmal jährlich, um sich auszutauschen und die öffentliche Diskussion anzuregen. Denn Brucker und ihre internationalen Kollegen möchten für die gesellschaftliche Anerkennung kämpfen: „Eine Gebärmutter ist kein lebensnotwendiges Organ – aber notwendig, um einen Kinderwunsch zu erfüllen. Für betroffene Frauen kann das Fehlen dieses Organes und die daraus resultierende Kinderlosigkeit großes psychisches Leid bedeuten. Da die Leihmutterschaft in Deutschland nicht erlaubt ist, ist die Gebärmuttertransplantation hierzulande die einzige Chance auf ein biologisch eigenes Kind“, entgegnet sie Kritikern. Im Laufe des Jahres sind in Tübingen weitere Uterustransplantationen geplant.

*Namen geändert. Julia W. ist die Frau mit der ersten transplantierten Gebärmutter in Deutschland. Sie brachte das zweite Baby nach Gebärmuttertransplantation in Deutschland zur Welt. Auf persönlichen Wunsch von Hanna M. veröffentlichen wir keine Informationen zu Transplantation, Schwangerschaft und Geburt. Mutter und Kind sind wohlauf.

Quelle: Universitätsklinikum Tübingen (idw)

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