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Deutscher Offshore-Startplatz für kleine Raketen nimmt entscheidende Hürde

Archivmeldung vom 16.12.2020

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 16.12.2020 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch André Ott
Künstlerische Darstellung der geplanten Plattform für Raketenstarts in der Nordsee. Bild: "obs/OHB SE/Wolf Soujon"
Künstlerische Darstellung der geplanten Plattform für Raketenstarts in der Nordsee. Bild: "obs/OHB SE/Wolf Soujon"

Die Pläne zur Umsetzung eines deutschen Weltraumbahnhofs werden konkreter. Mehrere Partner vereinbaren die Zusammenarbeit, um spätestens im Jahr 2023 aus der deutschen Nordsee Raketenstarts zu realisieren. Im digitalen Zeitalter ist Raumfahrt der Schlüssel für Zukunftstechnologien wie autonomes Fahren, Industrie 4.0 und Big Data-Anwendungen.

Für die außen- und sicherheitspolitische Urteils- und Handlungsfähigkeit sowie den Klimaschutz ist sie unabdingbar. Allerdings hat sich auch die Raumfahrt in den vergangenen Jahren diversifiziert, viele neue Geschäftsmodelle sind entstanden und vor allem Start-ups erfahren für Ideen, die auf Anwendungen mit Klein- und Kleinstsatelliten setzen, einen besonderen Boom. Dass diese Anwendungen von großem Interesse für die gesamte deutsche industrielle Wertschöpfungskette sind, zeigt das Engagement des Bundesverbands der deutschen Industrie BDI für den Bereich New Space.

In Deutschland gibt es drei Hersteller von kleinen Raketen, sogenannten Microlaunchern, die 2021/22 auf den Markt kommen werden. Deutschland ist in Europa in diesem Bereich damit führend. Eine Startmöglichkeit für kleine Trägerraketen in Deutschland bildet die notwendige Systemkomponente, um deutsche Technologien zu erproben und im Markt zu platzieren, Kleinsatelliten ins All zu verbringen, zu betreiben und für vielfältige Zwecke einsetzen zu können.Ein Startplatz für kleine Trägerraketen komplettiert das New Space-Ökosystem, das in dieser Form in Europa einmalig wird.

Die German Offshore Spaceport Alliance GmbH (GOSA) soll jetzt als Betreibergesellschaft für diebenötigte Startmöglichkeit agieren. Gegründet wurde die GOSA in Bremen, das die Idee eines Startplatzes von Beginn an unterstützt. Die Initiative wurde neben der Reedereigruppe Harren & Partner, von der OHB Gruppe, MediaMobil GmbH und der Tractebel DOC Offshore GmbHgestartet, der Versicherungsspezialist Lampe & Schwartze sowie der Logistikdienstleister BLG sind als strategische Partner dabei. Die Gesellschaft möchte weiteren strategischen Partnern die Zusammenarbeit anbieten, dabei ist sowohl die Mitarbeit als Gesellschafter als auch über einen Expertenbeirat denkbar.

Dazu Kristina Vogt, Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa: "Wir freuen uns sehr, dass wir unsere starken Kompetenzen in der Raumfahrt in Bremen mit den maritimen Kompetenzen in Bremerhaven verbinden können. Mit der German Offshore Spaceport Alliance entsteht somit ein völlig neues Kapitel in der deutschen Raumfahrt. Gerade diese neue Verbindung zwischen zwei ausgeprägten Innovationsclustern in Bremen und Bremerhaven zeigt eindrucksvoll den Erfolg der landesbremischen Innovationspolitik. Sie setzt auf innovative Entwicklung der Industrie und vernetzt diese mit neuen Schlüsseltechnologien wie der Künstlichen Intelligenz. Daher haben wir die ersten Schritte zur Umsetzung eines deutschen Weltraumbahnhofs auch mitfinanziert."

Die German Offshore Spaceport Alliance wird nun die Arbeit zügig aufnehmen und zunächst die Konzeption des Spaceports weiter definieren. Dazu benötigt es auch den Austausch mit den drei Microlauncher-Herstellern, die als Erst- und Ankerkunden gewonnen werden sollen. Oliver Spalthoff, Geschäftsführer von Tractebel DOC Offshore, ist schon seit einigen Monaten mit Studien zum Spaceport befasst: "Wir schauen natürlich auch über den Tellerrand und lassen uns von Konzepten anderer maritimer Raketenbasen inspirieren. Allerdings stand beim Projekt des deutschen Offshore-Spaceports von Anfang an fest, dass wir versuchen wollen, möglichst kostenoptimiert und nicht mit Goldrand-Lösungen zu hantieren, und daran orientieren wir uns auch weiterhin. Trotzdem gibt es zum Beispiel bei der Sicherheit und Umweltaspekten ein paar Anforderungen, bei denen wir nicht als erstes aufs Preisschild schauen werden. Dafür brauchen wir die Expertise der Raketenbauer." Obwohl der Spaceport derzeit maßgeblich durch den Bedarf der deutschen Firmen getrieben wird, soll er im Betrieb auch anderen Raketenherstellern offen stehen, und als europäischer Startplatz auch für institutionelle Missionen der Europäischen Kommission nutzbar sein.

Die Bremer Reedereigruppe Harren & Partner betreut derzeit rund 90 Einheiten und besitzt mit SAL Engineering eines der größten und innovativsten maritimen Ingenieurbüros der Welt. "Wir transportieren bereits seit Jahrzehnten Trägerraketen und das dazugehörige Zubehör mit unseren Schwergutschiffen - unter anderem im Auftrag von EADS bzw. Airbus oder Sea Launch", sagt Geschäftsführer Heiko Felderhoff. "Wir nutzen dabei das ,Roll on/Roll off'-Verfahren, bei dem die Ladung mit Spezialgerät auf das Schiff gefahren wird." Geschäftsführer Dr. Martin Harren fügt an: "Wir haben erfahrene Ingenieure aus allen Fachgebieten des maritimen Engineering und verfügen über eine diversifizierte Flotte mit hochspezialisierten Offshore-Schiffen. Ich bin froh und stolz, dass wir unsere Erfahrung im Bereich Offshore und maritime Transportlösungen in die German Offshore Spaceport Alliance einbringen dürfen."

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie prüft derweil die nächsten Schritte und die nötigen Genehmigungen, mit Ergebnissen dieser Prüfungen wird zeitnah gerechnet.

Quelle: OHB SE (ots)

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