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Vorsitzender LAG Freie Wohlfahrtspflege: Digitalisierung nicht ignorieren

Archivmeldung vom 16.07.2019

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 16.07.2019 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott
Bild: Gerd Altmann / pixelio.de
Bild: Gerd Altmann / pixelio.de

Franz Loth, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Niedersachsen (LAG FW), warnt davor, das Thema Digitalisierung zu ignorieren: "Es wäre das Schlimmste, wenn wir uns dieser Entwicklung verschließen", sagte Loth im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Dennoch ließen zu viele das Thema auf sich zukommen, statt es aktiv zu gestalten. "Das halten wir für falsch", sagte er. Denn die fortschreitende Digitalisierung biete in der Pflege Chancen. "Großes Potenzial" für digitale Hilfsmittel sieht Loth etwa in der häuslichen Pflege, hier sei auch bereits vieles auf den Weg gebracht: "Wir haben technische Möglichkeiten der Medikamenteneinnahme, der Flüssigkeitsversorgung, der Überwachung von der ambulanten Sozialstation. Auch im Sanitärbereich gibt es schon computergestützte Toiletten oder Duschen, wo auch schwerbehinderte Menschen durch leichte Steuerung keine Assistenz mehr brauchen. All das gibt es schon, und dadurch werden wir eine riesige Erleichterung bekommen", sagte Loth. Auch in Pflegeheimen gebe es Einsatzbereiche für neue Technik, sagte der LAG-Vorsitzende, etwa "wenn Bewohner im Bett umgedreht werden müssen". Weniger vielversprechend seien Pflegeroboter, erklärte Loth: "Darin sehen wir nicht so sehr die große Zukunft."

Um die Chancen der Digitalisierung in der Freien Wohlfahrtspflege sinnvoll zu nutzen, gelte es, die damit verbundenen Herausforderungen anzunehmen, so Loth. Dazu gehöre es, dass Mitarbeiter "sorgfältig an den Geräten geschult werden, auch um Ängste abzubauen". Auch der Führungsstil verändere sich: "Man muss als Arbeitgeber auch bereit sein, diese Veränderung persönlich mitzutragen. Das ist natürlich auch eine Frage von Vertrauen, denn die permanente Kontrolle des Mitarbeiters, wie man sie von früher kennt, wird in Zukunft nicht mehr möglich sein", erklärte der LAG-FW-Vorsitzende.

Wie auch immer die Digitalisierung in der Pflege voranschreite, eines sei jedoch sicher, betonte Loth: "Was aber nie ersetzt werden wird und immer menschlich bleiben wird, ist die zwischenmenschliche Zuwendung. Meine These ist: Genau an dieser Stelle werden wir in Zukunft mehr Menschen haben."

Loth, Diözesan-Caritasdirektor beim Caritasverband für die Diözese Osnabrück, hat den Vorsitz der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Niedersachsen (LAG FW) am 1. Januar 2019 übernommen. In der LAG FW zusammengeschlossen sind die sechs niedersächsischen Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege: Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonisches Werk, der Paritätische Wohlfahrtsverband und die Jüdische Wohlfahrt. Damit repräsentiert die LAG FW etwa 6000 soziale Einrichtungen, Beratungsstellen und Dienste mit mehr als 230.000 hauptamtlichen Beschäftigten und über 500.000 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern.

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung (ots)

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