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Klinikdirektorin: "Wir versuchen, den Patienten teilweise eine Scheinwelt vorzugaukeln."

Archivmeldung vom 12.08.2020

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 12.08.2020 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott
Coronavirus: Verbotsschild zum Besuchsverbot in den München Kliniken
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Foto: Partynia
Lizenz: CC BY-SA 4.0
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Viele Menschen hätten überzogene Vorstellungen davon, was Ärzte leisten können, sagt die Chirurgin und Klinikdirektorin Doris Henne-Bruns im stern-Podcast "Die Boss". "Von der Medizin erwarten wir ja so eine Art Heilsversprechen, alles ist machbar. Aber es ist nicht alles machbar."

Schuld an den falschen Erwartungen seien nicht die Patienten, sondern Mediziner, die mehr versprächen, als sie heilen könnten, weil das Kliniksystem wirtschaftlichen Profit abwerfen müsse. "Wir versuchen, den Patienten teilweise eine Scheinwelt vorzugaukeln."

Doris Henne-Bruns ist Ärztliche Direktorin der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie an der Universitätsklinik Ulm und ist auf Tumorchirurgie spezialisiert. Sie wurde 2001 als erste Frau in Deutschland auf einen Lehrstuhl der Chirurgie berufen. "Ich muss mich jedes Jahr in den Budgetverhandlungen damit auseinandersetzen, wie viel wir eingenommen haben", sagt sie. "Das führt dazu, dass ich, wenn Sie mir (als Patientin, Anm. d. Red.) gegenübersitzen, als erstes gucke - ich sage es jetzt sehr überspitzt - was aus Ihnen herauszuholen ist. Und das ist ja die völlig falsche Betrachtungsweise." Das deutsche System sei teuer und erbringe trotzdem für den Patienten nicht die besten Ergebnisse.

Die Medizinerin, die in wenigen Wochen in den Ruhestand geht, warnt vor einem Nachwuchsmangel für Führungspositionen in der Medizin. Nicht nur Frauen, sondern auch Männer fühlten sich von den derzeitigen Rahmenbedingungen abgeschreckt. Kaum jemand wolle noch Chefarzt werden, sagt sie, weil der Gestaltungsspielraum "maximal begrenzt" sei. Ebenso fehle das nötige Personal bei Ärzten wie Pflegern, Stellen würden wegen des wirtschaftlichen Drucks oft nur zögerlich nachbesetzt. Es wachse zudem eine junge Ärztegeneration heran, die nur noch das kommerzialisierte System kenne. "Darin sehe ich eine riesige Gefahr." Henne-Bruns gehört zu den Unterzeichnern des "Ärzte-Appells", den der stern 2019 initiiert hat. In ihm fordern Mediziner und Ärzteverbände einen Systemwechsel in der Medizin.

Quelle: Gruner+Jahr, STERN (ots)


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