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Sopran-Stimmen bevorzugen Bässe

Archivmeldung vom 08.05.2010

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 08.05.2010 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Immer wieder untersuchen Forscher neu, was Menschen an anderen fasziniert. Bild: pixelio.de/Bieber
Immer wieder untersuchen Forscher neu, was Menschen an anderen fasziniert. Bild: pixelio.de/Bieber

Frauen mit besonders weiblicher Stimme haben eine Vorliebe für Männer mit tiefer Stimme. Das behaupten zumindest schottische Psychologen in der Zeitschrift "Behavioral Ecology". Sie ermittelten die Stimmtonhöhe von 113 Studentinnen und ließen sie Tonbeispiele von Männerstimmen bewerten, deren Tonhöhe zuvor künstlich verändert worden war. Der durchgehende Trend, tiefere Männerstimmen als attraktiver zu bewerten, war bei Frauen mit den höchsten Stimmlagen am deutlichsten ausgeprägt.

Die Forscher interpretieren dies so, dass sich Menschen stärker des eigenen "Marktwertes" bewusst werden, sobald sie potenzielle Partner beurteilen. "Vielleicht können attraktive Frauen leichter die Aufmerksamkeit maskuliner Männer auf sich ziehen und bevorzugen daher diesen Männertyp. Das könnte erklären, warum manche Frauen starke und maskuline, andere aber eher gefühlvolle und feminine Partner suchen", spekuliert Studienleiter Benjamin Jones von der Universität Aberdeen. Das gelte nicht nur für Partnerwahl und Heirat, sondern auch für Teamarbeit, Bewerbungssituationen bis hin zur politischen Wahlentscheidung.

Solche Aussagen stützen die Forscher auf andere Untersuchungen, denen zufolge Frauen mit hoher Stimmlage eher ein Gesicht haben, das von anderen als "attraktiv" eingeschätzt wird. Ebenso würden attraktive Frauen deutlich häufiger Männer mit maskulinem Gesichtszügen - wie längere Kiefer, stärker ausgeprägte Augenbrauen - bevorzugen. Aus Sicht der Evolution könnten solche Merkmale den Frauen Rückschluss auf die Männergesundheit und Chancen auf gesunden Nachwuchs geben. Umgekehrt vermutet man, dass hohe Frauenstimmen durch mehr Östrogen entsteht, was ebenfalls ein Fruchtbarkeits-Indiz sein könnte.

Kritik an den Ergebnissen

Als "sehr interessant" bewertet die Stimmforscherin Vivien Zuta die Studie gegenüber pressetext. Die Autorin des Buches "Warum tiefe Männerstimmen doch nicht sexy sind" glaubt allerdings nicht, dass Stimmtonhöhe und Bewertung des anderen Geschlechts direkt zusammenhängen. "Man wächst heute damit auf, dass man tiefe Männerstimmen für attraktiv hält. Frauen dürften sich aus diesem Grund umso weiblicher empfinden, je tiefere Männerstimmen sie bevorzugen", vermutet Zuta.

Dass eine tiefe Männerstimme automatisch mehr Testosteron bedeutet, sei nicht nachweisbar. "Zwar ist das oft der Fall, jedoch nicht zwingend. Manche Männer mit viel Testosteron haben eine hohe Stimme", so die Stimmtrainerin. Mehrere Details der aktuellen Studie würden die Ergebnisse abschwächen, so etwa der Umstand, dass die Bevorzugung tiefer Stimmen nur im Kontext positiver Aussagen der Tonbeispiele zu beobachten war. Die Stimmtonhöhe lag bei allen gestesteten Frauen innerhalb eines Normalbereichs, zudem habe laut Angaben der Forscher auch die Einnahme hormoneller Verhütungsmittel gewissen Einfluss gezeigt.

Nicht nur die Stimme macht attraktiv

Auf der Suche nach dem Schlüssel der Attraktivität sind viele - Psychologen, Mediziner oder eben auch Stimmforscher. "Die Disziplinen arbeiten bisher kaum zusammen, was schade ist", beklagt Zuta. Die Stimme spielt laut ihrer Ansicht nicht die wichtigste, jedoch eine herausragende Rolle. "Insgesamt kann man sagen, dass der Mensch viel zu komplex ist, als dass ein einziges Merkmal über die Attraktivität entscheidet. Einiges deutet aber darauf hin, dass man durch eine gute Stimme andere Unsicherheiten kompensieren kann", so die Phonetikerin.

Quelle: pressetext.deutschland Johannes Pernsteiner

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