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Studie: Lange Bildschirmzeiten bei Kindern - Eltern plagt schlechtes Gewissen

Archivmeldung vom 24.10.2023

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 24.10.2023 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Mary Smith
Kind mit Handy: Viele bekamen In-App-Rechnungen. Bild: flickr.com/anthony kelly
Kind mit Handy: Viele bekamen In-App-Rechnungen. Bild: flickr.com/anthony kelly

Smartphone, Spielekonsole und Co. stehen bei Kindern ab zehn Jahren höher im Kurs als analoge Freizeitbeschäftigungen. 14- bis 17-Jährige verbringen in der Woche 15 Stunden vor dem Bildschirm. Das sind sechs Stunden mehr als sie für offline-Tätigkeiten investieren. Die meisten Eltern legen zwar Regeln für die Nutzungsdauer fest, doch 61 Prozent haben ein schlechtes Gewissen, weil sie diese nicht konsequent durchsetzen. Dies sind Ergebnisse der repräsentativen Studie "Junge Familien 2023" der Pronova BKK, für die im Juli 2023 insgesamt 1.000 Menschen in Deutschland mit mindestens einem minderjährigen Kind im Haushalt befragt wurden.

Bei den 10- bis 13-Jährigen sind es fast elf Stunden Medienzeit und zehn Stunden für Offline-Aktivitäten. Selbst die unter Dreijährigen konsumieren nach Angaben ihrer Eltern in einer typischen Woche mehr als vier Stunden lang digitale Medien. Sie bekommen nicht immer mit, wenn das Kind am Rechner oder Mobiltelefon sitzt. "Befragungen von Kindern zeigen oft viel höhere Nutzungszahlen. Eltern neigen dazu, sich die Bildschirmzeit ihrer Kinder kleinzureden", sagt Clemens Beisel, Diplom-Sozialpädagoge und Kooperationspartner der Pronova BKK. Er ergänzt: "Es liegt auch daran, dass die Geräte fast überall von unterwegs genutzt werden können, wo die Eltern es nicht mitbekommen."

Damit die Erziehungsberechtigten die wirkliche Bildschirmzeit ihrer Kinder besser einschätzen können, empfiehlt der Experte ihnen, sich das technische Wissen anzueignen, um aus dem Handy die quantitative Nutzung auslesen zu können. Sein Tipp: "Bei vielen Messenger-Diensten ist in den Einstellungen einsehbar, wie viele Nachrichten gesendet und empfangen werden." Bei älteren Kindern und Teenagern erlebt der Sozialpädagoge in seinen Workshops, "dass Kinder bereits ab der 5. Klasse auf mehrere hundert Nachrichten pro Tag kommen. Über solche Zahlen müssen Eltern mit ihren Kindern sprechen und gemeinsam überlegen, was davon notwendig ist und was ablenkt."

Die Bildschirmzeit ist ein Dauerstreitthema

Die Dauer der Nutzung digitaler Medien führt in den Familien oft zu Auseinandersetzungen. In 83 Prozent der Haushalte mit Kindern wird über die Nutzung digitaler Medien gestritten. Hauptthema ist die Dauer (45 Prozent), aber auch die Mediennutzung beim Essen (36 Prozent) oder zur Schlafenszeit (30 Prozent).

Klare Regeln zur Bildschirmzeit setzen rund 80 Prozent der Eltern von 3- bis 9-Jährigen, 69 Prozent der Eltern von 10- bis 13-Jährigen und noch 43 Prozent der 14- bis 17-Jährigen. Aber: Nur ein Viertel der Eltern von 14- bis 17-jährigen Teenagern sorgt für eine strikte Einhaltung von Regeln zur Nutzungsdauer digitaler Medien. 42 Prozent der 10- bis 13-Jährigen halten sich strikt an die Regeln, wenn es um die Bildschirmzeit geht. Und selbst von den unter 10-Jährigen halten sich laut ihren Eltern nur rund 60 Prozent an entsprechende Regeln.

Die Eltern haben ein schlechtes Gewissen

Daraus folgt ein schlechtes Gewissen der Erziehungsberechtigten. 61 Prozent grämen sich, weil sie zu viele Ausnahmen bei der Mediennutzung machen, 59 Prozent fürchten, sie duldeten eine zu häufige oder zu lange Nutzung, 53 Prozent sind zu selten da, um die Nutzung von digitalen Medien zu kontrollieren oder für ein Alternativprogramm zu sorgen. Auch die Gründe, warum sie Regelverletzungen zulassen, plagen Mama und Papa: Mehr als jede*r zweite Erziehungsberechtigte, weil sie schon Kleinkindern die Nutzung digitaler Medien erlauben, nur um sie ruhigzustellen. Die Hälfte der Befragten drückt ein Auge zu, wenn der Bildschirm länger an ist, um einer anstrengenden Debatte darüber auszuweichen.

Experte: Gemeinsam mit den Kindern Regeln verabreden

Clemens Beisel rät Eltern, die Zeit am Bildschirm durch gemeinsam gefasste Familienregeln zu begrenzen. Sowohl die Gesamtzeit der täglichen als auch, bis wann der Bildschirm abends an bleiben darf. Die Richtschnur: "Der Bildschirm bleibt ab 20 Uhr bei jüngeren Kindern aus. Bei 15- bis 16-Jährigen ab 22 Uhr." Beisel beobachtete bei seinen Workshops, dass Kinder noch bis 24 Uhr oder sogar bis zwei Uhr morgens am Handy sind. Daher ist sein dringender Rat: "Ich bin für eine Regulierung der Gesamtzeit. Zum Beispiel über die Funktionen der Bildschirmzeit beim iPhone oder über den Family-Link in den Einstellungen der Geräte."

Über die Studie:

Dies sind Ergebnisse der repräsentativen Studie "Junge Familien 2023" der Pronova BKK, für die im Juli 2023 insgesamt 1.000 Menschen in Deutschland mit mindestens einem minderjährigen Kind im Haushalt befragt wurden.

Quelle: Pronova BKK (ots)

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