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Darmbakterien unterscheiden Menschen und Affen

Archivmeldung vom 06.11.2014

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 06.11.2014 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Schimpanse: Unterschiede auch im Darm. Bild: pixelio.de, Nadine Becker
Schimpanse: Unterschiede auch im Darm. Bild: pixelio.de, Nadine Becker

Bei der verschiedenen Entwicklung von Menschen und Schimpansen sind auch Unterschiede im Mikrobiom entstanden. Forscher der University of Austin haben diese jetzt bei den Darmbakterien nachgewiesen. Das Team um Howard Ochman hat das Darmmikrobiom von Hunderten wilden Schimpansen, Bonobos, Schimpansen und von Hunderten Menschen in den USA, Venezuela und Malawi sequenziert.

Es zeigte sich, dass sich die entferntere Verwandtschaft des Gorillas zum Menschen sowie die größere Ähnlichkeit des Schimpansen mit dem Menschen auch in ihren Mikrobiomen widerspiegelt. Zusätzlich scheint laut dem in "PNAS" veröffentlichten Bericht der Verlust der mikrobiellen Diversität beim Menschen auch zugenommen zu haben.

Laut Thomas Bosch von der Christian-Albrechts Universität zu Kiel war die menschliche Evolution durch eine rasche Unterscheidung des menschlichen Mikrobioms von dem der Affen, aber auch von einer drastischen Abnahme der Diversität der Darmbakterien begleitet. Bakterien, die helfen, pflanzliche Nahrungsmittel zu verdauen, haben abgenommen. Dafür sind andere hinzugekommen, die für die Verdauung von Fleisch notwendig sind.

Entzündungen durch fehlende Vielfalt

Andrew Moeller von der Yale University und Mitautor der aktuellen Studie, vermutet jedoch, dass diese Veränderungen im Mikrobiom des Darms auch Nachteile haben könnten. Dem Wissenschaftler nach bilden diese Bakterien ein kleines, komplexes Ökosystem. Systeme, die über unterschiedlichere Eigenschaften verfügen, sind auch belastbarer.

Laut Moeller führt die Unfähigkeit, komplexe pflanzliche Polysaccharide zu verdauen, dazu, dass sie im Darm bleiben und Entzündungen hervorrufen können. "Fehlen den Menschen bestimmte Bakterien, werden sie möglicherweise anfälliger für chronische Entzündungen." Verschiedene Darmbakterien sollen auch dabei helfen können, Krankheitserreger fernzuhalten, indem sie unterschiedliche Bereiche des Körpers besiedeln und so keinen Raum für ein weiteres Wachstum lassen.

Auswirkungen auf die Gesundheit

Alle diese möglichen Zusammenhänge zwischen den im menschlichen Körper vorkommenden Mikroorganismen und der Gesundheit müssen noch durch weitere Studien bestätigt werden. Es muss auch noch herausgefunden werden, wie es in der Entwicklung des Menschen genau zu diesen drastischen Veränderungen der Darmflora gekommen ist.

Die Veränderung der Ernährung und des Lebensraums dürften eine wesentliche Rolle gespielt haben. Studien mit Insekten weisen sogar darauf hin, dass verschiedene Mikrobiome Vertreter der gleichen Art daran hindern können, lebensfähige Nachkommen zu haben. Einem Bericht des "NewScientist" zufolge stellt sich daher auch die Frage, ob die Darmflora beim Ursprung des Menschen von Bedeutung gewesen ist.

Quelle: www.pressetext.com/Michaela Monschein

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