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Neue Einblicke in die Waldbrandgeschichte Zentraleuropas

Archivmeldung vom 23.10.2018

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 23.10.2018 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Waldbrand (Symbolbild)
Waldbrand (Symbolbild)

Lizenz: Public domain
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Der Mensch ist seit Jahrtausenden wichtiger Faktor bei der Gestaltung der Landschaft mit Feuer. Eine Studie aus dem Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ untersucht jetzt Häufigkeit von Bränden im Zusammenhang mit der Zusammensetzung der Wälder, dem Klima und dem Faktor Mensch seit mehr als 10.000 Jahren. „Mit unseren Daten konnten wir zeigen, dass die Kombination aus Kiefernwäldern und trockenen Sommern – ähnlich den Bedingungen im frühen Holozän – besonders riskant für das Auftreten von Waldbränden in unserer Region ist. Die gute Nachricht ist, dass gemischte Laubwälder das Risiko von Waldbränden reduzieren“, so Studienautorin Elisabeth Dietze.

Waldbrände stellen jedes Jahr weltweit Mensch und Natur vor große Herausforderungen. Feuer verringert die Vitalität von Waldökosystemen und verstärkt den Ausstoß von Feinstaub- und Treibhausgasen. Statistiken zeigen, dass die Häufigkeit von Waldbränden in den letzten Jahrzehnten angestiegen ist. Aber was passierte im Zeitraum vergangener Jahrhunderte oder gar Jahrtausende? Welche Rolle spielten dabei natürliche Klimaschwankungen und der Mensch? Die Beantwortung dieser Fragen ist essentiell, um das zukünftige Auftreten von Waldbränden unter möglichen klimatischen Veränderungen einschätzen zu können.

Forscherinnen und Forscher am GeoForschungsZentrum studierten nun den Zusammenhang großflächiger Waldbrände im zentraleuropäischen Tiefland und der Klima- und Menschheitsgeschichte im Holozän, also der letzten gut 11.000 Jahre. Das Team berichtet darüber im Fachjournal Quaternary Science Reviews. In internationaler Zusammenarbeit hat Elisabeth Dietze Daten über vergangene Waldbrände von Norddeutschland bis zum Baltikum zusammengetragen. Für die Feuerstudie besonders interessant ist das Auftreten von Holzkohle in Sedimentbohrkernen aus Seen und Mooren. Die Holzkohle wird durch Wind und Regen in die Seen und Moore transportiert. Die Anzahl von Holzkohlepartikeln in den Bohrkernen erlaubt dann eine Rekonstruktion von Feueraktivität in der Vergangenheit. Diese Methode ist eine der ältesten in der Seesedimentforschung – die Kompilation vergangener Feuerereignisse aus 61 Orten und die detaillierte statistische Auswertung ermöglichen jetzt aber völlig neue Einblicke in die 11.000 Jahre alte Waldbrandgeschichte im zentraleuropäischen Tiefland.

Die Ergebnisse zeigen, dass vermutlich im frühen Holozän bis ungefähr vor 8.500 Jahren vor heute natürlich entzündete Waldbrände in einer ähnlichen Häufigkeit wie heute stattfanden. Häufige Dürren und die große Verbreitung von Kiefernwäldern begünstigten das Auftreten von Waldbränden durch Blitzeinschlag. Um ungefähr 8.500 Jahren vor heute veränderte sich das Klima hin zu feuchteren Sommern – ähnlich den Klimabedingungen, wie wir sie heute kennen. Zeitgleich breiteten sich gemischte Laubwälder aus, die schwerer entflammbar sind im Vergleich zu Kiefern. Feuchtere Bedingungen und die Veränderungen der Waldzusammensetzung ließ das Auftreten von Waldbränden auf ein Minimum sinken – bis der Mensch ins Spiel kam.

Denn die Studie trägt auch neue Erkenntnisse zur Debatte um die frühe Landnutzung des Menschen bei. „Wir zeigen, dass Menschen schon viel eher als vermutet – regional sogar ab 8.000 Jahren vor heute – unser Land aktiv mit dem Einsatz von Feuer bewirtschaftet haben“, sagt Elisabeth Dietze. Archäologische Indikatoren zeigen bisher erst ab 5.500 Jahre vor heute regionale und nicht nur lokale Anzeichen von menschlicher Landnutzung. Trotz der feuchten Sommer und schwer entflammbarer Vegetation steigt Feuerhäufigkeit in einigen Untersuchungsregionen wieder an – seit 8.000 Jahren vor heute. Vermutlich waren es Jäger und Sammler, die in der Mittelsteinzeit und frühen Jungsteinzeit mit Feuer für offene Bereiche in den Wäldern sorgten, um zum Beispiel das Jagen zu optimieren. Ab ca. 6.500 Jahren vor heute führte zudem die agrarwirtschaftliche Landnutzung zu häufigen Waldbränden.

Das Team trägt damit neue Erkenntnisse für die zukünftige Landschaftsplanung im zentraleuropäischen Tiefland bei. „Mit unseren Daten konnten wir zeigen, dass die Kombination aus Kiefernwäldern und trockenen Sommern – ähnlich den Bedingungen im frühen Holozän – besonders riskant für das Auftreten von Waldbränden in unserer Region ist. Die gute Nachricht ist aber, dass gemischte Laubwälder das Risiko von Waldbränden reduzieren“, so Elisabeth Dietze. Weiterhin sind die neuen Ergebnisse zur Geschichte der menschlichen Landnutzung nicht nur spannend für die Archäologie, sondern auch für Landschafts- und Klimamodellierer, da das frühe Auftreten von menschlich induzierten Feuern die Entwicklung der Waldökosysteme und den Ausstoß von Treibhausgasen in der Vergangenheit beeinflusst haben.

Die Studie entstand im Rahmen des Helmholtz-Instituts ICLEA – Virtuelles Institut zur Integrierten Klima- und Landschaftsentwicklungsanalyse. Als Partner bündeln das Helmholtz Zentrum Potsdam Deutsches GeoForschungsZentrum (GFZ), die Uni Greifswald, die Brandenburgisch Technische Universität Cottbus (BTU) zusammen mit der Polnischen Akademie der Wissenschaften (PAN) ihre Forschungskapazitäten und Expertise, um die Klima- und Landschaftsentwicklung der historischen Kulturlandschaft zwischen Nordostdeutschland und Nordwestpolen zu untersuchen.

Quelle: Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ (idw)

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