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Die GPS-Bombe aus dem Netz

Archivmeldung vom 20.02.2009

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 20.02.2009 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Oliver Randak

Wie leicht kann man heute eine Bombe selbst bauen? Experten warnen vor einer neuen Art von Sprengsatz, die dank dem Einsatz von GPS-Handys den Bombenbau so einfach macht wie nie zuvor. Zubehör und Wissen dazu kommen aus dem Internet.

Ein Lieferwagen, ein Paket mit einem selbstgebauten Sprengsatz nach Online-Anleitung und ein GPS-Telefon, das den Sprengstoff beim Eintreffen am Bestimmungsort zündet. Das ist das Szenario einer modernen GPS-Bombe, entworfen von Bert Weingarten, Geschäftsführer der deutschen Sicherheitsfirma Pan Amp.

Er beschäftigt sich neben Filterlösungen gegen Spam auch intensiv mit der Gefahr von Bombenbau-Anleitungen im Internet. Im Zuge der Recherchen entdeckten er und seine Mitarbeiter eine Handysoftware, die als Fernzünder einer Bombe dienen kann und auf den meisten Telefonen lauffähig sein soll.

Wer wirklich etwas in die Luft sprengen will, schafft es mit genügend krimineller Energie wohl immer. Die Frage, um die es sich beim Thema GPS-Bombe im Paket vielmehr dreht, lautet, wie einfach man es potentiellen Attentätern dabei macht und wie viel Aufwand heutzutage dafür noch nötig ist.

Erschreckend wenig, meint Weingarten. «Das Problematische ist, dass man mit dieser Software keinerlei technisches Wissen mehr haben muss, um einen Sprengsatz zu zünden. Dazu kommt, dass sie für jedermann im Internet herunterladbar ist, auch jetzt gerade,» beschreibt er das neue Risiko. Mit den im Netz frei verfügbaren Anleitungen wäre der Bombenbau auch für Laien zu bewältigen.

Die Fertigstellung eines fernzündbaren Sprengsatzes würde sich damit auf den Einkauf der Geräte und der (oft handelsüblichen) Sprengsatzzutaten, das Installieren der Software auf dem Handy und das Anfertigen der Bombe nach Anleitung beschränken. Der Täter selbst müsste weder in der Nähe des Tatorts sein, noch muss er kurz vor der Tatausführung intensiv kommunizieren und so ins Visier der Fahnder geraten.

Wie leicht der Bau des Sprengsatzes nach Anleitungen aus dem Netz ist, darauf weist Bert Weingarten gerne hin. Zuletzt tat er das auf dem 12. Europäischen Polizeikongress im Februar, als er das Risikothema GPS-Bombe europäischen Behörden präsentierte. Und in der Tat scheint der Zugriff auf brisantes Wissen zum Bau von hochexplosiven Sprengsätzen auch im Deutschland des Jahres 2009 einfach und ungehindert möglich, liest man Weingartens Langzeitstudie (pdf-Dokument).

All das ist schon an sich ein heikles Thema, richtig brisant wird es aber nun im Zusammenspiel mit der fast kinderleichten Herstellung eines Bombenzünders. Der ist schließlich ein weiteres komplexes Bauteil, an welchem der ganze Erfolg eines Attentates hängt. Auch Gilles der Kerchove, oberster Terrorismus-Koordinator bei der Europäischen Union hat sich nach eigener Angabe schon von Bert Weingarten nähere Informationen geben lassen.

Sicherlich lassen sich nun einige Argumente gegen den Ausruf einer neuen Bedrohungslage finden, und sei es nur die kriminelle Hemmschwelle, die für einen Bombenanschlag schon sehr niedrig liegen muss. Doch die Fakten – GPS macht Bombenzünden leichter – liegen auf den Tisch und müssten zum Beispiel vom Bundeskriminalamt (BKA) zur konkreten Bedrohung und vom Bundesjustizministerium (BjJ) zur Aktualität deutscher Gesetze eingeschätzt werden.

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